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Karlsruhe Karlsruher Hauptbahnhof: "Taubenkot soweit das Auge reicht!"

Gesundheitsgefährdend, ekelhaft, rufschädigend: So fasst die FDP die derzeitige Situation am Karlsruher Hauptbahnhof zusammen. Die Verunreinigung von Taubenkot ist den Stadträten ein Dorn im Auge. In einem Antrag an den Gemeinderat fordern sie einen nachhaltigen Masterplan, um der "Schmierfinken" und ihrer Hinterlassenschaften Herr zu werden. Doch so einfach scheint das nicht zu sein.

"Taubenkot soweit das Auge reicht!" Das ist das entsetzte Fazit der Karlsruher FDP, die sich vor einiger Zeit zum Vor-Ort-Termin am Hauptbahnhof getroffen hatte. Ziel war es, sich einen Überblick über die hygienischen Zustände dort zu machen. Mit dem Zustand des Hauptbahnhofs sind die FDP-Stadträte alles andere als glücklich.

FDP: "Taubenkot gefährdet die Gesundheit"

"Für Zugreisende, die am Hauptbahnhof ankommen, ist dieser erste Eindruck von unserer Stadt auf Dauer so nicht hinnehmbar", erklären die Stadträte in einem Antrag an den Karlsruher Gemeinderat. "Wenn man zusätzlich bedenkt, dass Taubenkot auch eine gesundheitliche Gefahr birgt, ist es nicht zu verantworten, dass vonseiten des Bahnhofsmanagements nicht gehandelt wird."

Im Jahr 2008 wurde der Karlsruher Hauptbahnhof zum schönsten in Deutschland gewählt - damals war die Sauberkeit sicherlich auch ein wichtiges Auswahlkriterium, vermutet die FDP. So gebe aktuelle Entwicklung zu bedenken, es habe bereits mehrere Beschwerden von Reisenden gegeben. Besonders schlimm stelle sich die Situation an den Mittelbahnsteigen im Bahnhof dar, so die Stadträte weiter.

Bereits im Juli bestätigte die Deutsche Bahn, dass der Karlsruher Hauptbahnhof ein Problem mit den unliebsamen Vögeln habe: "Taubenkot ist in der Tat ein Problem. Generell gibt es viele Tauben an Bahnhöfen, da sie dort einen sehr günstigen Lebensraum vorfinden." Der Karlsruher Hauptbahnhof biete durch seine Architektur besonders viele solcher "Schlupflöcher." Eine Reduzierung der Population sei schwierig, sogar nahezu unmöglich, hieß es damals vonseiten der Bahn. So habe man ab und zu auch mit Passanten zu kämpfen, die die Tiere anfüttern.

FDP: "Wir wollen kein schmuddeliges Provinzbahnhöfle sein"

Was kann nun getan werden? Die Säuberung des Bahnhofsareals liegt in der Verantwortung der Bahn, die nach eigener Aussage bereits Maßnahmen in Karlsruhe getroffen hat. Einerseits würden Bahnsteige, Gleise, Unterführungen und Co. häufiger gereinigt als früher. Auf der anderen Seite sei beachtlich investiert worden, um an verschiedenen Dachstreben und Hohlräumen Gitter anzubringen, so hieß es im Juli auf Nachfrage von ka-news.

Der FDP geht diese Handhabe nicht weit genug: "Es sollte über eine nachhaltige Lösung nachgedacht werden, damit nicht ständig hohe Reinigungskosten anfallen und damit dieser extreme Verschmutzungsgrad gar nicht erst wieder entstehen kann", so die Stadträte Tom Hoyem, Thomas Hock und Karl-Heinz-Jooß, "wir möchten uns als zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg am Hauptbahnhof nicht als schmuddeliges Provinzbahnhöfle präsentieren."

Harte Worte - was sagt die Verwaltung zum Anliegen der Liberalen? "Die Stadtverwaltung hat Kontakt zum Management des Karlsruher Hauptbahnhofs aufgenommen, die Thematik der Verunreinigung durch Taubenkot an den Mittelbahnsteigen thematisiert und um konkrete Lösungen des Problems gebeten", so heißt es in einer städtischen Stellungnahme. Daraufhin -bereits Ende des vergangenen Jahres- hatte die Bahn zwei Lösungsansätze vorgeschlagen, um des Taubenkots Herr zu werden.

Betreutes Wohnen für Tauben?

Eine Idee sei es, die Tauben mittels Lockkäfigen einzufangen und in ein betreutes Taubenhaus umzusiedeln. Bedingung hierbei sei jedoch, dass sich dieses Taubenhaus im näheren Umfeld des Bahnhofs befinden sollte. Diese Möglichkeit scheitert nach Darstellung der DB daran, dass es im Bahnhofbereich keine geeigneten Plätze gibt. Ein zweite Variante seien sogenannte Taubenvergrämungsmaßnahmen mit Netzen und Abwehrspitzen. Hierfür wurden von der DB bereits Angebote angefordert, etwa für eine Installation in der gesamten Gleishalle sowie Stahlträger oberhalb der am stärksten betroffenen Bahnsteigbereiche - beides stehe derzeit noch aus.

"Zur Ausführung der letztgenannten Maßnahmen müssen Gleise gesperrt werden und die Oberleitungen abgeschaltet werden. Dafür ist ein mehrmonatiger zeitlicher Vorlauf bei der Baubetriebsplanung DB Netz AG zu berücksichtigen", so fügt die Verwaltung hinzu. Zudem müssen die Brutzeiten der Tauben berücksichtigt werden, die nahezu durchgängig vom Frühjahr bis in den späten Herbst Eier legen und brüten.

Kotbeseitigung kostet Zeit

Die akute Reinigung der Tiefbahnsteige ist bereits beauftragt, so heißt es weiter in der städtischen Stellungnahme zum FDP-Antrag. Da aber dazu die jeweils links und rechts davon befindlichen Gleise gesperrt werden müssen, ist diese Maßnahme nicht sofort durchführbar. Auch hier sei ein zeitlicher Vorlauf einzuplanen.

Pläne, um die Verunreinigung durch Taubenkot am Karlsruher Hauptbahnhof einzudämmen, gibt es also. Die Umsetzung gestaltet sich jedoch schwierig und zeitaufwendig. Über das weitere nachhaltige Vorgehen soll am Dienstag im Rahmen der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung diskutiert werden. Eine Antwort der FDP zum Statement der Verwaltung steht noch aus.

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