Karlsruher Polizei ist klamm: Ordnungshüter müssen Sprit sparen
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Karlsruhe (trs) - Beim Karlsruher Polizeipräsidium ist das Geld knapp. Spritkosten, aufwändige Ermittlungen und zu viele selbst verschuldete Unfälle - all das belastet die Kassen der Ordnungshüter. Polizeipräsidentin Hildegard Gerecke hat ihre Mitarbeiter deshalb zu Sparmaßnahmen ermahnt. Unter anderem sollen die Beamten unnötige Fahrten vermeiden, um Benzin zu sparen. Denn Unfälle mit Polizeiautos haben eine Tücke: Die Fahrzeuge sind nicht versichert - den Schaden trägt die Polizeidirektion.
Wie die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) vergangene Woche berichteten, hatte die Polizeipräsidentin in einem internen Schreiben drastische Rotstiftmaßnahmen angeordnet: Um Sprit zu sparen, soll es mehr Fuß- und Radstreifen geben, Einschnitte bei der Aus- und Fortbildung sowie eine Überprüfung der Ermittlungskosten.
"Gedanken machen, wo wir sparen können"
Nach Angaben der Karlsruher Tageszeitung ereigneten sich im vergangenen Jahr 158 selbst verschuldete Unfälle, für die es keine Versicherung gebe. Die Polizisten in Mannheim und Heidelberg hätten dagegen zusammen nur 113 Unfälle verursacht. "Bei unverändertem Ausgabeverhalten ist zu erwarten, dass das Polizeipräsidium Karlsruhe voraussichtlich zur Jahresmitte zahlungsunfähig wird", heißt es in dem internen Schreiben, das den BNN vorliegt.
Denn selbstverschuldete Unfälle kosten die Polizeidirektionen unter Umständen richtig viel Geld: "Das Land versichert grundsätzlich keine Dienstfahrzeuge", erläutert Andreas Schanz, Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums. Das bedeutet, dass alle Reparaturen von den Polizeidirektionen selbst bezahlt werden müssen - dafür verwalten sie ihr Budget eigenständig. Dabei kalkuliere man, dass es insgesamt billiger sei, die entstandenen Schäden zu begleichen, als die Versicherung für alle Fahrzeuge des Landes zu bezahlen, führt Schanz aus. Geregelt werde dies über die "Verwaltungsvorschrift des Finanz- und Wirtschaftsministeriums für den Kraftfahrzeugsbetrieb des Landes".
Diese Regelung kommt das Polizeipräsidium Karlsruhe allerdings teuer zu stehen - 158 Unfälle fallen ins Gewicht. Dabei sieht die Finanzsituation allgemein alles andere als rosig aus. Allein im Januar und Februar hätten die Sachausgaben mit einer Million Euro zu Buche geschlagen, berichten die BNN - dabei erwarte man für das gesamte Jahr lediglich Einnahmen von 2,6 Millionen Euro. Gerecke erklärt die Finanzmisere durch mehrere Ursachen: Dazu gehörten die Umverteilung der Haushaltsmittel zulasten des Präsidiums, steigende Benzinpreise, aufwändige grenzüberschreitende Ermittlungen bei Großverfahren etwa gegen Skimming-Banden - und schließlich die Unfallkosten. "Wir müssen uns intensiv Gedanken machen, wo wir einsparen können", sagte Gerecke der Nachrichtenagentur dpa. Sie betonte jedoch, dass man bestimmt nicht an der Sicherheit für die Bürger spare.
"Dienststellen müssen mit Geld wirtschaften"
Stattdessen ist nun der Sportsgeist der Beamten gefragt, wenn sie öfter mal zu Fuß oder auf dem Drahtesel durch die Stadt patrouillieren. Wie die dpa berichtet, soll es außerdem gewisse Abstriche bei Großverfahren geben. Wenn Serien-Einbrechern schon viele Taten nachgewiesen seien, müsse man "nicht noch den hundertsten Fall ausermitteln", der ohnehin für das Strafmaß keine Auswirkung mehr habe. Ebenso werde bei der Fortbildung manches überprüft.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther findet dies beunruhigend. "Auch wenn der Blick auf die Finanzen verständlich ist: Gute und intensive Ermittlungsarbeit darf nicht bestraft werden, denn höchste Priorität der Polizeiarbeit muss die Sicherheit für die Bürger in Karlsruhe haben", so Wellenreuther in einer Pressemitteilung. Auch empfinde er Vergleiche mit anderen Polizeidirektionen im Land verzerrend. "Wenn beispielsweise beim Polizeipräsidium Mannheim zwar der Kostenrahmen eingehalten wird, aber dort deutlich weniger Straftaten als im Vorjahr aufgeklärt werden, sollte dies kein Vorbild für Karlsruhe sein", findet er.
"Gute Arbeit nicht durch Streichungen gefährden"
In der Fächerstadt müssten die großstädtischen Verhältnisse berücksichtigt werden, ebenso fielen durch die Größe des Präsidiums längere Fahrtstrecken und damit auch höhere Spritkosten an. "Die Polizei in Karlsruhe macht eine gute Arbeit und dies darf nicht durch Streichungsmaßnahmen gefährdet werden", appelliert der Abgeordnete.
Wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe gegenüber ka-news erläutert, bekommen alle Polizeidirektionen nach einem festgelegten Schlüssel Haushaltsmittel zugewiesen. "Mit diesem Geld müssen sie wirtschaften", betont er. Das funktioniere bei einigen Dienststellen besser, bei anderen - wie in Karlsruhe - jedoch schlechter. Die Lage sei hier bereits 2011 äußerst angespannt gewesen, für 2012 seien die Mittel nicht wie in den vergangenen Jahren gekürzt worden.
"Das Haushalten liegt in der Verwantwortung der einzelnen Polizeidirektionen", bestätigt auch Andreas Schanz, Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums. Prinzipiell müssten die Abteilungen mit dem zugewiesenen Geld auskommen. "Bei drastischen Benzinpreissteigerungen gibt es theoretisch die Möglichkeit, zusätzliche Mittel beim Finanzministerium zu beantragen", erklärt er. Es sei aber eher unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintrete. Auch in den zurückliegenden Jahren habe es immer wieder hohe Spritpreise gegeben, trotzdem seien die Polizisten nie plötzlich nur noch Fahrrad gefahren.
Das Polizeipräsidium Karlsruhe soll im Zuge der Polizeireform zum größten Präsidium im Land ausgebaut werden, knapp vor Mannheim und Stuttgart. Dann verfügt es über eine Personalstärke von 2.727 Beamten und ist unter anderem auch für Pforzheim und Calw zuständig. Innenminister Reinhold Gall (SPD) will so die Führung der Polizei verschlanken und mehr Beamte auf die Straße bringen. Die bisherige kleinteilige Struktur binde zu viel Personal in Führung und Verwaltung. Der Startschuss für die Reform soll nach umfangreichen Vorbereitungen Ende 2012 fallen.
Siehe auch:
Polizeireform in Karlsruhe: Mehr Polizisten auf der Straße und weniger Verwaltung
Mehr zu: Polizei Unfälle Ermittlungen Benzin Sprit Topmeldung
- (2030 Beiträge) | 11.04.2012 03:12? ? ?[url=Siehe]http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Umfrage-Knast-Ferien-schon-nach-5-Jahren-gefaehrliches-Experiment-oder-menschenwuerdiger;art6066,851229?[/url]
- (2030 Beiträge) | 11.04.2012 03:122.Versuch
- (8753 Beiträge) | 11.04.2012 04:15SymptomePolizisten haben kein Geld mehr, Häftlinge müssen früher entlassen werden um das Personal zu entlasten (politisch korrekt: Um den Gangstern eine zweite Chance zu geben), das sind meines Erachtens die ersten Anzeichen für einen Systemumbruch. Mal warten was passiert, wenn die Euroblase platzt... Praktischerweise laufen aber dann die größten Verbrecher schon auf den Straßen rum und plündern schön... Aber dafür hat man ja diese bekannte Klausel im Lissaboner Vertrag - und wer bestimmt eigentlich was der Unterschied zwischen "Demonstration" und "Aufstand" ist?
- (8753 Beiträge) | 11.04.2012 04:12PolizeiDie Polizei macht ja gute Arbeit in Karlsruhe, zumindest ist für mein Ermessen ausreichend Präsenz da (in der Innenstadt fast im Minutentakt je nach Tageszeit). Das Problem besteht eher darin, daß die Justiz jede Knallerbse freispricht und hier Leute mit 66 Vorstrafen rumlungern - da muß die Polizei natürlich doppelt und dreifach aufpassen bzw. hat mehr zu tun. Würde man solche Hobbyräuber wegsperren wäre KA ein sehr sicheres Pflaster!
- (404 Beiträge) | 11.04.2012 12:04Der Lächerlichkeit preisgegeben !Kann dem nur zustimmen. In den Fällen, wo ich oder jemand aus meinem Bekanntenkreis auf die Polizei angewiesen war, nur gute, professionelle Arbeit.
Mit solchen Einsparmaßnahmen gibt die Politik die Polizisten der Lächerlichkeit Preis. Bilder, wo ein Polizist auf einem Drahtesel Gauner in einem bayrischen Sportwagen verfolgte, habe ich bisher nur in der Comedy gesehen .... Kaum zu glauben, dass wir in einem modernen Industrieland leben ! - (2030 Beiträge) | 11.04.2012 06:14? ? ?
- (4605 Beiträge) | 11.04.2012 07:26Als ich das letzte Mal die Polizei anrief, weil mir unbekannte Personen Randale machten, war ich ganz ruhig.
Das ist nämlich der erste Schritt: wie verhält sich der Bürger!
Als ich sagte, dass von "abstechen" die Rede ist wurde ich informiert, dass dies aber nicht harmlos ist. Daraufhin habe ich ergänzt: Aber nicht, dass sie mit fünf Autos und Blaulicht kommen. Antwort: Haben wir sowieso nicht.
Insgesamt gesehen: sie kamen dann leise, unauffällig und haben gute Arbeit gemacht! Wer immer das auch war (ich meine welche Einheit): die Blondine war gut!
Von mir aus dürfen sie auch Fahrrad benutzen. Hauptsache sie arbeiten unaufgeregt. - (4605 Beiträge) | 11.04.2012 07:49Wäre vielleicht gut,wenn man ein wenig über die vielen Arbeiten berichtet, die gar nie als Polizeibericht hier landen. Von dem Einsatz zu dem der junge Fahrer unterwegs war, der verunfallt ist, hätte nie jemand etwas erfahren.
Aber so hysterisch wie manche Schreiber hier auf alle Polizeiberichte reagieren, da lässt man es wohl. Ich höre oft das Martinshorn und kann verstehen, wenn einige Mitarbeiter der Polizei ihre Arbeit als nicht genug gewürdigt betrachten. - (1096 Beiträge) | 11.04.2012 07:45Streife zu Fuß oder mit dem FahrradHaben dann die Polizisten dann Blaulicht und Sondersignal auf dem Kopf aufgeschnallt und sind diese Sonderzeichen auch an den alten schwarzen Fahrrädern? Die Polizeidirektion ist nun auch für die Bereiche Pforzheim und Calw zuständig. Wie lange dauert es bis die Polizei im Notfall auf der Pforzheimer Höhe oder auf dem Dobel ist?
Polizist sein? Nein Danke, aber das ist so wohl, warum auch immer, gewollt.
Da werden die Beiträge zu einer Versicherung gespart und offenbar ersatzweise keine Rücklagen gebildet. Das ist typisch Bund/Land. Und dann kommt später das Geheule und die Verwunderung - siehe auch Personalkosten. Es soll gewirtschaftet werden? Dann müssen die erst einmal in der Privatwirtschaft lernen wie das geht und dann entscheiden, was von dort übernommen werden kann. Man stelle sich vor: schweres Unglück, an die 100 Verletzte, Feuerwehr und Rettungswagen kommen nicht, das kein Benzin, das Personal kommt zu Fuß. - (7537 Beiträge) | 11.04.2012 07:50Eventuellkommt Oberwachmeister Dimpfelmoser behäbig auf seinem klapprigen Dienestrad angewackelt.
- (5440 Beiträge) | 11.04.2012 08:59nicht lachhaft:ich erinnere mich, dass es vor ca. 50 Jahren sehr wohl noch Polizisten mit Dienstfahrrad gegeben hat. Der betreffende Beamte bekam dann später ein BMW-Motorrad zur Verfügung gestellt, dem Ende der 60-er ein VW-Käfer folgte.
Warum nicht wieder? Läge doch im Trend!
Und:
Unsere Grünen täten gut daran, auch der Landesregierung das eine oder andere Dienstfarrad zu gönnen, um die Glaubwürdigkeit als Öko-Partei zu unterstützen! - (5440 Beiträge) | 11.04.2012 09:00ich spendiere noch ein
- (1345 Beiträge) | 11.04.2012 09:28also 50 Jahre istübertrieben, als wir in den 70er und 80er noch auf dem Guttenbergplatz Fussball gespielt haben, mussten wir jedes Mal vor dem Fahhrad-Polizisten abhauen
- (5440 Beiträge) | 11.04.2012 10:31Fußball spielen(mit allem was rollen kann) in Unterführungen war auch sehr verpönt bei den Uniformierten!
- (1096 Beiträge) | 11.04.2012 11:43Stimmt - Kosten sind ...durch den Verursacher zu tragen. Also müssten die Vereine, auch die Fußbakkvereine, und sonstige Demostranten die Kosten tragen. Aber dann zahlt ja unsere Landesregierung, was mit S21 zu tun hat, ja wieder. Aber statt neue Ministerialposten zu schaffen, hätten die das Geld halt für Sinnvolleres ausgeben sollen. Aber die können ja nicht einmal ihre Schulen zählen oder ordentliche Abi-Prüfungen für Mathe erstellen. Wie sollen die dann mit den Haushaltsmitteln wirtschaften können.
- (8753 Beiträge) | 11.04.2012 11:54Ach......wenn man das alles umlegen würde, kämmen auf jeden Bürger nahezu die gleichen Kosten zu, bei dafür immenser Bürokratie!
Der eine geht ins Fußballstadion, der andere mal auf eine Demonstration, wieder ein anderer auf die Messe... wenn jetzt jeder 5 Euro dafür zahlt und dafür die Steuern um 2 Euro gesenkt werden können, wer hätte dann was davon? Milchmädchenrechnung... alleine der Verwaltungsaufwand würde haufen Gelder verschlingen... und wer zahlt beim Fußball welchen Beitrag? Ist das mit auf die Eintrittskarte umgelegt? Und ab wann nimmt jemand an einer Demonstration teil - wenn er schon bei der Hauptkundgebung dabei ist oder wenn er sich spontan entscheidet mitzugehen? Schwierige Sache das alles zu trennen... - (1203 Beiträge) | 11.04.2012 08:02Vor allem.....wären für unsere Polizisten in KA -nicht erst seit dem "Taxi-Unfall"- Führerscheinnachschulungen bzw. praktische Fahrtests dringend erforderlich...gegenüber faktisch allen anderen Polizeipräsidien haben wir hier in Karlsruhe eine fast unverständlich hohe Quote an SELBSTverschuldeten Verkehrsunfällen mit nicht durch Versicherungen abgedeckten hohen Sachkosten...
- (517 Beiträge) | 11.04.2012 08:06KostenUnd wenn genau an diesen Schulungen bereits vor Jahren gespart wurde muss man heute halt die Suppe dafür auslöffeln... Da hat man mal so richtig gespart!
- (3829 Beiträge) | 11.04.2012 11:00das ist wie bei Krankenkassen- die Vorsorgeuntersuchungen werden oft nicht bezahlt - die Kosten für die (evtl. nicht erkannte Krankheit) dann aber voll umfänglich. Typisch deutsch halt.
Vielleicht passieren aber in KA auch deshalb so viele Unfälle, weil sich das Straßenbild wegen der vielen Baustellen nahezu täglich ändert. Wer kennt sich denn da noch aus ? - (8753 Beiträge) | 11.04.2012 11:51VorsorgeuntersuchungenIch weiß es nicht weil ich es nicht mache... aber gibt's da nicht ständig Werbung mit Darmkrebsvorsorge etc., wird das dann nicht bezahlt? Oder provilaktische Zahnarztbesuche?
Die Baustellen kann durchaus ein Grund sein, als Einheimischer achtet man weniger darauf als ein Auswärtiger der sich der Verkehrssituation vollkommen neu anpassen muß...




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