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Karlsruhe Hochwasserschutz: Gemeinderat gibt grünes Licht für Polder Rappenwört

Einstimmig hat sich der Karlsruher Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag für Bau und Betrieb des Polders "Bellenkopf/Rappenwört" ausgesprochen. Die geplante Hochwasserschutzmaßnahme sei angesichts des Klimawandels und der immer häufiger werdenden Hochwasserlagen notwendig, waren sich die Stadträte einig. Doch nicht alle Fraktionen äußerten sich glücklich über das Projekt.

Zustimmung erhielt das Projekt nahezu uneingeschränkt von der CDU-Fraktion. Die Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz begrüßte den Stand der Planung und nannte den Polder unbedingt erforderlich.

Grüne: "Nichtstun ist keine Alternative"

Die Kosten von rund 60 Millionen Euro bezeichnete sie als "gut angelegtes Geld in ein zukunftsorientiertes Projekt" - besonders angesichts des hohen volkswirtschaftlichen Schadens, der durch 200-jährige Hochwasserlagen, die zukünftig nicht nur alle 200 Jahre auftreten würden, entstehe, und geschätzt rund sechs Milliarden Euro koste. Bedauerlich sei allerdings der Verlust des Wildgeheges, das der Maßnahme weichen müsse. Auch die Höherlegung der Hermann-Schneider-Allee um 2,5 Meter, um auch im Hochwasserfall einen Zugang zu diesem Gebiet zu haben, sei "nicht schön. Aber wir werden damit leben können", versicherte Luczak-Schwarz.

Grüne-Fraktionsvorsitzende Bettina Lisbach betonte, dass ihre Fraktion nach wie vor eine großflächige Dammöffnung beziehungsweise eine Dammverlegung bevorzuge. Jedoch bestehe dringender Handlungsbedarf aufgrund des Klimawandels. "Nichts zu tun ist für uns keine Alternative", sagte Lisbach. Deshalb trügen die Grünen auch eine Planung mit, die nicht unbedingt ihren Vorstellungen enspreche.

Auch sie äußerte sich weniger glücklich darüber, die Herrmann-Schneider-Allee höher zu legen. Das sei ein enormer Eingriff ins bisherige Landschaftsbild. Aus diesem Grund fordere die Fraktion in einem Ergänzungsantrag auch, unter anderem die Notwendigkeit beziehungsweise die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme zu überprüfen. Diesen Antrag lehnte die Mehrheit der Stadträte im Anschluss allerdings ab. Insgesamt stimmten Grünen der Planung aber zu und gaben "schweren Herzens grünes Licht von unserer Seite."

Umfangreiche und teure Aufforstungsmaßnahmen

Ute Müllerschön von der SPD nannte die Hochwasserschutzmaßnahme einen "gravierenden Einschnitt in ein wunderschönes Naherholungsgebiet" - zumal Karlsruhe nicht direkt davon profitiere, sondern eher Städte wie Mainz oder Köln. Dennoch müsse die Stadt den hohen Preis bezahlen, der mit der Maßnahme einhergeht. Sie kündigte an, dass auch die SPD dem Projekt zustimmen würde - allerdings sei dies mit Forderungen verbunden.

So dürfe der Bau des Wasserwerks Kastenwörth nicht gefährdet werden, da die Wasserversorgung der Stadt am wichtigsten sei. Wegen des großen Eingriffes in die Natur seien außerdem erhebliche Ausgleichsmaßnahmen nötig. Beispielsweise müssten Aufforstungsmaßnahmen sehr umfangreich sein und würden deshalb sehr viel Geld kosten. Zwar sei die Renaturierung der alten Rheinauen aus Müllerschöns Sicht erfreulich, allerdings müssten dann zahlreiche Tiere und Pflanzen, die nicht mit den regelmäßigen Überflutungen zurechtkämen, umziehen.

Fischer: "Gigantische Baumaßnahme" ähnlich der Kombilösung

KAL-Stadtrat Eberhard Fischer nannte den Polder eine "gigantische Baumaßnahme", die kombilösungsähnliche Ausmaße annehmen werde. "Das muss aber so sein", findet er. Wie Müllerschön machte er darauf aufmerksam, dass das Projekt eigentlich andere Gemeinden schütze. Deshalb gelte es aus seiner Sicht die Planungsbehörde zu fragen, wo Karlsruhe bei einem Dammbruch oder ähnlichen Ereignissen massiv gefährdet sei.

Bis mit dem Bau des Polders begonnen werden könne, wird wohl noch einige Zeit verstreichen. Zunächst müsse die Planung weiter vorangetrieben werden. Die Stellungnahmen der städtischen Ämter und Gesellschaften sollen dabei im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt und eingebracht werden.

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