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Karlsruhe Karlsruher Mail-Anbieter: Dieser Mann bewacht Ihre E-Mails

Er bewacht Milliarden von E-Mails: Leslie Romeo ist Chef der Abteilung für E-Mail-Sicherheit bei Web.de und GMX, den größten Mail-Anbietern in Deutschland. Romeo und seine 150 Mitarbeiter jagen Spammer und bekämpfen Viren. Sie beschützen die Daten von Millionen Menschen. ka-news besuchte das Rechenzentrum in der Karlsruher Brauerstraße. Hier lagern über die Hälfte aller E-Mail-Accounts in Deutschland. Ein Bericht aus einem Hochsicherheitstrakt.

Im Keller der Karlsruher Mail-Anbieter, die zum Unternehmen 1und1 gehören, liegen über die Hälfte aller in Deutschland verschickten E-Mails: Sensible Firmendaten, Bikini-Bilder und Urlaubsvideos. Der Zugang in das E-Mail-Lager ist daher mit hohen Sicherheitsvorkehrungen verbunden.

Nur über zwei Sicherheitsschleusen ist der Eingang möglich. Zugangskarte, Pin-Nummer und Gewicht müssen übereinstimmen, dann öffnet sich die Schleuse. "Die Gewichtsangabe dient einerseits dazu, um die Person zu identifizieren und um auszuschließen, das eine Person etwas aus dem Rechenzentrum rausschmuggelt", sagt Konzernsprecher Oliver Pitzschel.

5 Milliarden E-Mails pro Monat

Neonlicht, weiße Gänge, schwere Türen: Auch innerhalb des Rechenzentrums ist der Zugang in jeden einzelnen Raum nur mit der Zugangskarte möglich. "Steht eine Tür länger als zehn Sekunden offen, geht beim Sicherheitspersonal ein Alarm los. Dann wird überprüft, ob dort alles in Ordnung ist", erläutert Pitzschel. 190 Kameras überwachen Schritt und Tritt der rund 20 Mitarbeiter im Untergeschoss. Insgesamt arbeiten 2.200 Personen am Standort Karlsruhe - der größte des Unternehmens in Deutschland. Zudem überprüfen zahlreiche Rauch- und Wassermelder das Gebäude.

In elf Räumen liegen in speziellen Schränken 15.000 Server. Darauf Daten von insgesamt 30 Millionen E-Mail-Kunden sowie Firmendaten und Homepages. Monatlich jagen fünf Milliarden E-Mails über die Server. Insgesamt beträgt das Transfervolumen im Rechenzentrum 9.000 Terabyte im Monat - eine gigantische Datenmenge.

35 Gigawattstunden Strom

Die Server erzeugen viel Hitze, müssen ständig gekühlt werden. Ein ausgeklügeltes Kühlsystem hält die Serverschränke bei konstant 21 bis 23 Grad - denn bei dieser Temperatur arbeiten die Server am effizientesten. Doch das kostet viel Strom. 35 Gigawattstunden pro Jahr verbraucht das Rechenzentrum, das sind 35.000.0000 Kilowattstunden. Damit könnte man etwa 12.000 Haushalte für ein Jahr versorgen - das enstpricht etwa dem Karlsruher Stadtteil Knielingen. "Ausschließlich grüner Strom", versichert Pitzschel.

Doch was, wenn der Strom einmal ausfällt? Dann springt der Notstrom an. In fünf Batterieräumen steht je ein Block mit 200 Gel-Akkus. Vier davon sind notwendig, um die Server mit Strom zu versorgen. 17 Minuten lang können sie das. Aber 17 Sekunden reichen aus, dann übernehmen fünf riesige Schiffsmotoren auf dem Dach des Gebäudes die Energieversorung. Die 2.500 PS starken Dieselmotoren können die Server sechs Stunden am Leben halten. Ihr Tank fasst je 2.500 Liter. Geht der Treibstoff zur Neige, lagern im Keller noch einmal 40.000 Liter. Zudem bestehen spezielle Verträge mit Zulieferern, "damit der Treibstoff im Notfall nicht ausgeht", so Pitzschel.

Doch nicht nur Stromausfall gefährdet den E-Mail-Bestand. Zahlreiche Rauchmelder und sensible Laserpartikelfilter überwachen die Räume. Bei einem Brand werden schon kleinste Rußpartikel aufgespürt. Schlagen die Systeme Alarm, ertönt eine Sirene - alle Türen öffnen sich. Die Mitarbeiter haben dann 30 Sekunden Zeit, um die Räume zu verlassen - sonst droht der Erstickungstod. Dann schießt mit enormem Druck Argon - ein Edelgas - in alle Räume. Das Gas hat die Eigenschaft schwerer zu sein als Luft und verdrängt dadurch den Sauerstoff - das Feuer erstickt. "Wir löschen nicht mit Wasser, sonst würden die Server beschädigt", erläutert Pitzschel. Sollte am Karlsruher Standort doch einmal eine Katastrophe eintreten, hat das Unternehmen vorgesorgt. Von jeder E-Mail gibt es eine Kopie. Diese Daten lagern in einem ehemaligen kanadischen Luftschutzbunker auf dem Gelände des Baden Airparks, ebenfalls hochgesichert.

Jagd auf Spammer und Viren

Wie steht's um Datenschutz? Können unbefugte Personen die E-Mails lesen? "Nein, die Daten sind für niemanden einsehbar", versichert Sicherheitschef Leslie Romeo im ka-news-Gespräch. "Auch nicht für Mitarbeiter." Die E-Mails liegen verschlüsselt auf dem Server. Die Verschlüsselung geschehe ganz automatisch. "Der Inhalt der E-Mails wird nicht gescannt und nicht nach werberelevanten Inhalten durchsucht." Nutzer müssten sich keine Sorgen machen. Die Mails durchliefen zwar Virenscanner und Spamfilter, den Inhalt bekomme aber niemand zu Gesicht  "Das E-Mail-Postfach gehört dem Nutzer, wir verwalten es nur und sorgen für die Sicherheit", sagt Romeo.

Das Expertenteam um Leslie Romeo feilt ständig an der E-Mail-Sicherheit, jagt Spammer und bekämpft Viren. "Unsere Aufgabe besteht aber nicht nur darin, aktuelle Gefahren abzuwehren, sondern auch darin, uns mit möglichen Gefahren der Zukunft auseinanderzusetzen", so der Sicherheitschef. So würden sich die Experten mögliche künftige Bedrohungsszenarien überlegen. "Wir machen uns heute schon Gedanken, wie die Bedrohung in Zukunft aussehen könnte, um darauf vorbereitet zu sein. Das ist ein Hase-und-Igel-Spiel", sagt Romeo.

"Der Brief wird nicht aussterben"

Dazu gehöre auch die Aufklärung der Kunden. "Viele gehen noch unbedarft mit ihren Daten im Internet um", so Romeo. Während für fast jeden klar sei, seine Pin-Nummer nicht auf die EC-Karte zu schreiben, würden einige Nutzer zu sorglos mit ihren Internet-Passwörtern umgehen. Die Kunden auf mögliche Gefahren aufmerksam machen, sei daher ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Sicherheitsexperten. So warnen die Fachleute auch vor Datenklau durch sogenannte Phishing-Attacken - beispielsweise beim Online-Banking. Trotz aller Gefahren ist Romeo überzeugt: "Das Internet ist schon heute ein relativ sicherer Ort."

Ein größeres Projekt der näheren Zukunft des Unternehmens: Die De-Mail, eine rechtssichere E-Mail. Durch ein neues Gesetz sollen E-Mails künftig mit der Papier-Post rechtlich gleichberechtigt sein. So können dann rechtsgültige Nachrichten und Dokumente per E-Mail verschickt werden. An den Sicherheitsmechanismen für die De-Mail arbeitet das Experten-Team derzeit. Auch wenn künftig noch mehr Kommunikation per Mail stattfinden wird, ist sich Romeo sicher: "Der Brief wird nicht aussterben. Liebesbriefe werden auch künftig nicht per E-Mail verschickt."

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