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Karlsruhe Hitlers "Mein Kampf": Karlsruher Läden verkaufen Buch nur auf Nachfrage

70 Jahre lang war Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" nicht in deutschen Buchhandlungen erhältlich. Seit Beginn dieses Jahres ist das jahrzehntelang verbotene Buch wieder als kommentierte Ausgabe verfügbar. Deutschlandweit ist der Ansturm auf das Buch trotz vielfacher Kritik groß - in Karlsruhe scheint der große Run allerdings auszubleiben.

Hitlers "Mein Kampf" kommt 70 Jahre nach dem Tod seines Verfassers im Januar 2016 in die Buchläden. Der Grund: Die Regelschutzfrist des Urheberrecht ist ausgelaufen. Nach seinem Selbstmord und dem Zusammenbruchs des NS-Regimes in 1945 übertrugen die alliierten Siegermächte die Rechte an Hitlers Buch an den Freistaat Bayern. Dieser verhinderte mit dem Urheberrecht über Jahre hinweg eine Neuauflage. Am 31. Dezember 2015, 70 Jahre nach Hitlers Tod, sind die Urheberrechte an seiner Schrift nicht mehr in Kraft.

Käufer bieten fast 700 Euro für Hitlers Hetzschrift

Anfang 2016 hat das Institut für Zeitgeschichte der Öffentlichkeit eine wissenschaftlich kommentierte Edition von "Mein Kampf" präsentiert. Die knapp 2.000 Seiten dicke Erstauflage ist zeitgleich im Buchhandel erschienen. Diese soll nun die Auseinandersetzung mit dem Werk ermöglichen: Das Institut beabsichtigt mit der kommentierten Fassung eine Entlarvung Hitlers von Ideologie und stellt diese in seiner kritischen Kommentierung in den Kontext, erklärt das Institut auf seiner Homepage.

Zumindest aus Verkaufssicht ist die Rechnung offenbar aufgegangen: Hitlers Hetzschrift ist international gefragt. Einen Tag vor Erscheinen des Buches war die Erstauflage restlos ausverkauft, so hatte der Focus berichtet. Die ursprüngliche Auflage von 4.000 Stück wurde daraufhin erhöht. Laut aktuellem Stand sind laut der Münchner Heimatzeitung Merkur bereits 17.000 Vorbestellungen eingegangen. Zudem gibt es Anfragen, das Werk zu übersetzen, etwa in Englisch, Französisch oder Italienisch.

Ebay

(Screenshot Ebay)

Bei Ebay laufen derweil Auktionen zum Erwerb der Neuerscheinung im Schnitt von 250 Euro. Der Höchstpreis liegt aktuell bei 685 Euro. Trotz dieses Rekordpreises hat das Angebot aktuell 19 Beobachter. So teuer ist die neuste Fassung des Instituts für Zeitgeschichte nicht: Der eigentliche Preis für die kommentierte Fassung, die sich in zwei Bände gliedert, liegt bei 59 Euro. Und wie gefragt ist das umstrittene Buch in den Karlsruher Buchhandlungen?

"Wir wollen entscheiden, in welche Hände das Buch kommt"

Auf Nachfrage von ka-news bei verschiedenen Karlsruher Buchhandlungen, scheinen die Kunden in der Fächerstadt eher unbeeindruckt. "Die Nachfrage hält sich in Grenzen", so die Karlsruher Fachhandlung "Hoser + Mende KG". Die Vorbestellung bei den Karlsruher Buchhändlern bewegt sich im zweistelligen Bereich.

Wer sich für das Buch interessiert, wird es in den Karlsruher Buchhandlungen aber nicht in der Auslage finden. "Eine gesonderte Präsentation in unseren Buchhandlungen ist nicht vorgesehen. Das Buch ist nicht in den Buchhandlungen vorrätig", erklärt beispielsweise die Pressestelle der Buchhandlung Thalia. Das Buch sei nur auf Bestellung erhältlich. Die Buchhandlung am Kronenplatz geht einen Schritt weiter: "Wir wollen entscheiden in welche Hände das Buch kommt, deswegen geben wir es nur an Kunden, die wir kennen."

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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