Karlsruher in Nicaragua
[0]
Puerto Cabezas/Karlsruhe pes -
|
Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.
Es ist ein Sprachenmix, der den Alltag in der Stadt bestimmt. Die meisten Einwohner sind mehrsprachig und so wechseln sie je nach Situation von Sprache zu Spache, oft auch mitten im Satz. Spanisch ist die Nationalsprache, kreolisches Englisch wird gesprochen und vor allem Miskito.
|
Miskito, eine offizielle Sprache
Die Sprache Miskito gehört zur Sprachenfamilie Macrochibcha. Ein naher Verwandter ist das Sumo oder Mayangna, das auch in der Region gesprochen wird.Schon allein durch das Alphabet unterscheidet sich die Sprache vom Spanischen deutlich. Die Vokale e und o zum Beispiel kommen, wie auch einige Konsonanten, gar nicht vor. Die Grammatik ist eine ganz andere.
Seit im Jahre 1987 das "Statut über die Autonomie der zwei Regionen der Atlantikküste Nicaraguas" erlassen wurde, haben die traditionellen Sprachen der Einwohner dort einen offiziellen Status. Die Mehrsprachigkeit Nicaraguas wird anerkannt. So wird im öffentlichen Leben unter anderem auch Miskito gleichberechtigt dem Spanischen eingesetzt.
|
Reichlich Lehnwörter aus dem Englischen
Die Verschriftlichung der Sprache erfolgte erst spät. Maßgeblichen Anteil daran hatten die Missionare der Herrnhuter Brüdergemeinde, die Mitte des 19. Jahrhunderts Nicaragua erreichten und aus deren Arbeit später die Iglesia Morava hervorging. Sie brachten unter anderem ihr Gesangsbuch auf Miskito heraus. Zwar ist die Sprache heute recht gut erforscht, Wörterbücher und Grammatiken wurden geschrieben. Wirklich einheitliche Schreibweisen gibt es bisher aber nicht. Jeder schreibt mehr oder weniger so, wie er spricht oder schlicht wie es ihm gefällt.
Vor etwa fünf Jahren wurde eine Kommission ins Leben gerufen, die sich die Normierung der Sprache zum Ziel gesetzt hat. Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und Lehrer wollen vor allem definieren, wie Neologismen in den Wortschatz eingegliedert werden sollen. Weiter sollen auch "unnötige" Wörter, die aus dem Spanischen und Englischen übernommen wurden, eliminiert werden. Wörter, die man nicht unbedingt braucht, weil sie auf Miskito durchaus existieren.
"Die Wichtigkeit der Sprache näher bringen"
Fremd- und Lehnwörter vor allem aus dem Englischen gibt es reichlich. Aus "fine" wurde "pain", "please" wandelte sich zu "plis" und zum Beispiel die Wochentage wurden fast unverändert übernommen. Zahlwörter kennt das Miskito zwar, benutzt werden sie jedoch kaum. Ihre Bildung ist schlicht zu kompliziert, so dass hier meist die englischen oder spanischen Wörter herhalten.
|
Dennoch sieht sie konkreten Handlungsbedarf. Viele Leute würden sich zwar auf Miskito unterhalten, nutzen sie aber nicht als Schriftsprache. Dementsprechend würden viele Menschen auch nicht auf Miskito lesen. Das liegt auch am schlichten Mangel an miskitosprachigen Büchern. Manche schämten sich auch, ihre Muttersprache zu gebrauchen und "einige denken einfach, dass Miskito nichts bringt", sagt Williams. So müsse man den Leuten "die Wichtgkeit der Sprache näher bringen".
In diese Richtungen gehen auch die Beobachtungen der 18-jährigen Juri. Ihr fällt auf, dass vor allem viele Leute, die aus den Dörfern stammen, in der Stadt verstärkt auf Spanisch zurückgreifen. Das findet sie nicht gut. "Wir sollten mehr unsere eigene Sprache benutzen. Das ist ein Teil unserer Kultur".Die sechsjährige Ofelia, die die Grundschule besucht, spricht kein Miskito. Ihre Muttersprache ist Spanisch und damit kommt sie im Alltag zurecht. Aber dennoch: "Es ist schon irgendwie recht schwierig, in einer Stadt zu leben, ohne die Muttersprache der Mehrheit zu können", meint sie.
Zumindest ein paar Wörter auf Miskito sollte auch jeder Ausländer kennen, "Latarawas" zum Beispiel. Damit macht man den Straßenkötern deutlich, dass sie abhauen sollen. Viele der Hunde verstehen nämlich kein Spanisch.



twittern
facebook melden
StudiVZ melden
Google melden
Webnews melden
del.icio.us empfehlen
Mister Wong empfehlen
Linkarena melden
Windows live melden
Yahoo melden
Yigg melden
Kledy melden






























Social Bookmarks