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14.01.2016 16:35
 
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Karlsruher Experte über Hitler-Buch: "Es soll und muss an die Öffentlichkeit" [8]

Im Gespräch mit KIT-Professor Rolf-Ulrich Kunze zur Veröffentlichung der kritischen Edition von "Mein Kampf" durch das Institut für Zeitgeschichte
Bild:ps

Karlsruhe (Lydia Bilharz) - Vergangenen Freitag erschien die kommentierte Fassung Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" im Buchhandel. Innerhalb kurzer Zeit war die Erstauflage von 4.000 Exemplaren bereits ausverkauft, insgesamt 15.000 Bestellungen gingen im Voraus ein. Birgt das Gefahr für die Öffentlichkeit? Rolf-Ulrich Kunze, Professor für Neuere und Neuste Geschichte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), hat eine eindeutige Meinung.
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Herr Kunze, das Institut für Zeitgeschichte in München hat eine kritische Edition von Hitlers "Mein Kampf" veröffentlicht. Die geringe Auflage war blitzschnell vergriffen. Wie sehen Sie den Ansturm auf das Buch, sind Sie darüber überrascht oder war das große Interesse zu erwarten?

Das große Interesse überrascht nicht. Es besteht eine gewisse, für den Zeithistoriker herausfordernde, "Hitler-Fixierung". Gleichzeitig gibt es auch eine problematische - weil unbegründete - Faszination, die von dem zweiteiligen Buch ausgeht. Das hat geschichtlichen Hintergrund. Das hat auch einen Grund darin, dass bisher keine wissenschaftlich-kritische Edition verfügbar war, sondern nur das nichtkommentierte Original. Jetzt gibt es dementsprechend einen massenhaften Ansturm auf das Buch. Aber kaum etwas dürfte sich so schnell von selbst entzaubern wie dieser Text.

Wie schätzen Sie die Veröffentlichung der kommentierten Fassung Hitlers "Mein Kampf" ein: Ist es richtig, dass das Buch in dieser Form an die Öffentlichkeit kommt oder sehen Sie die Veröffentlichung eher kritisch?

Hitlers "Mein Kampf" zeichnet sich über weite Teile durch seine Sprödigkeit, Unlesbarkeit und Lächerlichkeit aus. Die kritische Edition und umfassende Kommentiereung des Instituts für Zeitgeschichte in München beruht auf jahrelangen Forschungen. Es soll und muss an die Öffentlichkeit, denn es dient schlichtweg der Entzauberung. Wer "Mein Kampf" liest, merkt schnell, was für ein Giftcocktail das ist. Die umfassenden Erläuterungen helfen dabei, genau das aus dem Kontext der Entstehungszeit zu verstehen. Hier gilt: Selbst lesen schützt vor Legenden.

Wie sehen Sie die kritischen Stimmen zur Veröffentlichung?

Als Zeithistoriker kann ich gar nicht anders, als mich für die kritische Neuveröffentlichung zu interessieren. Gleichwohl habe ich Verständnis dafür, dass NS-Opfer sich dadurch verletzt fühlen. Als Opfer des Zivilisationsbruchs würde ich das auch so sehen. In meiner Rolle als Zeithistoriker habe ich jedoch eine andere Sicht: So wie ein Arzt sich nicht vor Krankheiten fürchten darf, muss ich als Historiker im Sinne der Aufklärung eine professionelle Perspektive darauf haben.

Sollte das Buch Ihrer Meinung nach als Unterrichtsmaterial an Schulen und Universitäten behandelt werden?

Für jeden Zeithistoriker ist es ein wichtiges Lehrmittel und ich befürworte die Verwendung als Unterrichtsmaterial. Wer sich über die Zusammenhänge von Hitlers Weltanschauung informieren möchte, dem empfehle ich die kritische Arbeit des Stuttgarter Zeithistorikers Eberhard Jäckel "Hitlers Weltanschauung" von 1981.

Wird das Buch in der KIT-Bibliothek für Studierende verfügbar sein?

Ich werde die Anschaffung des Buches für die Bibliothek des KIT beantragen. Vermutlich wird das aber nicht nötig sein, da ich davon ausgehe, dass es ohnehin fest für den Bücherbestand für die Studierenden eingeplant ist.

Die Fragen stellte Lydia Bilharz.

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Kommentare [8]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (511 Beiträge) | 15.01.2016 12:53
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    Schlage eine öffentliche Podiumsdiskussion vor!
    Ort;

    http://www.kronenplatz.de/
  • (327 Beiträge) | 15.01.2016 10:15
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    Bücher
    von Politikern werde ich nienmals lesen, da greife ich lieber zu Grimms Märchen oder einer Liebesschnulze. Da ist die Welt in Ordnung und es siegt immer das Gute. - Träumerei eines Politikverdrossenen -
  • (104 Beiträge) | 15.01.2016 12:59
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    Mal ganz naiv gefragt
    wenn schon nicht mal Rechtsextremisten das Buch lesen wollen,
    warum wurde es dann neu aufgelegt?
  • (92 Beiträge) | 15.01.2016 14:00
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    :-)
    Du glaubst gar nicht wie viele dieses Buch (nur das Orginale..hab es noch vom Opa) lesen oder besitzen wollen.IM In und Ausland werden auf bestimmten Foren 4-5 stellige Beträge dafür bezahlt. Aber diese Ausgabe würde ich auch nicht kaufen.
  • (890 Beiträge) | 15.01.2016 07:38
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    Man glaubt es nicht
    Lydia Bilharz: "Birgt das Gefahr für die Öffentlichkeit?"
    Ohne Worte... wie naiv sind Sie?

    Kunze: "Aber kaum etwas dürfte sich so schnell von selbst entzaubern wie dieser Text."
    Wer jemals diesen "Krampf" gelesen hat, bessser gesagt, versucht hat, zu lesen, der kann nur den Kopf schütteln.
  • (751 Beiträge) | 15.01.2016 06:39
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    Mal ein anderer Blickwinkel
    Was mich schon immer "fasziniert" hat: da schreibt einer haarklein bis ins letzte Detail ein Buch darüber wie er die Welt sieht, was er machen will etc. Trotzdem haben (seinerzeit) Politiker aus aller Welt dies beiseite geschoben und verharmlost. "Der wird schon nicht so schlimm sein..." "Den haben wir im Griff". Weit verfehlt wie uns die Geschichte lehrt.

    Lehrt sie uns das wirklich? Also: haben wir und die Politiker dieser Welt etwas daraus gelernt? Ich sage hier: NEIN.
    Auch heute sind eigene Interessen wichtiger als das Gesamte. Da darf eine IS morden u. die Weltgemeinschaft bekommt keine gemeinsame Strategie hin. Die einen träumen von einem wie auch immer gearteten neuen Großreich unter ihrer Flagge, die anderen haben Angst, dass zahlungskräftige Kundschaft weg bricht etc.

    Und die Gesellschaft? Reden wir von Nazis denken alle gleich an uns böse Deutschen. Dabei ist rechter Nationalismus und Rassismus weltweit verbreitet und tief in den Hirnen dieser Menschen verankert.
  • (751 Beiträge) | 15.01.2016 06:47
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    wobei ich jetzt nicht die Verantwortung verleugnen will
    Wir müssen mit unserer Gecshichte leben - diese akzeptieren und wir dürfen nicht die Augen davor verschließen oder die Ereignisse klein - und schönreden. Hitler und seine Gefolgsleute waren Verbrecher. Das was sie machten war derart menschenverachtend, dass es aller Worte fehlt um das zu beschreiben.

    Doch verschließen wir vor lauter rückblickende Geschichte nicht die Augen vor der Aktualistät. Nicht nur in Deutschland und in Europa haben wir das Problem der Rechtsextremen. Auch in den USA und erst recht in vielen arabischen Ländern ist dies zu beobachten.

    UND ... auch Linksextrem ist keine Lösung. Fragt mal die Menschen in China oder Nordkorea.

    Also: alle reden über DAS Buch - je nach politischer Gesinnung. Was aber nutzt ein BUCH wenn wir nichts aus der Gecshichte lernen???
  • (37 Beiträge) | 14.01.2016 19:12
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    "Es muss an die Öffentlichkeit"
    Ich würde sagen, das ist es schon. Seit über 90 Jahren.
    P.S. Das Foto ist leider recht unvorteilhaft geraten.... Selfie? zwinkern
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