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Karlsruhe Areal hinterm Hauptbahnhof: Wie geht es mit dem "Filetstück" weiter?

Die Tage der Künstlerkolonie hinterm Karlsruher Hauptbahnhof sind seit letztem Juli endgültig gezählt. Im Gemeinderat sprach sich eine Mehrheit der Stadträte dafür aus, das Areal zu räumen und neu zu gestalten. Wie ist der Stand mehr als ein Jahr nach der Entscheidung?

Mehr als 20 Jahre lang nannten 25 Künstler das Areal hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof ihre Heimat. Ihre Ateliers waren in unscheinbaren in die Jahre gekommenen Gebäuden untergebracht - doch genau hier hatte sich über die Jahre auf dem ungenutzten "Filetstück" eine eigene Kreativszene entwickelt. Im September 2002 kam dann die Nachricht: Die Künstler sollten ausziehen, es folgte die Kündigung des Mietverhältnisses vonseiten der Stadt.

Viele Künstler haben dem Hauptbahnhof den Rücken gekehrt

Für mehr als zehn Jahre hatte die Künstler-Kolonie noch eine Schonfrist. Im Juli des vergangenen Jahres fiel dann aber die endgültige Entscheidung: Das bisherige Agreement zwischen der Stadt und den Künstlern wurde beendet, eine Ateliernutzung wie die vergangenen zwei Jahrzehnte durch den Gemeinderat ausgeschlossen. Der Grund: Die Gebäude befänden sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand, hieß es vonseiten der Stadt. Bei einer Sicherheitsprüfung seien zahlreiche Mängel festgestellt worden.

Seit mehr als einem Jahr ist das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft ermächtigt, die Räumung des Areals in die Wege zu leiten. Wie Oberbürgermeister Frank Mentrup im Gespräch mit ka-news erklärt, hätten viele Künstler ihre Ateliers inzwischen geräumt.

"Ein Großteil konnte neue Quartiere beziehen", so der Oberbürgermeister. Ein paar wenige Künstler wären bislang noch nicht umgezogen. In ihrer Beschlussvorlage, welche mehrheitlich vom Gemeinderat angenommen wurde, hatte sich die Stadtverwaltung verpflichtet, bei der Suche nach alternativen Räumlichkeiten zu helfen.

Erste Gebäudeteile mussten weichen

Ansonsten hat sich in Sachen "Filetstück" seit der Entscheidung des Karlsruher Gemeinderats aber wenig getan. Wie Helga Riedel, Sprecherin beim Presseamt der Stadt erklärt, habe man damit begonnen, die Gebäude zu sichern. Wo es notwendig erschien, wurden bereits erste Gebäudeteile entfernt. Einen genauen Plan, was dort künftig angesiedelt werden kann, gibt es bislang aber noch nicht.

Aktuell müsse noch ein Nutzungskonzept für das Areal erarbeitet werden, erklärt Mentrup. In ihrer Beschlussvorlage hatte die Stadt festgelegt, dass bei den Gebäuden hinterm Hauptbahnhof im Vorfeld geprüft werden muss, ob die Gebäude saniert oder abgerissen werden müssen. Denkmalgeschützte Gebäude sollen dabei erhalten bleiben.

Wie das Areal rund um das ehemalige Heizkraftwerk weiterentwickelt werden könnte, wurde unter anderem bei einer Ideenwerkstatt am 27. und 28. Juli besprochen. Hier waren Bürger eingeladen, gemeinsam mit Akteuren aus Politik, Verwaltung und verschiedenen Verbänden über die Zukunft des Areals zu beraten.Das Ergebnis: Viele Bürger hätten den Wunsch geäußert, das Areal weiter für Künstler zu nutzen. Ob die Künstler aber tatsächlich zum Hauptbahnhof zurückkehren können, ist derzeit noch nicht klar.

Die Stadt hatte in ihrer Beschlussvorlage lediglich festgelegt, im Rahmen des bestehenden Bebauungsplans eine "Konzeption zur schwerpunktmäßigen kulturell-künstlerischen Nutzung" zu erarbeiten. Auch gewerbliche und gastronomische Flächen sind auf dem Areal vonseiten der Stadt geplant. Ein Bürokomplex soll an dieser Stelle aber nicht entstehen, versichert Mentrup im Gespräch mit ka-news.

"Das Ganze wird kein einfaches Unterfangen", meint Mentrup "die Sanierung wird teuer und aufwendig werden." Der Oberbürgermeister hält es für realistisch, dass das Thema Mitte nächsten Jahres im Gemeinderat landen wird.

ka-news Hintergrund:

Seit 1993 befanden sich die Ateliers auf dem Gelände hinter dem Hauptbahnhof. Der Umzug der Kreativschaffenden auf das alte Bahnhofsgelände vor 22 Jahren war ursprünglich eine Übergangslösung. Sie hatten ihre Ateliers auf dem Gelände des heutigen ZKM, welche sie für die Entstehung des Zentrum für Kunst- und Medientechnologie aufgeben mussten. Nun sollen sie wieder umziehen - das steht bereits seit September 2002 fest. Damals kündigte ihnen die Stadt Karlsruhe das Mietverhältnis.

Lange Zeit gab es eine"schwebende Räumungsvereinbarung". Für die Künstler bedeutete das: Sie konnten nur so lange auf dem Areal bleiben, bis der Gemeinderat die Räumung beschließt. Dieser Fallt trat am 24. Mai 2015 ein. Grund waren Neubau-Pläne rund um das Bahnhofareal.

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Kommentare (30)
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  •   myopinions
    (692 Beiträge)

    23.08.2016 00:04
    .................was nun, mit diesem alten
    Kruscht?

    Abreißen und ein ordentliches! Bus-Terminal dorthin, wo aktuell die Reisenden eine "Haltestelle" vorfinden, die diese Bezeichnung kaum verdient und wahrlich kein Aushängeschild für unsere Stadt ist.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (9293 Beiträge)

    22.08.2016 17:52
    sieht so vergammelt
    ein Filetstück aus?

    Das stinkt eher nach Gammelfleisch!
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  •   dipfele
    (3690 Beiträge)

    22.08.2016 17:35
    es geht doch grundsätzlich darum...
    ... ob die Gebäude erhalten bleiben oder abgerissen werden.
    Was dann da rein mummt, ist doch momentan nebensächlich. KA News wie auch die Verwaltung oder was an Presseinformationen verbreitet wird, ist widersprüchlich. Nur weil in einem Gebäude die Elektroinstallation nicht mehr zeitgemäss (betriebssicher) ist, muss doch das Gebäude nicht gleich abgerissen werden.
    Also liebe KA News führt die Diskussion nicht um eine zukünftige Nutzung, sondern darüber ob die Jugendstilhäuser erhalten oder abgerissen werden sollen.
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  •   ruejo
    (48 Beiträge)

    23.08.2016 11:50
    Sehr treffend!
    Genau, dieser Aspekt steht öffentlich nie zur Diskussion bzw. es wird versucht das durchaus als Kulturgut schützenswerte Gebäudeensemble als derart marode darzustellen, dass ein Abriss gerechtfertigt scheint.
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  •   definitivabseits
    (1075 Beiträge)

    22.08.2016 17:43
    Abreissen
    und dort den ZOB hinbauen und eine erweiterte Parkhauskapazität schaffen falls möglich. Oder Bürohäuser hinbauen, das ist doch eine super Lage für alle die mit jedweder Art von Bahn und auch mit dem Auto kommen.
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  •   BW-Biker
    (5 Beiträge)

    22.08.2016 22:48
    ZOB
    In der Tat gibt es keinen besseren Platz für den ZOB. Der ist fußläufig vom Bahnhof aus optimal zu erreichen im Gegensatz zum avisierten Terminal an der Fautenbruchstrasse. Vielleicht sollten die Damen und Herren aus dem Gemeinderat in Begleitung mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung mal mit richtigem Reisegepäck einen Probemarsch HBF - Fautenbruchstrasse unternehmen, damit sie lernen wie sich das anfühlt was sie ihren Wählern zumuten wollen.
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  •   silberahorn
    (8966 Beiträge)

    22.08.2016 19:12
    Eine vertikale Kartoffelplantage
    noch dazu und es kann gar nichts mehr schief gehen. Es heißt doch sowieso, dass der dümmste Bauer (das muss gar kein Landwirt sein) die dicksten Kartoffeln erntet. Daraus machen wir Karlsruher Chips.
    Wenn schon kein Filet mehr da ist, dann eben richtig schön vegane Chips.
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  •   ruejo
    (48 Beiträge)

    22.08.2016 16:01
    Filetstück KA
    Das schon seit Jahrzehnten als "Filetstück" angepriesene Grundstück
    entpuppt sich als Ladenhüter.
    Bin mal gespannt, wie die Stadt die denkmalspezifischen Belange der Gebäude würdigt.
    Allgemein war der Umgang der Stadt mit den dort ansässigen Künstlern mehr als fragwürdig!
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  •   definitivabseits
    (1075 Beiträge)

    22.08.2016 17:35
    Wieso fragwürdig?
    Die durften dort doch mietfrei oder zumindest für ein Nasenwasser hausen. Kann ich das auch verlangen wenn ich ein Büro von der Stadt miete? Es besteht kein Grund die Leute gesondert zu behandeln. Wer eine Werkstatt braucht muss sie kaufen oder mieten. Wenn man das Geld mit seiner Kunst nicht aufbringen kann ist sie nicht gefragt und Kunst die keiner will ist nichts wert.
    Und komm mir bloss keiner mit 'Aushängeschildern'.
    Ich kann mich noch gut an die letzte Diskussion erinnern, da wurde einer der 'Künstler' oder deren Sprecher, was auch immer, interviewt und er bezeichntete die vier Euro/qm für Ersatzflächen im Hafen als unzumutbar. Wobei man dann noch anmerken muss, dass die Stadt sogar Ersatzflächen gesucht und angeboten hat, das hätte sie nicht müssen.

    Und dann noch ein Räumungsverzicht von 10 Jahren, ich weiss gar nicht was das Gejammere soll. Die leben in den Tag rein und sollten mal erwachsen werden und sich an die Realität gewöhnen.
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  •   ruejo
    (48 Beiträge)

    23.08.2016 11:54
    Wieso fragwürdig
    Kunst hat durchaus auch einen ideellen Wert, wenn man auch darüber unterschiedlicher Auffassung sein kann.
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