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17.06.2010 18:27
 
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Jörg Rupp: Grüner Kämpfer für Männerrechte [0]

Jörg Rupp

- Nach einem langen Kampf konnte er vor kurzem das Grüne Männer-Manifest unterzeichnen. Acht bis zehn Jahre habe er an dem Thema gebohrt und letztendlich gewonnen: Jörg Rupp.
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Der Ettlinger Rupp ist "grün - durch und durch", das sagt er über sich. Politisch aktiv wurde Rupp erstmals, als er gegen Atomkraft demonstrierte. "Ich war immer schon grün", erklärt Rupp - auch was er nicht wollte, wusste der heute 44-Jährige: "Die Kohl-CDU der 80er Jahre symbolisierten für mich alles, was konservativ ist."

Doch es gab auch Zeiten in denen er an seiner politischen Zugehörigkeit gezweifelt hat. Nach der Afghanistan-Entscheidung 2001 auf dem Parteitag in Rostock reiste Rupp ab und wollte sogar austreten. Diesen letzten Schritt hat er dann aber doch nicht gemacht, sondern ist geblieben, um weiter für seine pazifistischen Ziele einzutreten.

An den Grünen schätzt Rupp, der auch im Parteirat aktiv ist, die Basisdemokratie, gewollte Einflussmöglichkeiten und den ökologischen Schwerpunkt. Bei letzterem ist er sich sicher: "Wir stellen die richtigen Fragen." Außerdem seien es die Grünen, die den sozialen Ausgleich fordern: "Der Landesverband Baden-Württemberg hat 2007 schon das bedingungslose Grundeinkommen beschlossen. Chancengleichheit und gleiche Rechte für alle Bürger gehören natürlich ebenso dazu."

Ein vorläufiger Höhepunkt seiner politischen Arbeit ist das Grüne Männer-Manifest, welches von mehreren Grünen-Politikern gemeinsam verfasst und unterzeichnet wurde. "Gleichstellung ist immer so eine einseitige Geschichte", hat Rupp beobachtet. Belegen kann er diese Aussage auch: "Ich kenne wenige Gleichstellungsbeauftragte, die Männer sind."

Im Manifest heißt es: "Wir sind keine Dinosaurier mehr. Wir wollen auch keine Alleinernährer sein. Wir wollen weniger Leistungsdruck, bessere gesundheitliche Prävention und mehr wertvolle Zeit. Wir wollen keine Helden der Arbeit sein, wir wollen leben. Wir wollen Macht, Verantwortung und Pflichten teilen und das Korsett alter Geschlechterrollen von uns reißen." Dass das Manifest durchaus streitbar ist, weiß Rupp: "Ich bin jemand, der gerne ein bisschen polarisiert".

Polarisiert haben die Karlsruher Grünen im Kampf gegen das Kohlekraftwerk wohl nicht genug, findet er: "Die Mobilisierung hat nicht geklappt. Schade, dass bei einem so wichtigen Thema die Karlsruher Bevölkerung nicht zu mehr Widerstand zu bewegen war." Deutlich erfolgreicher lief dagegen die Mobilisierung beim Thema Kombilösung. Um so schlimmer findet Rupp, dass trotzdem gebaut wird: "Es ist ein Drama, dass es so gelaufen ist".

Der Landtagswahl im März 2011 sieht der Politiker trotzdem optimistisch entgegen: "Ich zweifle nicht an einem sehr guten Ergebnis!"

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Engagiert, geradlinig, streitbar

Was ist Ihre größte Stärke, was Ihre größte Schwäche?
Größte Stärke: Fähigkeit zu Handeln größte Schwäche: im Handeln die eigenen Bedürfnisse zu vergessen

Lerche oder Eule? Sind Sie Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Frühaufsteher.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Als Kind wollte ich nach dem Tod meiner Oma Arzt werden. Als Jugendlicher war eigentlich klar, dass ich was „Soziales“ machen wollte – oder Lehrer werden – weil ich ein paar Lehrer hatte, die einfach grottenschlecht waren. Das wollte ich besser machen – und da zeigte sich schon der heute immer noch präsente "Retter" in mir. Gelernt habe ich dann Einzelhandelskaufmann beim Pfannkuch, weil ich das gut konnte – ich war ab meinem 14. Lebensjahr dort Aushilfe. Heute tue ich, nach einigen Um- und Abwegen, das was ich damals tun wollte. Ich arbeite als Quereinsteiger als Sozialpädagoge. Derzeit mache ich eine Ausbildung in Transaktionsanalyse, um mein Handeln weiter zu professionalisieren. Aber hilfreich waren und sind meine Um- und Abwege für diese Arbeit auf jeden Fall. Denn Menschen in der Arbeitslosigkeit darin zu unterstützen, wieder eine Stelle zu finden, das können Sie nur gut, wenn Sie nachfühlen können, wie es einem geht, wenn man einige Absagen bekommen hat oder zunchst auch nur die Hoffnung nachfühlen können, die mit jeder Bewerbung weggeschickt wird.

Wenn Sie in Ihrem Leben etwas noch einmal machen könnten, was wäre das?
Die Geburten meiner Söhne erleben

Sie schlagen morgens die Zeitung auf. Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?
Schlagzeilen über mich müssen es eigentlich nicht sein. Ich würde gerne lesen: "Endlich: letztes Atomkraftwerk abgeschaltet" oder "Bedingungsloses Grundeinkommen wird eingeführt".

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf Bücher. Weil ich für mein Leben gerne lese – politisch, professionell und einfach nur zur Entspannung. Dazu gute Musik, leise im Hintergrund – besser als ne einsame Insel

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Auf den Mond schießen will ich niemanden.

Wenn Sie Ihr eigener Mitarbeiter wären, was würde Ihnen besonders an sich auffallen?
Dass ich gerne kommuniziere

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts – wer wäre das?
Meine Frau.

Was würden Sie ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?
Da gäbe es tausend Dinge, vom Atomausstieg bis hin zum Tempolimit oder eine Schule für alle. Aber als allerstes würde ich ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Katze.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Stadt und Naherholung liegen nahe beieinander, reizvolle kulturelle Angebote und ein angenehmes Klima, ein gut ausgebauter ÖPNV – ein Auto braucht man hier eigentlich nicht

Deutschland gilt auch als das Land der Nörgler und Perfektionisten – Warum würden Sie dennoch einwandern?
Trotz aller Dinge, die verändert gehören, leben wir hier doch in Frieden, in relativer Sicherheit, in einem der reichsten Länder der Welt, mit einer einigermaßen noch funktionierenden Gesundheitsversorgung. Das Klima ist gemäßigt, im Winter gibt’s Schnee, im Sommer ist es heiß. Die meisten Menschen sind nett und freundlich und respektieren die Meinung anderer. Die repräsentative Demokratie ist zwar nicht die allerbeste Staatsform, trotzdem nahe an einem Ideal.

Sekt oder Selters – welches Getränk geht bei Ihnen nie aus?
Wasser und Bier

Was bewegt Sie dazu, vom Sofa aufzustehen?
Meine Kinder

Meer oder Berge – Action oder Entspannung im Urlaub?
Entspannung und immer ein bisschen Kultur und Bildung

Welche Sprache würden Sie gerne noch lernen?
Türkisch

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Weder noch – die Vorstellung einer so grausamen Bestrafung wie die Hölle oder einer so uneingeschränkten Belohnung für eine individuelle Lebensleistung lehne ich ab.

(ram)

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Mehr zu: Profil "Jörg Rupp" Grüne

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:

Verlängerte Ferien: Karlsruher Schüler schwänzen für den Urlaub [10]


Fluggreisende


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