21  

Karlsruhe Karlsruher Zoo: Grüne und Kult kritisieren neuen Masterplan

Wie soll es mit dem Karlsruher Zoo weitergehen? Nachdem der Plan, den Karlsruher Zoo bis zum Jubiläumsjahr 2015 ausgebaut und rundum erneuert zu haben, scheiterte, wagt die Stadt nun einen zweiten Anlauf: Am Dienstag soll der Karlsruher Gemeinderat über das neue Entwicklungskonzept für den Zoologischen Stadtgarten befinden. Doch bereits vor der Sitzung regt sich gegen manche Pläne der Stadt Widerstand.

300 Seiten über die Mindestanforderungen bei der Haltung von Zoo- und Haustieren: Ein Säugetiergutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus dem Jahr 2014 zwingt den Karlsruher Zoo, seine Tierhaltung zu überprüfen. Das Säugetiergutachten ist zwar nicht rechtlich verbindlich, aber es bildet die Basis für die von Veterinärärzten erteilte Betriebsgenehmigung für neue Anlagen oder den Aus- und Umbau. Das Zoo-Konzept aus dem Jahr 2007 hat langfristig keine Perspektive.

Masterplan sieht mehrere Neubauten vor

Das Fazit der Stadt: Vor allem bei der Haltung von Elefanten, Schimpansen und Giraffen muss nachgebessert werden. Sowohl die Außenanlage für die Elefanten sowie das Giraffenhaus samt Außenanlage muss laut diesem Gutachten dringend ausgebaut werden. Auch die bisherige Haltung von Schimpansen im derzeitigen Affenhaus wird künftig wohl nicht mehr möglich sein. Ein neuer Zoo-Masterplan musste her.

Der Gemeinderat befasste sich Anfang Februar dieses Jahres in seinem Fachausschuss mit dem Plan. Nun soll er in seiner kommenden Sitzung das neu erarbeitete Konzept absegnen. Die Stadt will dabei nach eigener Aussage nicht im Sinne einer "Flickschusterei" nur punktuelle Ausbesserungen vornehmen, sondern plant unter anderem Umgestaltungen, die Zusammenlegung von Tieren und deren Anlagen und den Neu- und Ausbau von Gehegen. "Allein für die Umsetzung des Säugetiergutachtens müssen zirka 11.4 Millionen Euro investiert werden", so die Stadt in ihrer Stellungnahme. Der Erhalt des Status Quo schlage mit weiteren 5,7 Millionen Euro zu Buche.

Konkret sieht der Masterplan vor, beispielsweise die Elefantengehege auf das Gelände des Südamerikahaus auszuweiten. Auch die Innenanlage der Flusspferde soll umgebaut und erweitert werden. Ein weiteres Projekt: Für das Schimpansenhaus muss ein Ersatz her.

"Man muss flexibel bleiben"

Im Vorfeld sind nicht alle rundum mit dem neuen Masterplan des Karlsruher Zoos einverstanden. Sowohl die Kult-Fraktion als auch die Karlsruher Grünen bringen vor der Sitzung Änderungsanträge ein. In einem Punkt sind sich beide Antragssteller einig: Das Entwicklungskonzept für den Zoologischen Stadtgarten soll nicht als "verbindlich gelten." So will die Kult-Fraktion mit Blick auf zukünftige Entwicklungen im Zoowesen offen halten, welche Teile des Konzepts umgesetzt werden sollen.

Auch die Karlsruher Grünen tun sich mit der Titulierung des Konzeptes als "verbindlich" schwer. "Die Erfahrungen mit dem Vorgänger-Masterplan belegen, dass man die Umsetzung flexibel bleiben muss, denn wir können davon ausgehen, dass die Anforderungen an tiergerechte Haltungsformen weiter steigen werden", erklärt die Fraktion in ihrem Änderungsantrag. Der Neubau soll dann in der Asien-Anlage untergebracht sein. Die Stadt schlägt in ihrer Beschlussvorlage vor: "Dieser Neubau kann- wenn die Schimpansen ihr biologisches Ende erreicht haben - für die Haltung von Orang-Utans umgenutzt werden." Maßnahmen wie der Umbau des Erdmännchen-Geheges oder eine begehbare Känguru-Anlage müssen aus Drittmitteln finanziert werden.

Grüne fordern Streichung der geplanten Asienanlage

Das ist aber nicht der einzige Kritikpunkt: Der Plan, die Fläche im Sallenwäldchen mit dem Kinderspielplatz künftig für ein Tiergehege zu nutzen, findet bei den Grünen keinen Anklang. Sie hält eine Haltung von Orang-Urans an dieser Stelle aus Artenschutzgründen für nicht umsetzbar. "Menschenaffen wie Orang-Utans werden heute nur noch in signifikanten Gruppengrößen in sehr großen extensiven Anlagen gehalten, was im Karlsruher Zoo nicht möglich ist", so die Begründung der Grünen.

Die Stadt solle sich vielmehr auf die Sanierung der Gebäude, die Wissensvermittlung, die Verbesserung der Gartenanlagen oder auf Natur- und Artenschutzprojekte konzentrieren. Die geplante Asienlage mit Kosten von rund 30 Millionen Euro ist nach Auffassung der Grünen nicht darstellbar. Ob die anderen Stadträte dies auch so sehen, wird sich bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag zeigen.

Mehr zum Thema:

Was steht im neuen Zoo-Masterplan?Hier geht's zu den Unterlagen (Link führt auf externe URL).

Zirkus-Elefanten aufnehmen: Ist der Karlsruher Zoo dafür gewappnet?  

Neue Attraktion: Karlsruher Zoo will Zirkuselefanten aufnehmen

Masterplan für Karlsruher Zoo: Hier können Bürger ihre Ideen einbringen

Karlsruher Zoo-Konzept gescheitert: "Wir haben uns zu viel vorgenommen"

Karlsruher Zoo: Wer muss gehen - Schimpansen, Giraffen oder Flusspferde?

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (21)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   likeka
    (151 Beiträge)

    21.03.2016 21:46
    Erst Informieren, dann meckern!
    Vor allem an die Grünen: Der Spielplatz wird nicht gestrichen, sondern vor das Exotenhaus verlegt, also zwischen Streichelzoo und Restaurant-Terasse. Das ist im übrigen de facto der perfekte Platz dafür!
    Im übrigen Schlüsselt das verlinkte Dokument allle Maßnahmen und Notwendigkeiten auf, sogar schon den geschätzen Finanzbedarf. Mehr Transparenz geht kaum. Wenn die Maßnahmen alle umgesetzt werden - was ich sehr hoffe - dann spielt der Zoo in der ersten Liga!

    Hier der Link zum offiziellen Dokument:
    Die untere PDF
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Robert1959
    (1637 Beiträge)

    21.03.2016 21:23
    Ich denke am nötigsten hätten es unsere Greifvögel
    Die Käfige sind viel zu klein!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   catflap0.1
    (427 Beiträge)

    21.03.2016 19:36
    Der einzige Platz an dem Orang-Utans ...
    ... zukünftig zu sehen sein werden sind eben Zoos. Ich wüsste jetzt nicht was am Stadtgarten mit dem angestaubten Geranien-und Rosencharme der 60er Jahre noch erhaltenswert ist. Würde man den Zoo nach Norden hin in den Stadtgarten ausdehnen so wäre genug Raum für zoologische als auch gärtnerische Aspekte. Der Zoo wird sich auf bestimmte Felder im Sinne der Zucht bedrohter Tiere konzentrieren – so wie es jeder moderne Tierpark macht. Für die von Helikoptereltern bewachte Kinderauslauffläche wird sich sicher auch noch ein Platz finden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (9625 Beiträge)

    21.03.2016 19:33
    wie doll: da holt der grüne Ökobauer für den Oberlehrer seinen uralten
    Lanz Bulldog aus der Scheune und der macht dann: "KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT-KULT...!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    21.03.2016 12:16
    Der Kultverein hat ja sowieso kein Programm
    und auch keine Ahnung. Letztens haben sie die Einführung eines Datenschutzbeauftragten für Karlsruhe gefordert und einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat gestellt. Blöderweise gibt es aber schon seit 20 Jahren einen Datenschutzbeautragten in KA. Die Einzigen, denen das verborgen blieb, war Ebi Fischers Chaostrupp. Da sie vom Baurecht natürlich erst recht keine Ahnung haben, fodern sie nun das Amt des Baubürgermeisters. Und was Zookonzepte angeht, muss man ebenfalls daran zweifeln, ob da irgendein Funke von Sachkompetenz vorhanden ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   lynx1984
    (2650 Beiträge)

    21.03.2016 08:42
    Ach Leute
    fallt doch nicht auf die PR der Parteien rein.
    Seitdem der Matthias Reinschmidt im Karlsruher Zoo das Sagen hat geht viel mehr und die Besucherzahlen in diesem Sommer werden ihm Recht geben!
    Vielleicht sollte man einen ausgewiesen Expererten wie ihn - der zufällig auch gleich noch "Chef" des Karlsruher Zoos ist- mal in die Planung mit einbeziehen...Nur so als Idee. Warum hat die Stadt das Know-How in seiner Person und nutzt es nicht?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (5552 Beiträge)

    21.03.2016 08:18
    So ist es,
    auch Kommentatoren sollten Korrektur lesen.
    "Der Zoo ist ja auch gleichzeitig Stadtpark".
    Ich habe nur Kaffee getrunken. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (5552 Beiträge)

    21.03.2016 08:12
    @andi79
    Der Zoo isst ja auch gleichzeig Stadtpark.
    Und den sollte man auf jeden Fall erhalten. Auch andere Städte haben Tierparks mitten in der Stadt. Das Gelände ist zwar nicht groß, aber man sollte die Kombination Stadtgarten und Zoo erhalten.
    Wenn man nach Ihrer Meinung das Gelände verkaufen würde, um den einen Teil des Haushaltes zu sanieren, würde das heißen, an eine Investor als teures Baugelände zu verkaufen. Nur so kommt ein entsprechender Betrag zusammen. Der dann, weil gute Lage, teuerste Eigentums- und Mietwohnungen hinklotzt. Natürlich nicht geeignet für Familien mit Durchschnittseinkommen.
    Da soll lieber der Zoo und der Stadtgarten erhalten bleiben, gerade im Sommer kommen ja auch viele Familien mit Kindern.

    Allerdings wenn im Zoo nur Stallhasen, Hühner, einen Esel und 1-2 Hausschweine gehalten würden, wie es die Grüne gerne hätten, kann man den Zoo aufgeben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andi79
    (2496 Beiträge)

    21.03.2016 12:37
    hochpreislage
    Das ist es ja... es spricht nichts dagegen das da hochpreiswohnungen entstehen. Sozialer Wohnungsbau ist gut, aber muss nicht im Stadtkern sein (auch so etwas könnte man mit den Einnahmen finanzieren). Großtiere kann man in der Stadt nicht vernünftig halten, und ohne die verliert der Zoo seinen Attraktivität. Den Stadtgarten als Garten könnte man erhalten, aber optimal als Konzept und in zusammenarbeit mit einem Investor für das Zoogelände.

    Wenn ein Zoo sein muss dann etwas außerhalb der Stadt mit entsprechend großem Gelände.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (5552 Beiträge)

    21.03.2016 13:35
    Sie meinen
    Hochpreis-Wohnungen auf jeden Fall in bevorzugter Lage, die Bürger, die auf preiswertere Wohnungen oder Sozialwohnungen angewiesen sind, schicken wir außenherum in die Prärie.

    Übrigens Investoren zum Einrichten eines Zoos dürfte es nicht mehr viele geben, wenn überhaupt. Ein Zoo in der Stadt hat wohl die größte Chance auf eine hohe Besucherzahl. Und gerade die Kombination mit dem Stadtgarten ist da ideal. Viele kaufen sich Jahreskarten, auch um den Stadtgarten zu gehen. Aber gut, das ist Ansichtssache.

    An alle, die außenherum in der Prärie wohnen, das war ironisch gemeint. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben