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Karlsruhe Endstation 2019: Zukunft der Turmbergbahn (noch) ungewiss

Die alten Wagen der Turmbergbahn auf dem Durlacher Hausberg entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Bis 2019 dürfen sie noch fahren, dann ist Schluss. Vor allem in Sachen Barrierefreiheit muss etwas getan werden, darin sind sich die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und der Fahrgastverband "Pro Bahn" einig. Wann und wie die Verbesserung kommen, dabei gehen die Meinung allerdings auseinander.

Seit rund 128 Jahren verkehrt die Bergbahn auf den 256 Meter hohen Hausberg des Karlsruher Stadtteils Durlach. Sie ist eine Alternative für alle, die nicht die 528 Stufen auf den Turmberg hinter sich bringen möchten. Wer stattdessen mit ältesten Standseilbahn Deutschlands hoch hinaus möchte, muss derzeit noch an der Straßenbahnhaltestelle Durlach Turmberg aussteigen und dann weiter zu einer Talstation.

Nicht alle sind von dieser Lösung begeistert. Kritiker, wie auch der Regionalverband Mittlerer Oberrhein und Südpfalz des Fahrgastverbandes Pro Bahn, forderten in der Vergangenheit immer wieder, die Bergbahnstrecke bis zur Endhaltestelle der Tramlinie 1 zu verlängern.

Vor allem für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sei die aktuelle Lösung mehr als nur suboptimal. 250 Meter Entfernung bei zehn Grad Steigung, das sei für manche nicht machbar, kritisiert Pro Bahn-Vorstand Gerhard Stolz. "Sollen diese Menschen vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen werden?"

Nachrüstung in Sachen Barrierefreiheit

Dass sich an der Situation etwas ändern muss, damit steht Stolz nicht allein. Das zuständige Regierungspräsidium Freiburg forderte, dass bis 2019 eine Ersatzlösung gefunden werden muss. Maximal für die kommenden drei Jahren dürfen die Turmbergbahnen noch betrieben werden, dann müssen neue Modelle her.

Bei den VBK hat man bereits reagiert: Sie haben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ein externes Planungsbüro prüft aktuell vier Varianten: Denkbar wäre zum einen, die bestehenden Bahnen durch Fahrzeuge mit einem barrierefreien Zugang zu ersetzen. An der Linienführung an sich würde sich damit nichts ändern. Eine zweite Variante, welche in der Studie geprüft wird, wäre eine Erweiterung zur ersten Variante: Neben neuen Zugängen soll ein Schrägaufzug die Situation zusätzlich verbessern.

Die dritte Variante sieht vor, die Seilbahn bis zur Haltestelle Turmberg zu verlängern, sodass ein Umstieg gar nicht mehr notwendig werden würde. Die letzte Variante hingegen würde das Ende für die Turmbergbahnen, wie sie die Durlacher kennen, bedeuten. Der Vorschlag: Eine Luftseilbahn mit Gondeln soll Besucher auf den Turmberg bringen.

"Es wird sich wohl gar nichts tun"

Welche der vier Varianten das Rennen macht, ist aktuell noch nicht entschieden. Für Stolz und Pro Bahn steht allerdings fest: Die beste Lösung wäre eindeutig eine Verlängerung der Linie bis zur Haltestelle Turmberg. Die verlängerte Turmbergbahn erhöht, wenn auch in bescheidenem Umfang, die Mobilität von den Menschen, die mit der aktuellen Lösung Probleme hätten. Wirklich optimistisch schaut er aber nicht in die Zukunft. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in den nächsten Jahren bei der Turmbergbahn et­was tut, ist äußerst gering", meint Scholz.

Der Durlacher Ortschaftsrat habe der von ihm favorisierten Lösung in Vergangenheit vor allem aus Kostengründen bereits eine Absage erteilt. "Nachdem die Verlängerung wieder einmal in der Versen­kung zu verschwinden droht, wird sich wohl gar nichts tun", so der Vorsitzende, "denn wer an einen Schrägaufzug, eine Rolltreppe oder an den Einsatz von Bussen glaubt, der kann auch gleich an den Weihnachtsmann glauben!"

Bei den VBK klingt das anders. Die Prüfung aller vier Varianten sei aktuell noch nicht abgeschlossen, betont ein Pressesprecher im Gespräch mit ka-news. Bis Ende des Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. Das bedeutet allerdings nicht, dass dann feststeht, wie es für die Turmbergbahn künftig weitergeht. Die VBK würden anhand der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie eine Empfehlung abgeben, was man für erstrebenswert halte, so der Sprecher. Diese Empfehlung muss dann noch in den politischen Gremien diskutiert werden.

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