Heute Käßmann, gestern Wiesheu: Zweierlei Maß
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Ein Einwurf von Denis Elbl - Einen über den Durst getrunken und dabei den "Lappen" verloren zu haben dürfte bei den wenigsten Männern in einer vergleichbarer Position wie Margot Käßmann einen schwerwiegenden Karriereknick nach sich ziehen. Der zurückgetretenen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde nicht in erster Linie ihre Alkoholfahrt zum Verhängnis, sondern der Umstand, dass sie eine Frau ist, noch dazu eine geschiedene.
Erinnert sich noch jemand an den CSU-Politiker Otto Wiesheu, der bei einem Unfall im Suff (1,75 Promille) einen Menschen tötete? 1983 war das, und Wiesheu hatte noch bis 2005 verschiedene Parteiämter inne. Mehr noch: Unter Edmund Stoiber wurde der wegen grob fahrlässiger Tötung rechtskräftig zu zwölf Monaten auf Bewährung und 20.000 DM Geldstrafe Verurteilte bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr und Technologie.
Dass Wiesheu als Mitglied einer sich aus christlichem Selbstverständnis definierenden Partei in Amt und Würden bleiben, ja gar Verkehrsminister werden konnte, hatte wohl damit zu tun, dass entscheidende Parteifreunde schützend die Hände über ihn hielten. Diesen Rückhalt aus den eigenen Reihen hat Margot Käßmann offenbar nicht gespürt. Im Gegenteil, ob ihrer kritischen Wortmeldungen zu gesellschaftlichen wie politischen Themen und in ihrem Bemühen um eine moderne evangelische Kriche hat sie sich inner- wie außerhalb der evangelischen Kirchen bei Manchen unbeliebt gemacht.
Mir drängt sich aber noch ein anderer Verdacht auf: Männern werden "moralische Verfehlungen" immer noch eher nachgesehen als Frauen. "Geschieden, vorlaut und jetzt fährt sie auch noch besoffen Auto", wird vielleicht der eine oder andere Reaktionär im Stillen gedacht haben.
Ganz klar, die Alkoholfahrt ist nicht schönzureden. Was bei derlei passieren kann, zeigt das Beispiel Wiesheu. Aber dieses Vergehen geht auf das Konto der Privatperson Margot Käßmann - was eigentlich ist der Bischöfin und Vorsitzenden der Evangelischen Kirche vorzuhalten? Otto Wiesheu kam 1983 genau so aus seiner Affäre raus. Ich persönlich bedaure, dass Käßmann dies nicht gelingen konnte.
Mehr zu: "Margot Käßmann" EKD Rücktritt
- (1075 Beiträge) | 24.02.2010 17:21ganz toller Vergleich, Herr Elbl!heute und das Jahr 1983!
war da nicht auch noch irgend so ein Vorfall aus dem Jahre 1957 den wir hinzuziehen können... (*augenrollen*) - (2227 Beiträge) | 24.02.2010 17:25Aberim Gegensatz zu ihr war Wiesheu niemand der staendig den Leuten moralische Vortraege hielt und da liegt das Problem.
Menschen wie sie muessen sich strengeren Masstaeben unterwerfen, das steht wohl ausser Frage. - (656 Beiträge) | 24.02.2010 19:46Und?Hat er nicht? Ich würde mir wünschen, Herr Wiesheu hätte Autofahrern als Verkehrsminister ins Gewissen geredet, nicht dem Alkohol zuzusprechen...Welche Maßstäbe sollte man denn bei einem Verkehrsminister anlegen in einem solchen Fall? Oder viel allgemeiner: Bei einem Menschen, der als Volksvertreter demokratisch legitimiert sein soll, staatstragende Funktionen auszuüben? Darf, ja, muss ich da nicht noch schärfere Maßstäbe anlegen?
- (1014 Beiträge) | 24.02.2010 17:40Zum Gegensatzmeiner Vorschreiber gebe ich Dir Recht. Da wird in zweierlei Maßen gemessen.
- (6849 Beiträge) | 24.02.2010 17:49Auf den Punkt gebracht! Bravo!
Zitat von Denis Elbl
Mir drängt sich aber noch ein anderer Verdacht auf: Männern werden "moralische Verfehlungen" immer noch eher nachgesehen als Frauen. "Geschieden, vorlaut und jetzt fährt sie auch noch besoffen Auto", wird vielleicht der eine oder andere Reaktionär im Stillen gedacht haben.
- (651 Beiträge) | 24.02.2010 22:55....
- (782 Beiträge) | 24.02.2010 18:06Ohne ÜberschriftOb Mann oder Frau, ob geschieden oder verheiratet ist für eine Qualifkation eines hohen Posten völlig unwichtig.
Die Kompetenz der Position spielt eine Rolle und dazu gehört das Verhalten. Wer mit 51 Jahren sich jugendlich verhält und gleichzeitig auch noch in Öffentlichkeit und so ein Fehler macht, der musst den Posten räumen. - (1533 Beiträge) | 24.02.2010 18:28Ja, sehr schade...obwohl ich mit Kirche garnichts am Hut habe, finde ich es sehr bedauerlich, dass Frau Käßmann nun nicht mehr gewissen Themen ihren Stempel aufdrücken kann.
Eine Frau, die eine eigene Meinung und etwas zu sagen hatte, auch wenn es vielen unbequem gewesen sein sollte. Hoffentlich landet sie nicht auf dem Scheiterhaufen der Stammtischtheoretiker und bekommt trotzdem wieder eine Chance.
Denis Elbl's Ansichten teile ich ungekürzt. - (4331 Beiträge) | 24.02.2010 18:361983Die Zeiten ändern sich oder wir uns in den Zeiten, wobei ich zum letzteren tendiere.
So etwas wie Wiesheu wird es in 2010 sicherlich nicht geben. - (4352 Beiträge) | 24.02.2010 19:02Trinkfeste PolitikerSowas gibt es heute schon noch: Politiker, die erklären, daß man nach 2 Maß auf den Wiesen noch fahrtauglich ist.
Schade, das diese Frau zurückgetreten ist. Vermutlich hatte sie keine andere Wahl, die Beschädigung des Amtes wäre wohl zu groß gewesen. Vielleicht war das einigen auch ein willkommener Anlass, den Stuhl ganz abzusägen.
Ich hoffe, Frau Käsmann bekommt ihr Alkoholproblem in den Griff. Dann hätte diese Geschichte wenigstens noch etwas Gutes. - (1556 Beiträge) | 24.02.2010 20:30Der .....Rücktritt ist reiner Selbstschutz - der Druck von aussen würde beie einem Verbleib in diesem Amt ins Unermessliche steigen. Zudem sidn öffentliche Personen immer einer anderen moralischen Focussierung unterworfen, als es beim gemeinen Volk ist.
Und 1,5 Promille bekommt ein Alkohollaie nicht unbedingt ohne Übung hin - besonders wenn er sich dann als "fahrtauglich" einstuft und loseiert .
Einfach mal unten nachschaun, welche Mengen Alk für den Promillewert notwendig sind - ich habe mal Annahmen wie 55kg / 165cm Körpergrösse / 51 Jahre alt / 180 Minuten Zeit um 1,54 Promille zu erreichen eingegeben
http://www.blutalkohol-homepage.de/Promillerechner.php?sex=w&kgewicht=55&kgroesse=165&alter=51&cziel=1%2C54&azeit=180&rechne=Rechnen - (651 Beiträge) | 24.02.2010 23:06....Wow , ich müsste nach dieser Art von Berechnung im Zeitraum von 180 min schon 2, 8 Liter Bier saufen... Ist also doch schon ne ganze Menge. Ich fahr schon nach nem halben Liter Bier kein Auto mehr, sondern lass dann meiner "Regierung" den Vortritt
- (813 Beiträge) | 25.02.2010 12:36nein -heutzutage fährt man(n) sogar mit 0,0 promille andere skifahrer über den haufen/ zu tode und klebt trotzdem an seinem amt ...
- (2849 Beiträge) | 24.02.2010 18:43Meine Rede.......Herr Elbl, das predige ich schon seit zwei Tagen. Für mich ist diese öffentlich Hinrichtung von Frau Käsmann - auch von ka-news-lesern unerträglich. Nun hat man die Kreuzigung, ein paar Wochen vor Karfreitag. Und alle können sich das nächste Opfer suchen. Und an den "ein Berliner: ja, einen fall aus dem Jahre 1983, bei dem sogar Todesopfer gab, darf man, kann man und muss man mit dem Fall aus dem Jahre 2010 vergleichen. Ist ja auch toll: man darf Verkehrsminister werden, obwohl man jemanden über den Haufen gefahren hat. Aber das Oberhaupt einer Kirche darf man nicht bleiben, wenn man mit 1,54 Promille bei rot über die Kreuzung fuhr. Schöne Doppeltmoral. Und wenn die Annahme stimmt, dass es auch eine Rolle spielt, dass Frau Käsmann eine Frau ist, dann ist das der größere Skandal. Da kann man Frauen eigentlich nur davon warnen, höherer Ämter anzustreben. Die Männer wollen dies auch im jahre 2010 noch nicht.
- (1533 Beiträge) | 24.02.2010 18:5780'er dein Kommentar...bringt es auf den Punkt.
Aber leider leiden auch in diesem Forum einige unter der größten Geissel der Menschheit, der D...heit. - unbekannt(666 Beiträge) | 25.02.2010 07:17An 80 er:Falls ich nun zu denen zählen sollte die Frau Käßmann öffentlich hingerichtet haben sollen, weil ich an die Vorbildfunktion in dem Amt appellierte: Ich empfinde es nicht als öffentliche Hinrichtung, wenn eine Alkoholfahrt bekannt wird. Hätte man es etwa verschweigen und unter den Tisch kehren sollen? Häme hatte ich weg gelassen, die muss auch nicht sein, da stimme ich zu.
Wäre ich Alice Schwarzer hätte ich im offenen Brief geschrieben: Gut, dass sie konsequent sind. Wir müssen den Männern nicht alles nachmachen. Die sollten von uns lernen. Ich wünsche mir, dass ihr Rücktritt Maßstab für die Männer wird, die „kleine“ Sünden schon lange mit eingebaut haben in ihre Ämter. (und sei es sogar Kinder zu schänden) - (2849 Beiträge) | 24.02.2010 18:59Schreibe es.....ruhig aus: der Dummheit....
- (53 Beiträge) | 24.02.2010 19:20richtig kasparhauserunser bundestagsvize herr thierse redet auch immer von moral kassiert aber gleichzeitig monatlich 3000 € von uns steuerzahlern als aufwandsentschädigung für die abgeordneten die nicht in berlin sesshaft sind er aber wohnt schon immer in berlin soviel zu moral.
- (1075 Beiträge) | 24.02.2010 19:36IAls erstes mal ist der Artikel bestes „Bildzeitungsniveau“!
Auch gab es nach meinem Empfinden kein öffentliche Hinrichtung – dass über so etwas berichtet wird und das Thema einige Tage aktuell bleibt, sollte ja wohl nicht verwundern!
Eine öffentliche Rücktrittforderung hab ich auch nicht gehört – im Gegenteil – der Kirchenrat (oder wie die sich nennen) hat ihr da „öffentlich“ das Vertrauen ausgesprochen!
Letztlich die Konsequenz hat Frau Käßmann gezogen - und das respektiere ich auch voll und ganz – alles andre, was hinter den Kulissen abgelaufen ist/sein könnte ist/wäre nur Spekulation!
und zu dem schönen Vergleich von anno damals – erstens mal sind Politiker ja weiss Gott kein Massstab für öffentliche Moral, für Sitte und als Vorbildfunktion – im Gegensatz zu dem Amt, was Frau Käßmann inne hatte. - (6849 Beiträge) | 24.02.2010 19:59Aber sehr wohl




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