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Karlsruhe Julius-Hirsch-Preis: Jury-Mitglied und DFB-Präsident Niersbach in Karlsruhe

Im Jahr 1900 gab es nur zwei Spieler in der Deutschen Nationalmannschaft, die jüdischen Glaubens waren. Beide kamen aus Karlsruhe. Während Gottfried Fuchs nach Kanada emigrierte, verlor Julius Hirsch vermutlich in Auschwitz sein Leben. Ihm zu Gedenken rief der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Julius-Hirsch-Preis ins Leben, mit dem besonders herausragendes Engagement gegen Diskriminierung und Rassismus ausgezeichnet wird. In diesem Jahr tagte die Jury in Karlsruhe.

Bürgermeisterin Margret Mergen begrüßte am Mittwoch beim Vor-Ort-Termin im Karlsruher Rathaus, dass die Jury des Julius-Hirsch-Preises in diesem Jahr in Karlsruhe tagte. "Julius Hirsch trat bereits mit zehn Jahren dem Karlsruher FV bei, mit dem er 1910 Deutscher Meister wurde.

Zeichen gegen Diskriminierung

1912 trat er mit der Deutschen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen an", erklärte sie. 1923 beendete er seine aktive Karriere, blieb seinem Verein jedoch treu. Als 1933 alle jüdischen Vereinsmitglieder aus ihren Sportvereinen ausgeschlossen wurden, traf dies auch Hirsch. Die Spur verliere sich mit seinem Transport nach Auschwitz, verzeichnet wurde er dort nicht. "Es wird vermutet, dass er sofort nach der Ankunft ermordet wurde."

Mit der Verleihung des Julius-Hirsch-Preises setze der DFB nun ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung und für mehr Toleranz, lobte Mergen. "Mit der Erinnerung an Hirsch wendet sich der DFB seiner Vergangenheit zur Zeit des Nationalsozialismus zu." Auch Karlsruhe sei in Sachen mehr Toleranz mit gutem Beispiel voran gegangen, so Mergen und erinnerte dabei an die Aktion "Karlsruhe zeigt Flagge" im Mai.

"Eine gute Gegenwart und Zukunft kann nur dann entstehen, wenn man sich der Vergangenheit bewusst stellt", formulierte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Es sei wichtig vor allem auch der Jugend bewusst zu machen, was in der Vergangenheit geschehen sei, damit sich dies nicht mehr wiederhole. "Die Gefahr lauert auch heute noch überall, aber Diskirminierung darf nicht sein." Insgesamt 127 Einsendungen habe es in diesem Jahr für den Julius-Hirsch-Preis gegeben. Der Preis wird zum neunten Mal verliehen. Nach einigen "offenen Diskussionen" sei die Jury zu einem Ergebnis gekommen, berichtete Niersbach.

"Karlsruhe braucht ein konkurrenzfähiges Stadion"

Der Erste Preis, dotiert mit 10.000 Euro, gehe dabei an den Sport- und Jugendclub Hövelriege aus Paderborn. Der kleine Verein habe sein Augenmerk auf einen traurigen Teil der deutsch-griechischen Geschichte gelegt: die Zeit der deutschen Besatzung in Griechenland von 1941 bis 1944. Der 1. FC Nürnberg erhielt den zweiten Preis für die Aufarbeitung seiner eigenen Vergangenheit. Der dritte Preis geht an den SC Heuchelhof aus Würzburg. Hier wurde eine Ausstellung zu jüdischen Spielern ins Leben gerufen. Der Sportjournalist Ronny Blaschke aus Rostock erhielt den Ehrenpreis. Verliehen werden die Preise am 11. Oktober vor dem WM-Qualifikationsspiel in Köln gegen Irland.

Auch für Karlsruhe selbst hatte Niersbach einige Worte übrig. Beim letzten KSC-Spiel der Aufstiegssaison sei er in Wiesbaden vor Ort gewesen, die Pfiffe gegen den DFB nehme er hin. Er sehe in Karlsruhe durchaus eine Fußballstadt. Das sei schließlich auch ein Grund, warum die Fächerstadt unbedingt ein konkurrenzfähiges Stadion brauche. "Jetzt baut eurem Verein in Gottes Namen ein neues Stadion", forderte er.

Siehe auch:

Karlsruhe ehrt jüdische Sportler: Straße und Platz nach KFV-Spielern benannt

Straßennamen: Karlsruhe erinnert an Julius Hirsch und Gottfried Fuchs

Fußball-Gedenkstein für Karlsruhe: KFV will an Erfolge erinnern

Gemeinderat: Karlsruhe soll Julius-Hirsch-Straße bekommen

ka-news-Buchtipp: Julius Hirsch - Nationalspieler.Ermordet

CDU-Weststadt fordert Julius-Hirsch-Straße

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Kommentare (3)
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  •   Joker1894
    (3060 Beiträge)

    29.08.2013 06:43
    ...
    Der Niersbach geht fleißig auf Sympathiejagd hahah

    Naja, da hat er aber mal Recht. Nur ist KA nicht direkt eine Fussballstadt sondern eher das drum herum. Die wengisten KSC-Fans kommen aus KA, da sind hauptsächlich die Modefans. Die meisten KSC Fans wohnen in 100km Umkreis denke ich
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  •   Malefiz
    (4616 Beiträge)

    29.08.2013 09:00
    @Jokerle 1894
    Es ist auch nicht ausschlaggebend woher die KSC-Fans kommen, sondern
    wichtig ist, daß viele kommen und sich entsprechend benehmen und
    unsere Mannschaft unterstützen. Nur das zählt.
    Nur keine Hooligans, weder auswärtige noch aus KA, die können uns
    gestohlen bleiben.
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  •   NackterMann
    (664 Beiträge)

    29.08.2013 07:09
    und du?
    Woher kommst du?
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