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Karlsruhe "Ideologische Altlast": Homosexuelle demonstrierten gegen OB

Die Situation ist pikant: Im Januar verweigerte Oberbürgermeister Heinz Fenrich dem Gemeinderat, über einen Antrag abzustimmen, der gleichgeschlechtlichen Paaren die Türen zum Standesamt öffnen sollte. Drei Monate später übernimmt Fenrich die Schirmherrschaft für das schwul-lesbische Kulturfestival "Schrill im April". Am Samstag demonstrierten nun über 250 Menschen für "gleiche Liebe, gleiches Recht".

Zahlreiche Redebeiträge auf der Demonstration spiegelten das Meinungsbild vom Januar sehr gut wieder: Die homosexuellen Paare stoßen im Stadtparlament keinesfalls auf taube Ohren, sondern werden von einer breiten Front gehört und unterstützt. 

Grüne, SPD, FDP, Linke und Freie Wähler wollen weiterhin dafür kämpfen, dass homosexuellen Paare ihre Verpartnerung künftig im Haus Solms feiern dürfen und nicht in die Räumlichkeiten des Bürgerservice und Sicherheit ausweichen müssen. Die Linke hat beim Regierungspräsidium zudem Einspruch gegen das Verhalten von Oberbürgermeister Fenrich eingelegt.

Niko Fostiropoulos (Linke) versprach auf der Demonstration, er beabsichtige im Herbst - nach Ablauf der gesetzlichen Frist von einem halben Jahr - den Antrag ein weiteres Mal in den Gemeinderat einzubringen. "Bis dahin hat Herr Fenrich Zeit seine Meinung zu ändern".

Grünen-Sprecher Alexander Geiger, der selbst seit 2006 verpartnert ist, sprach bei der Ungleichbehandlung von "ideologischen Altlasten". Fenrich sei im Rahmen seiner Aufgabe als Oberbürgermeister den homosexuellen Paaren genauso verpflichtet wie den heterosexuellen Bürgern der Fächerstadt.

Für die Sozialdemokraten trat erneut Yvette Melchien auf. Sie sprach bereits im Gemeinderat zum Thema und versicherte: "Wir wollen die Mauern in den Köpfen einreißen." Auch der Freie Wähler Jürgen Wenzel ergriff Partei für die Homosexuellen und verwies auf die besondere Verantwortung der "Residenz des Rechts". Auch FDP-Mitglied Thomas Laschuk unterstützte die Forderungen der Demonstrierenden.

Problemfelder: Fußball und Kirche

"Wir haben schwule Regierungschefs in Berlin und Hamburg, einen schwulen Außenminister und die Moderatorin Anne Will lebt offen mit einer anderen Frau zusammen", resümierte Christian Schwarz von der Piratenpartei. Aber es gebe immer noch Problemfelder, wie Homosexualität im Fußball oder in der Kirche. Besonders schwer hätten es Homosexuelle, die gleichzeitig auch anderen Minderheiten angehören. Das Ziel müsse sein, eine freie und offene Gesellschaft zu schaffen, in der unterschiedliche Lebensentwürfe gleichberechtigt nebeneinander existieren können.

Neben den Vertretern der Parteien ergriffen auch Sprecher der Hochschulgruppe "Querbeet", die Macher von Radio "Rosa Rauschen", und der Lesben- und Schwulenverband Deutschland das Wort. Alle hatten sie eine klare Forderung mit auf den Kronenplatz gebracht: "Herr Fenrich, öffnen Sie die Türen zum Haus Solms. Sie können es jederzeit tun, Sie müssen sich nur trauen!"

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