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Karlsruhe Karlsruher Zoo: Grüne und Kult kritisieren neuen Masterplan

Wie soll es mit dem Karlsruher Zoo weitergehen? Nachdem der Plan, den Karlsruher Zoo bis zum Jubiläumsjahr 2015 ausgebaut und rundum erneuert zu haben, scheiterte, wagt die Stadt nun einen zweiten Anlauf: Am Dienstag soll der Karlsruher Gemeinderat über das neue Entwicklungskonzept für den Zoologischen Stadtgarten befinden. Doch bereits vor der Sitzung regt sich gegen manche Pläne der Stadt Widerstand.

300 Seiten über die Mindestanforderungen bei der Haltung von Zoo- und Haustieren: Ein Säugetiergutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus dem Jahr 2014 zwingt den Karlsruher Zoo, seine Tierhaltung zu überprüfen. Das Säugetiergutachten ist zwar nicht rechtlich verbindlich, aber es bildet die Basis für die von Veterinärärzten erteilte Betriebsgenehmigung für neue Anlagen oder den Aus- und Umbau. Das Zoo-Konzept aus dem Jahr 2007 hat langfristig keine Perspektive.

Masterplan sieht mehrere Neubauten vor

Das Fazit der Stadt: Vor allem bei der Haltung von Elefanten, Schimpansen und Giraffen muss nachgebessert werden. Sowohl die Außenanlage für die Elefanten sowie das Giraffenhaus samt Außenanlage muss laut diesem Gutachten dringend ausgebaut werden. Auch die bisherige Haltung von Schimpansen im derzeitigen Affenhaus wird künftig wohl nicht mehr möglich sein. Ein neuer Zoo-Masterplan musste her.

Der Gemeinderat befasste sich Anfang Februar dieses Jahres in seinem Fachausschuss mit dem Plan. Nun soll er in seiner kommenden Sitzung das neu erarbeitete Konzept absegnen. Die Stadt will dabei nach eigener Aussage nicht im Sinne einer "Flickschusterei" nur punktuelle Ausbesserungen vornehmen, sondern plant unter anderem Umgestaltungen, die Zusammenlegung von Tieren und deren Anlagen und den Neu- und Ausbau von Gehegen. "Allein für die Umsetzung des Säugetiergutachtens müssen zirka 11.4 Millionen Euro investiert werden", so die Stadt in ihrer Stellungnahme. Der Erhalt des Status Quo schlage mit weiteren 5,7 Millionen Euro zu Buche.

Konkret sieht der Masterplan vor, beispielsweise die Elefantengehege auf das Gelände des Südamerikahaus auszuweiten. Auch die Innenanlage der Flusspferde soll umgebaut und erweitert werden. Ein weiteres Projekt: Für das Schimpansenhaus muss ein Ersatz her.

"Man muss flexibel bleiben"

Im Vorfeld sind nicht alle rundum mit dem neuen Masterplan des Karlsruher Zoos einverstanden. Sowohl die Kult-Fraktion als auch die Karlsruher Grünen bringen vor der Sitzung Änderungsanträge ein. In einem Punkt sind sich beide Antragssteller einig: Das Entwicklungskonzept für den Zoologischen Stadtgarten soll nicht als "verbindlich gelten." So will die Kult-Fraktion mit Blick auf zukünftige Entwicklungen im Zoowesen offen halten, welche Teile des Konzepts umgesetzt werden sollen.

Auch die Karlsruher Grünen tun sich mit der Titulierung des Konzeptes als "verbindlich" schwer. "Die Erfahrungen mit dem Vorgänger-Masterplan belegen, dass man die Umsetzung flexibel bleiben muss, denn wir können davon ausgehen, dass die Anforderungen an tiergerechte Haltungsformen weiter steigen werden", erklärt die Fraktion in ihrem Änderungsantrag. Der Neubau soll dann in der Asien-Anlage untergebracht sein. Die Stadt schlägt in ihrer Beschlussvorlage vor: "Dieser Neubau kann- wenn die Schimpansen ihr biologisches Ende erreicht haben - für die Haltung von Orang-Utans umgenutzt werden." Maßnahmen wie der Umbau des Erdmännchen-Geheges oder eine begehbare Känguru-Anlage müssen aus Drittmitteln finanziert werden.

Grüne fordern Streichung der geplanten Asienanlage

Das ist aber nicht der einzige Kritikpunkt: Der Plan, die Fläche im Sallenwäldchen mit dem Kinderspielplatz künftig für ein Tiergehege zu nutzen, findet bei den Grünen keinen Anklang. Sie hält eine Haltung von Orang-Urans an dieser Stelle aus Artenschutzgründen für nicht umsetzbar. "Menschenaffen wie Orang-Utans werden heute nur noch in signifikanten Gruppengrößen in sehr großen extensiven Anlagen gehalten, was im Karlsruher Zoo nicht möglich ist", so die Begründung der Grünen.

Die Stadt solle sich vielmehr auf die Sanierung der Gebäude, die Wissensvermittlung, die Verbesserung der Gartenanlagen oder auf Natur- und Artenschutzprojekte konzentrieren. Die geplante Asienlage mit Kosten von rund 30 Millionen Euro ist nach Auffassung der Grünen nicht darstellbar. Ob die anderen Stadträte dies auch so sehen, wird sich bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag zeigen.

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