29  

Karlsruhe Ausbau der Innenstadt-Ost: Dauert die Sanierung 15 Jahre?

Schluss mit leeren Läden und heruntergekommenen Plätzen: Über 90 Millionen Euro sollen in die Sanierung des Stadtteils Innenstadt-Ost fließen, das hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung beschlossen. Doch wie sehen die weiteren Schritte aus und was ist bislang geplant? Am Mittwoch gab die Stadt einen ersten Einblick.

Die "linke Herzkammer der Fächerstadt", wie Bürgermeister Michael Obert den Stadtteil Innenstadt-Ost zu Beginn der Infoveranstaltung am Mittwochabend im Fritz-Haller-Hörsaal auf dem KIT Campus Süd bezeichnete, soll aufgewertet werden. Mit einer Sanierungsmaßnahme möchte man den Stadtteil insbesondere für Gewerbe, Handel und Bürger wieder attraktiv gestalten.

Die ersten Weichen dafür sind gestellt: So hat der Gemeinderat in seiner Septembersitzung den vorläufigen Sanierungszielen, dem Neuordnungskonzept, dem Maßnahmenplan sowie der Kosten- und Finanzierungsübersicht mehrheitlich zugestimmt. Über 90 Millionen Euro sind für das Projekt eingeplant. Im nächsten Schritt muss der Antrag auf Fördermittel an das Land erfolgen. "Der Antrag ist für Ende Oktober geplant", so Sybille Rosenberg vom Stadtplanungsamt Karlsruhe.

Neue Gestaltung, mehr Sicherheit 

Strukturelle Mängel und Missstände aber auch Handlungsbedarf in Sachen Wohnen und Handel sieht Thomas Sippel vom beauftragten Planungsbüro: "Dieser innerstädtische Wohnort ist dicht besiedelt und hat eine Bevölkerungsstruktur mit wenig Familien. Zudem hat der Handelsbesatz nicht die Qualität des westlichen Segments", erläutert Sippel.

"Der Kronenplatz hat einen Sicherungsmangel, man fühlt sich auf diesem Platz nicht wohl. Er wird eher als Durchquerungsraum statt als Aufenthaltsort genutzt", so Sippel weiter. Grundlage für das Neuordnungskonzept der Stadt stellen die Ergebnisse einer Eigentümerbefragung, einer Informationsveranstaltung und aus Anwohner-Workshops zu den Themen "Klima und Freiraum", "Kaiserstraße" und "Soziales" im Jahr 2016 dar. 

Verbesserung für Handel in der Kaiserstraße

Das Neuordnungskonzept ist in fünf Schwerpunktbereiche unterteilt. Der erste Bereich thematisiert die Kaiserstraße zwischen Marktplatz und Berliner Platz sowie die Baublöcke nördlich und südlich der Kaiserstraße. Hier soll es zu einer Neugestaltung der Kaiserstraße nach Abschluss der Kombi-Arbeiten der Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig) kommen und eine Verbesserung der Handelszone der östlichen Kaiserstraße erfolgen. 

1. Schwerpunktbereich: Kaiserstraße (Fußgängerzone) und Baublöcke nördlich und südlich der Kaiserstraße | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Eine Stadtbibliothek am Kronenplatz?

Der zweite Schwerpunktbereich beinhaltet vor allem die Aufwertung des Kronenplatzes - aber auch des Berliner Platzes und den Antritt des Campus Süd. Hier wichtig sei ein "Frequenzbringer am östlichen Ende der Fußgängerzone", so Sippel. Dies könnte beispielsweise eine neue Stadtbibliothek sein, die über dem nördlichen Kronenplatz, unterhalb der Zähringerstraße entstehen könnte. Nach Aussage von Bürgermeister Obert sind diese Planungen jedoch "noch völlig offen".

2. Schwerpunktbereich: Kronenplatz/ Berliner Platz/ Antritt Campus Süd | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Zäune am KIT-Gelände kommen weg

Die Kaiserstraße im Abschnitt Berliner Platz/Durlacher Tor sowie der Kontext Campus Süd/Dörfle stellen den Inhalt des dritten Schwerpunktbereichs dar. Von zentraler Bedeutung ist hier der Umbau der östlichen Kaiserstraße zur Reduzierung der Trennwirkung zwischen Dörfle und Campus Süd.

3. Schwerpunktbereich: Östliche Kaiserstraße/ Kontext Campus Süd/ Dörfle | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

"Ein Vorschlag wäre, die nördliche Fahrbahnachse für Autos herausnehmen um so mehr Raum für Fahrradfahrer und Fußgänger zu schaffen und eine Verbindung zum Dörfle zu erreichen", informiert Sippel. Dieser Vorschlag hätte allerdings zur Folge, dass man hier mit dem Auto nicht mehr in die Innenstadt fahren könnte. Auch die nicht-denkmalgeschützten Zäune am KIT-Gelände sollen entfernt werden und so für mehr Offenheit zu sorgen.

Neue Gliederung (v.l.n.r.): KIT – Fußgänger/Radfahrer – Straßenbahn/KFZ/Radfahrer – Parkplatz//Fußgänger/Vorfeld – Nordrand Dörfle | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Bessere Vernetzung mit dem Dörfle

Im Schwerpunktbereich vier steht neben der Qualifizierung der prägenden Gebäudesubstanz entlang der Kapellenstraße die Vernetzung zwischen dem Dörfle und dem Freiraum des Alten Friedhofs beziehungsweise die weitergehende Vernetzung mit der Südstadt-Ost im Mittelpunkt des Neuordnungskonzepts. Zudem soll durch Modernisierung die Wohnfunktion gestärkt werden.

4. Schwerpunktbereich: Kapellenstraße/ Dörfle/ Alter Friedhof | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Weniger Trennwirkung zwischen Verkehrsachsen

Auch im fünften und letzten Schwerpunktbereich stehen die Minimierung der Trennwirkung der vorhandenen stark trennenden Hauptverkehrsachsen (Fritz-Erler-Straße, Kriegsstraße, Karl-Friedrich- Straße) und die Aufwertung der Randzonen im Fokus. Eine Neuordnung des Postgiro-Areals und eine Nachnutzung der ehemaligen BB-Bank durch die Stadtverwaltung sind ebenfalls denkbar. 

5. Schwerpunktbereich: Fritz-Erler-Straße/ Kriegsstraße/ Karl-Friedrich-Straße | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Acht, zehn oder gar 15 Jahre Sanierung?

Und wie lange könnte das gesamte Vorhaben dauern?"Die Regellaufzeit einer Sanierungsdurchführung beläuft sich auf acht bis zehn Jahre", informiert Rosenberg. Aufgrund "mehrerer großer Brocken" innerhalb des Sanierungsprojektes Innenstadt-Ost, wie beispielsweise dem Neubau einer Stadtbibliothek, kann laut Rosenberg hier aber auch mit 15 Jahren kalkuliert werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass viele sanierungswürdige Flächen und Gebäude momentan in privater Hand sind. "Das Neuordnungskonzept mit den  Sanierungsmaßnahmen geht nur mit den Eigentümern", so Sippel. Darum wünsche er sich eine "Hand-in-Hand-Sanierung" mit den Bürgern.

Die ausführlichen Unterlagen zu Maßnahmen und Finanzierung gibt es unter folgendem Link: http://web3.karlsruhe.de/Gemeinderat/ris/bi/to0040.php?__ksinr=4632 

Mehr zum Thema

Innenstadt-Ost: Stadtteil soll für 91,8 Millionen Euro saniert werden

Karlsruher Innenstadt-Ost: Bald Schluss mit Bordell, Drogen und Kriminalität?

Weg vom Schmuddel-Image: Karlsruhe stellt Pläne für Innenstadt Ost vor

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (29)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   likeka
    (160 Beiträge)

    Es ist wie immer
    Erst wird (zurecht) darüber gemeckert, wie runtergekommen die (östliche) Kaiserstraße und umliegende Plätze sind.
    Dann soll was gemacht werden und wieder wird nur eines: Gemeckert.

    Wir halten fest: Nichts machen geht nicht, so kann das ja nicht bleiben, aber bitte auch ja nichts ändern!!!

    Es ist zum verzweifeln...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Darth_Vader
    (503 Beiträge)

    Verblöden die so langsam endgültig?
    Baustellen, wohin man sieht. Jetzt sollen noch mal 15J dazu? Kombimüll (kein Ende in Sicht), 10 Jahre Staatstheater, 15 Jahre Innenstadt ost. Wundert sich denn keiner, daß KA einen Verkaufsflächenrückgang um 3,3% hat, wohingegen ander Städte über Wachstum berichten?
    Die Baustellen bringen den Karlsruher Handel schon jetzt um.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   likeka
    (160 Beiträge)

    Das Staatstheater
    tangiert den Einzelhandel wohl mal überhaupt nicht.
    Wenn man jetzt sieht, wie groß das Sanierungsgebiet ist, wird man feststellen, dass nicht 15 Jahre auf der Kaiserstraße Ost gebaut wird.
    Die Baustellen finden nicht alle gleichzeitig statt.
    Darunter sind geplante Maßnahmen, wie zum Beispiel die Kapellenstraße, der Umbau des Palais am Rondellplatz oder eine Stadtbibliothek am Kronenplatz, wo kaum bis kein Einzelhandel vorhanden ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (4079 Beiträge)

    Aber der Kahlschlag...
    .... in der Kaiserstrasse wird mindesten 5 Jahre dauern. Ausserdem ist die Kaiserstrasse vollkommen in Ordnung. Da hat die KASIG auch gar nicht gewütet. Über GVFG werden nur die WIEIEDERHERSTELLUNG
    der für den Tunnelbau in Anspruch genommenen Oberflächen, daher die Sache mit der Sanierung. In der Kaiserstrasse wurde nur aaaaaaam Euro, Marktplatz und Berliner Platz gegraben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   CoCooner
    (7 Beiträge)

    Ohne Worte...
    Erst baut man das ECE dann noch das Durlach Center und wundert sich dann warum die Innenstadt unattraktiv wird, genau mein Humor.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (8135 Beiträge)

    Die östliche Kaiserstrasse
    war schon lange vorher keine attraktive Einkaufsgegend.
    Woran es lag, kann ich nicht beurteilen, aber bestimmt nicht an irgendwelchen bösen Gestalten, die da angeblich ihr Unwesen treiben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Darth_Vader
    (503 Beiträge)

    Es treiben dort nachweislich
    irgendwelche bösen Gestalten ihr Unwesen. Das Gebiet war jedoch schon vorher zum sterben verurteilt. Wenn nur Puffs und andere unsaubere Etablissements ansässig sind, muß man sich nicht wundern. Auch nicht über dunkle Gestalten, die ihren Drogenmist verkaufen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   NeoTiger
    (418 Beiträge)

    Kein Magnet für Laufkundschaft
    Das einzige größere Geschäft in der östlichen Einkaufsmeile ist der C&A, und der hat sich in den letzten Jahrzehnten eher zum Billig-Discounter entwickelt, während der westliche Teil den Karstadt, Peek & Cloppenburg, Breuniger und Hertie hatte . Als noch die Postgalerie dazu kam, hat sich erst recht die Laufkundschaft dorthin verzogen.

    Die östliche Einkaufsmeile war eher von kleineren Fachgeschäften wie Nähmaschinen Singer oder dem Radio Ade geprägt. Gegen die Discounter und später den Onlinehandel konnten diese aber nicht bestehen, und wurden nach und nach durch Billigläden wie 1-Euro-Shops, Handy-Shops, Discount-Bäcker und Mobilfunkverkäufer ersetzt.

    Außerdem war das Bürogebäude am Kronplatz ein Planungsfehler. Da hätte ein weiteres Großkaufhaus als Gegengewicht hingehört.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (367 Beiträge)

    Radio Ade
    war genial! Es gab wirklich nichts, was sich nachbzeitraubender, aber erfolgreicher Suche nicht in den alten Schubladen finden ließ. Als der Laden geschlossen hat, Habenichts getrauert.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Darth_Vader
    (503 Beiträge)

    Oh ja.
    Der Ade war ein klasse Geschäft. Da hast du Kondensatoern, Widerstände und all den Kram bekommen, den du zum reparieren brauchtest. Die Holzschubladen waren ein Genuß. Ich kannte noch einen der jüngeren Sprößlinge. Hatte leider keinen Bezug zur Materie. SchADE.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben