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Karlsruhe Frauentaxis für Karlsruhe: Scheitert das Projekt an diesen Argumenten?

Die beiden Stadträte Jürgen Wenzel von den Freien Wählern und Stefan Schmitt, parteilos, sprechen sich bei der Stadt Karlsruhe für die Einführung von so genannten "Frauentaxis" aus. Diese sollen Frauen, die sich auf ihrem Heimweg unsicher fühlen, einen kostengünstigen Fahrservice bieten. Begeistert scheint die Stadtverwaltung von dieser Idee nicht - in einem Statement spricht sie sich gegen ein solches Angebot aus.

Im Sommer dieses Jahres hatten sich die beiden Stadträte Wenzel und Schmitt im Rahmen der neuen "Allianz für mehr Sicherheit in Karlsruhe" zusammengeschlossen. Ziel der Initiative ist es seit dem, außerhalb des Karlsruher Gemeinderats Ideen zu sammeln und Aktionen zu starten, um vor allem die subjektive Sicherheit in Karlsruhe zu erhöhen.

Stadt ist skeptisch

Diese fiel nach einer Umfrage im Jahr 2015 eher negativ aus. So haben vor allem Frauen oft ein mulmiges Gefühl, wenn sie den nächtlichen Heimweg antreten. Eine Idee, um diese Ängste künftig zu vermeiden, stammt von Wenzel und Schmitt. In einer Anfrage an die Karlsruher Stadtverwaltung regen sie die Einführung von so genannten Frauntaxis an - Vorbild sei ein Modell aus Heidelberg. Seit 2005 biete die Stadt ein Frauentaxi in Form von vergünstigten Tickets für Frauen ohne männliche Begleitung bei Anbruch der Dunkelheit an. Lässt sich das auch in Karlsruhe umsetzen?

Die Verwaltung zeigt sich skeptisch, empfiehlt in einer Stellungnahme, auf die Einführung von Frauentaxis in Karlsruhe abzusehen. Das Angebot sei nicht notwendig, zumal die bereits bestehenden Verkehrsangebote ausreichen, so heißt es weiter. Diese Alternativen tragen ausreichen dazu bei, so die Verwaltung, Ängste zu vermeiden. Ein weiteres Argument, das laut der Verwaltung gegen Frauentaxis spricht, komme sogar aus Heidelberg direkt: Hier verweist die Stadt auf die vermeintlich zurückgegangenen Nutzungszahlen in den letzten fünf Jahren.

Dass dieser Einwurf zu kurz gedacht sei, merken die Anfragesteller zugleich an. Die Verwaltung erwecke den Eindruck von fehlendem Bedarf von Frauentaxis am Beispiel Heidelberg. Dabei sei die sinkende Nachfrage auf die angestiegenen Kosten von 6 Euro auf 9 Euro in 2011 zurückzuführen. Im September habe die Stadt Heidelberg den Preis bereits wieder auf 7 Euro gesenkt, um der großen Nachfrage weiterhein gerecht zu werden.

Sinkende Nachfrage in Heidelberg?

Auch mit dem Punkt, es gebe bereits gute Angebote, um Frauen auf dem Heimweg sicher zu begleiten, zeigen sich Wenzel und Schmitt nicht zufrieden. Sie berufen sich auf den 3. Sachstandbericht zur öffentlichen Sicherheit, der herausgestellt hatte, dass sich nicht einmal ein Drittel der jungen Frauen in Bussen und Bahnen bei Dunkelheit sicher fühlen.

Laut der Verwaltung nehme man diese gefühlte Angst sehr wohl ernst. Man verweist jedoch generell auf die verstärkte Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes, die in Folge des Umfrageergebnisses veranlasst wurde. Auch arbeite man sehr eng mit der Polizei zusammen. Wenn zudem konkrete Rückmeldungen aus der Bürgerschaft kämen, werde auch hierauf in jedem Einzelfall reagiert.

Auch bei den Verkehrsbetrieben werde das subjektive Sicherheitsempfinden sehr ernst genommen. Unter anderem fließen Überlegungen dazu in die Haltestellenplanung allgemein und insbesondere in die Planung der Haltestellen im Zuge der Kombilösung ein. Bereits seit Jahren bieten die VBK auch den Service "Bestellung eines Anschlusstaxis" an. Auf Wunsch könne über das Fahrpersonal ein Taxi zur Ausstiegshaltestelle bestellt werden, um auch die Strecke von der Haltestelle zur Haustür sicher zurücklegen zu können. Die Einführung von Frauentaxis sei daher nicht notwenig.

Wenzel und Schmitt mit Gegenargumenten nicht zufrieden

Weiter heißt es: "In den Bussen und Bahnen, wurden die Kontrollen in den letzten Jahren nachts deutlich erhöht. Außerdem sind alle Fahrzeuge mit Überwachungssystemen ausgerüstet, die einen großen Beitrag zur tatsächlichen und zur subjektiven empfundenen Sicherheit leisteten", so die Stadt. Dabei sei zu beachten, dass Busse und Bahnen sehr sichere Verkehrsmittel seien - Belästigungen und Übergriffe seien bei den Verkehrsbetrieben seit Jahren kaum registriert worden, so die Verwaltung.

Einen weiteren Beitrag zur subjektiven Sicherheit in den Abendstunden leisten die Anrufsammeltaxis, wenn die Nachfrage es erlaubt, statt eines Standardlinienbusses ein Taxi oder Großraumtaxi einzusetzen. In Verbindung mit dem Haustürservice ergebe sich hieraus eine maximale Sicherheit.

Dass man den Frauentaxis in Karlsruhe eine Absage erteile, habe auch mit den entstehenden Kosten zu tun. Unter anderem hatten Wenzel und Schmitt vorgeschlagen, das Angebot für Jugendliche und Senioren zu erweitern - diese Idee weist die Stadt mit Forderung nach nachhaltiger Finanzierung zurück. Im Falle eines Verzichts auf eine Gegenfinanzierung, wenn es sich um eine Aufgabe im gesamtstädtischen Interesse handele, könne die Verwaltung den Vorschlag nicht befürworten.

Wenzel und Schmitt geben nicht auf. Die beiden Stadträte fordern trotz Absage der Verwaltung weiterhin eine Preisermäßigung für Frauen, Senioren und Jugendliche in Taxis und wollen im nächsten Schritt darlegen, welche Kosten pro Jahr für das Frauentaxi zu erwarten seien und mit welchen Einsparungen an anderer Stelle diese finanziert werden können.

 

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