Karlsruher Firma hilft beim Weg aus Abhängigkeit und Isolation
[0]
Karlsruhe (ber) - Viele Jahre Drogen, Alkohol und Arbeitslosigkeit - unterstützt vom Europäischen Sozialfonds möchte die Firma "initial" Menschen mit schwerwiegenden Problemen und körperlichen Einschränkungen wieder in den Arbeitsmarkt integrieren. Die Antwort auf die Probleme: Gartenarbeit. Etwas wächst und die Menschen wachsen mit.
Mit Hacke steht Michael Schleifer im Garten, pflügt den Garten um und kümmert sich um das Gewächs. Er ist einer der 50 Teilnehmer des diesjährigen neuen Projekts - und es macht ihm Spaß. Es sei aber schon eine große Umstellung, denn er habe so etwas noch nie zuvor gemacht. "Es ist eigentlich nicht das Gebiet, das ich mir für mich vorstellen würde", gesteht er deshalb. Technik - das würde ihn interessieren. Er würde auch gerne wieder Regale einräumen. Aus diesem Grund möchte er auch bis zum Schluss durchhalten, möchte das Jahr gut überstehen. Angst hat er aber dennoch - die Wirtschaftskrise und die steigende Arbeitslosigkeit seien doch erschreckend. "Es sieht nicht so einfach aus", meint er.
Zunächst einmal muss Schliefer aber den Weg zu Ende gehen. Die Prognose der Firma "initial" sieht hinsichtlich dessen düster aus: 35 geben vorzeitig auf, nur zehn werden am Ende tatsächlich an den Arbeitsmarkt vermittelt und sechs sollen noch an beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen. "Wir versuchen mit realistischen Zahlen zu jonglieren", begründet Geschäftsleitern Nevenka Miljkovic die Einschätzung. Viele Zahlen seien doch nur Schönfärbereien. "Wer 40 Jahre Drogen genommen hat, schafft es schwer so lange zu arbeiten", meint sie. Da seien schließlich auch ganz viele kranke Menschen darunter. Epilepsie und weitere Folgeerscheinungen seien alles andere als unüblich. Der Garten sei der ideale Ort für solche Menschen: hier spiele es keine Rolle ob sie nun betrunken sind oder nicht.
"Die Leute pflanzen etwas, es wächst etwas und die Motivation wächst"
Die Leute würden dabei aber sehr viel lernen, ob sie nun am Ende einen Platz im Arbeitsmarkt finden oder nicht. Da sind sich Miljkovic und die betreuende Sozialpädagogin Claudia Deufel einig. Sozialkompetenz, Selbstständigkeit und Vertrauen - das seien alles wesentliche Dinge, die ihnen abhanden gekommen waren. "Leute, die ganz beziehungslos sind, entdecken die Liebe zur Bohne", führt Miljkovic als Beispiel an. Isolation ist ein typisches Kennzeichen von Langzeitarbeitslosen und Drogenabhängigen. Sie aus dieser Isolation herauszuholen und ihr Vertrauen zu gewinnen sei deshalb eine verantwortungsvolle Aufgabe, findet Deufel. Es sei aber schön mitanzusehen, wie die Teilnehmer über sich selbst hinauswachsen: "Die Leute pflanzen etwas, es wächst etwas und die Motivation wächst mit.
Dass so viele aufgeben, erklärt sich die Sozialpädagogin durch einen damit einhergehende Überforderung. "Das sind Leute, die nur Probleme haben". Nicht selten hätten sie Schulden und Insolvenzverfahren am Hals. Es käme deshalb durchaus vor, dass die Motivation durch zu viel "Trouble" nachlasse. Es gebe auch einige Herausforderungen, die sie im Alltag bewältigen müssten. Der erste Mai sei zum Beispiel eine solche Schwierigkeit. Die Rückfallgefahr sei an diesen Tagen sehr hoch: viel Alkohol, viele Feste. "Während der Arbeit rieche ich bei den Teilnehmern aber gar keinen Alkohol", freut sie sich. Der Kreislauf beginne allmählich, sich zu schließen. Sie werden betreut und sie betreuen selbst - Pflanzen.




twittern
facebook melden
StudiVZ melden
Google melden
Webnews melden
del.icio.us empfehlen
Mister Wong empfehlen
Linkarena melden
Windows live melden
Yahoo melden
Yigg melden
Kledy melden






































Social Bookmarks
Tweet