Die Schonzeit für die Meerestiere geht zu Ende. Die Seeleute, Fischer und Taucher freuen sich, dass sie wieder Arbeit haben.
Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.
Ein paar hundert Meter streckt sie sich in die Karibische See hinaus. Aber hier, an ihrem äußersten Ende, löst sich die Hafenmole in ihre Einzelteile auf. Das letzte Stück ist gar nicht mehr passierbar und schon vorher ist das Holz angefressen, Planken fehlen und ehemalige Stützpfeiler schwanken im Wellengang. Immer wieder verspricht die Regierung die Reparatur der Mole, höchstens aber wird sie notdürftig ausgebessert. Pelikane haben sich auf stehengebliebenen Pfählen niedergelassen. Das Wasser hier ist noch dreckig braun, weiter draußen schimmert es türkisgrün.Ein paar junge Männer sind bis hierher hinaus gelaufen, um sich etwas zum Abendessen zu fischen. Geduldig werfen sie immer wieder den an einer Nylonschnur befestigten Haken aus. Einige gehen ohne Fang nach Hause.
"Das Meer ist mein Leben"
 | Seemann Soza: Alles andere als eine Landratte (Foto: Sebastian Erb) |
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Weiter in Landesnähe geht es nicht nur um Eigenkonsum. Ein Dieseltanker hat angelegt, Ölfässer werden gefüllt und ein knappes Dutzend Fischerboote bereitet sich zum Auslaufen vor. Die dreimonatige Schonzeit für wichtige Fangfische und andere Meerestiere ist morgen um. Vor allem den Langusten wird wieder nachgestellt. Auf dem Kai stehen die Seeleute, die jetzt wieder auf den Schiffen anheuern werden. Endlich gibt es wieder Arbeit, die Stimmung ist gelöst, fast schon fröhlich.
Charly Enrique Washington trägt ein orangefarbenes T-Shirt und grinst übers ganze Gesicht. "Auf dem Meer zu arbeiten ist einfach das Beste", meint der 21-Jährige, "man verdient mehr". Wann es allerdings losgeht, weiß er noch gar nicht. Das Schiff ist noch kaputt. Auch Soza René Terreros weiß noch nicht, wann er zu arbeiten beginnt. Unter der Schildkappe des hageren 38-Jährigen blinzeln graue Haare hervor. Erst will er gar nichts sagen, dann hört er kaum noch auf zu erzählen. Ein typischer Seemann ist er. Schwierig zu unterscheiden, was stimmt, von dem was er erzählt, und was nicht. Er weiß alles über das Meer, sagt er und deutet auf ein Segelboot am Horizont.
"Das ist ein Haifischer." Haie zu fangen, das sei ein profitables Geschäft, meint er. Vor allem Hammerhai, 50 Dollar bringe das Pfund. Soza arbeitet seit 20 Jahren auf dem Meer, ganz gleich in welcher Funktion. "Es ist mir egal, ob ich als Koch arbeite, als Maschinist oder als eigentlicher Fischer. Hauptsache aufs Meer raus. Das ist mein Leben." An Land könne er sich zwar auch durchschlagen, zumal er keine Familie habe, die er versorgen muss. Aber die Arbeit auf dem Meer gefalle ihm, auch wenn sie hart sei. Zwölf Tage fährt ein Schiff normalerweise raus, dann gibt es fünf Tage Pause.
Die Taucher leben gefährlich
 | | Die Mole ist in einem schlechten Zustand (Foto: Sebastian Erb) |
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Für Rogélio Espinoza Ricardo ist die Arbeit hingegen schlicht und ergreifend ein Broterwerb. Seit 28 Jahren arbeitet der 42-Jährige als Taucher auf der Jagd nach Langusten. Damit gehört er zu einigen tausend Männern, die von verschiedenen Dörfern im Municipio Puerto Cabezas aus unter der Wasseroberfläche abtauchen, um die vor allem in den USA begehrten Meerestiere zu fangen. Rogélio geht in kompletter Montur inklusive Sauerstoffflasche auf Tauchgang. Damit ereicht er Tiefen von bis zu 40 Metern. Der hochgewachsene Mann macht einen fitten Eindruck, doch die Arbeit hat an seinem Körper Spuren hinterlassen.
Demonstrativ steht er auf und zeigt, dass er nur noch schwer laufen kann. Das Tauchen hat seinen Unterkörper steif und unbeweglich gemacht. Jedes Jahr trifft es einige seiner Kollegen noch schlimmer. Sie bekommen Lungenprobleme, an denen sie sterben. Rogélio hat seine Frau und acht Kinder zu versorgen, so wird er auch diese Saison wieder "im Meer kämpfen", wie er sagt. "Wenn nicht, sterben wir an Hunger." Pro Pfund an Langusten, das er nach oben holt, bekommt er 3,50 US-Dollar. Das ist zu wenig, meint er. Auch Soza und seine Kollegen sind mit ihrer Bezahlung nicht einverstanden, die zudem stark schwankt. Fangen sie weniger, bekommen sie weniger. Ihre Kritik richtet sich an die Direktoren der Firmen, die die Meeresprodukte exportieren und damit viel Geld verdienen. Diese würden sich ein schönes Leben machen, "aber wenn wir den Fisch nicht aus dem Meer ziehen, haben sie auch nichts zu essen".
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