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Karlsruhe "Einfache Hilfe": So spenden Karlsruher Jacken und Mäntel im Vorbeigehen

"Wer friert, nimmt einen mit. Wer helfen möchte, hängt einen dazu." Der Kleiderständer vor der Stadtkirche richtet sich an Menschen, die frieren. Wer sich aus finanziellen Gründen keine warme Jacke leisten kann, ist eingeladen zuzugreifen. "Ganz einfach", erklärt Aliz Müller aus Karlsruhe.

Als sie über Weihnachten in Ungarn war, sei ihr die Idee für das Projekt gekommen. In Budapest hatte Aliz Müller die Kleiderstangen, behangen mit warmen Mänteln und Jacken entdeckt. Der Gedanke, auf so einfache Art, frierenden Menschen mit einem Mantel zu helfen, beeindruckte die Leiterin der Antidiskrimierungsstelle in Karlsruhe und bewegte sie dazu, die Aktion auch in der Fächerstadt zu starten.

Über Facebook habe sie Karlsruher dazu aufgerufen, Jacken und Mäntel an den eigens aufgestellten Kleiderständer an der Stadtkirche zu hängen und hatte bereits innerhalb von zwei Tagen unzählige Spenden beisammen. "Die Jacken sind in sehr gutem Zustand. Darüber sind wir sehr froh", erzählt Müller, die sich zusammen mit ihren Helfern Catherine Devaux, Muhhamad und Stadtkirchen-Hausmeister Assmann um die Spenden kümmert.

"Unbürokratisch Hilfe bekommen"

Zwei bis drei Mal am Tag schaue Müller beim Kleiderständer vor der Stadtkirche vorbei, der sonst die ganze Zeit unbewacht und frei zugänglich ist. "Wichtig an der Aktion ist mir, dass sich Menschen, die frieren, ganz frei und wann immer sie möchten, eine Jacke mitnehmen können. Sie sollen das Gefühl haben, ganz unbürokratisch Hilfe zu bekommen. Viele tragen schon seit langer Zeit die selbe abgenutzte Jacke, hier können sie sich anonym und selbstständig für die Kälte rüsten", beschreibt sie im Gespräch mit ka-news.

Mit dem Projekt, das in Kooperation mit Pfarrer Keller von der Stadtkirche läuft, soll nicht nur Winterkleidung gesammelt werden. Es geht besonders auch darum, die Leute auf einfache Weise aufmerksamer zu machen. "Bei der Kälte gehen viele Menschen so zügig durch die Stadt und wollen so schnell wie möglich ins Warme", so Müller. "Viele sehen in der Eile nicht mehr, dass es doch auch manche in Karlsruhe gibt, die frieren, die kein warmes zu Hause oder zu geringes Einkommen haben, um warme Jacken neu zu kaufen."

Auf der Facebook-Seite der Antidiskriminierungsstelle beobachte Müller außerdem eine schöne Entwicklung. Viele Menschen würden sich dort mit Informationen helfen, wo in Karlsruhe man zum Beispiel günstig Kinderkleidung oder Schuhe finde. Auch berichtet sie von einem Mann mit geringem Gehalt, der sich in seiner Größe keine Jacke leisten konnte,  für den sich aber durch die Facebook-Seite in Kürze eine passende Jacke gefunden hatte.

Im Vorbeigehen spenden

"Wir freuen uns, dass mit der Aktion so viele Jacken und Mäntel gespendet werden. Allerdings möchte ich vor allem auf die Menschen und Organisationen hinweisen, die das ganze Jahr über fleißig Kleidung sammeln und den Menschen helfen, die Hilfe benötigen. Viele andere Spendenaktionen bleiben unbemerkt. Im Gegensatz dazu ist der Kleiderständer nur eine kleine Hilfe für die Menschen," sagt Aliz Müller.

Den ganzen Winter über werde die Mantel-Aktion noch weitergehen. Spenden könnten weiterhin gerne an den Ständer gehängt werden. Bei größeren Spenden, solle man sich zuvor an Aliz Müller (ads@menschenrechtszentrum.de) wenden.

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Kommentare (3)
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  •   Malerdoerfler
    (3621 Beiträge)

    Interessante Idee
    Ein Versuch ist es wert.
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  •   ALFPFIN
    (5597 Beiträge)

    So eine ähnliche öffentliche Aktion
    wurde schon einmal in Hessen gestartet.
    Fazit:
    Sicher haben Leute, die wirklich aus Not warme Kleidung benötigten, sich eine Jacke oder einen Mantel genommen, aber... dann gab es Typen, die aus Jux die Bekleidung mitgenommen haben und irgendwo in den Dreck geworfen haben und in einem Fall wurde wohl mit einer Schere oder einem Messer die Jacke zerschnitten. Es wurde auch Bekleidung dazu gegeben, die eigentlich in die Altkleidersammlung gehörten.

    Ich gebe daher weiterhin gute Bekleidung und auch Haushaltsartikel, wie schon seit Jahren an die Kashka oder in die Kleiderstuben der Diakonie.
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  •   mixe
    (1125 Beiträge)

    eine tolle idee
    es gibt sehr viele menschen hier in dieser schönen stadt die sich auch für das wohl anderer interssieren und etwas tun. respekt. leider sieht es auf der anderen seite des platzes gaaaanz anders aus. so ist es es nun mal. man bekommt nicht hilfsbereitschaft und nächstenliebe ohne die menschliche kälte und arroganz der verwaltung.
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