Karlsruhe Eisbären-Tausch: So bereitet sich der Karlsruher Zoo auf den Umzug vor

Für das Eisbären-Trio Nika, Larissa und Vitus stehen große Veränderungen an: Nach 10 Jahren des Zusammenlebens sollen um Ostern Larissa und Vitus in den Tierpark nach Neumünster umziehen. Der Eisbären-Tausch ist nicht unumstritten. Wie bereitet sich der Karlsruher Zoo auf die Herausforderung vor?

Lange wird es nicht mehr dauern, dann heißt es für die Eisbären Larissa und Vitus Abschied nehmen. In der Osterzeit sollen die beiden die rund 700 Kilometer weite Reise in den Tierpark Neumünster antreten. Den genauen Termin wollen die Verantwortlichen nicht nennen, um den Tieren die größtmögliche Ruhe zu verschaffen. Zudem wolle man auch eventuellen Protesten von Tierschützern zuvor kommen. 

Eine Transportkiste wird zur Ersatz-Höhle

Diese hatten den Umzug der Eisbären im Vorfeld teils heftig kritisiert. Ein Vorwurf: Der Zoo setze die Tiere zu großem Stress aus. Timo Deible, Sprecher des Karlsruher Zoos, wehrt sich auf Anfrage von ka-news gegen die Vorwürfe. Tatsächlich könnten bei den Tieren im Laufe des Umzugs Stresshormone messbar sein - allerdings nur kurzfristig. Die Hormone würden schnell wieder abgebaut. "Das ist wie beim Menschen auch", so der Zoo-Sprecher. Ein veränderter Hormonhaushalt sei bei Eisbären aber auch in der Natur messbar, etwa bei der Robbenjagd. 

Damit die Reise für die Tiere dennoch möglichst angenehm vonstatten geht, laufen aktuell die Vorbereitungen für den Umzug. "Die Eisbären werden an die Transportkiste gewöhnt, damit sie die Kiste als etwas Positives erleben werden", so Deible. Das Ziel der Pfleger: Die Eisbären sollen sich freiwillig in die Transportboxen begeben. Eingeengt würden sie sich darin nicht fühlen: "Es ist ein Raum, den der Eisbär kennt. Es ist für sie wie eine Höhle." 

Noch sind aber nicht beide Eisbären von ihren Kisten überzeugt. "Bei Vitus klappt das schon einwandfrei", freut sich der Zoo-Sprecher. Der Eisbär nehme Leckerchen an und reagiere auf den Trubel recht entspannt. Larissa wiederum fremdelt mit der beengten Behausung noch etwas. Überrascht ist Deible von dem Verhalten der Eisbärendame nicht. "Larissa ist im Allgemeinen etwas zögerlicher als Vitus." 

Eine Spezialfirma übernimmt den Transport 

Zur Beruhigung der Tiere würde keine Narkose um Einsatz kommen, denn die Eisbären "lassen sich von den Umständen nicht aus der Ruhe bringen", erklärt der Zoo-Referent weiter. Das Vorgehen des Karlsruher Zoos ist allerdings nicht selbstverständlich. Vor einiger Zeit sei es noch an der Tagesordnung gewesen, die Tiere mit einem Blasrohr zu betäuben und sie dann in eine Kiste zu verladen, so der Zoo-Sprecher. Von dieser Praktik sei man inzwischen abgekommen.

Für den Transport selbst sei dann eine Spezialfirma verantwortlich. Hier sind die Planungen noch nicht ganz abgeschlossen. Aber eines sei sicher: "Die Eisbären Larissa, Vitus und Kap werden sich beim Umzug nicht sehen." Der Tausch der Tiere würde mehr oder weniger gleichzeitig stattfinden, eine kurzzeitige Überschneidung in einem der Gehege gebe es nicht, so Deible.

Nachwuchs im zweiten Halbjahr 2018?

Und wie schwer wird Larissa und Vitus die Eingewöhnung in Neumünster fallen? Deible ist sich sicher: Die beiden werden keine lange Eingewöhnungszeit benötigen. "Eisbären sind sehr interessiert daran, das Neue kennen zu lernen." Während Vitus und Larissa ihr neues Gehege erkunden, kehrt Eisbär Kap zurück in seine alte Heimat, eine Umgebung, die für ihn nicht sonderlich neu sein dürfte.

Denn 2001 kam Kap von Moskau nach Karlsruhe und verließ den Stadtgarten 2004 mit dem Ziel Neumünster. Damals konnte er noch für keinen Nachwuchs sorgen, weil er zu jung war. "Man hat sich zu dieser Zeit für die Zucht für Vitus entschieden, der sich eben als unfruchtbar herausgestellt hat." 

Da die weltweite Population an Eisbären bedroht sei, sei die Zucht daher von großer Bedeutung. Aus diesem Grund habe man den Eisbären-Wechsel auch veranlasst. Ab wann es in Karlsruhe Nachwuchs geben könnte? "Realistisch ist Herbst/Winter 2018, aber das kann man eben nicht mit Sicherheit sagen", gibt Deible an. "Es gibt überhaupt keine Garantie. Es ist wie bei den Menschen, manche verstehen sich, manche aber auch nicht. Und wenn es nicht klappt, ist es leider so."

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