Karlsruhe Guter Ton, böser Ton: eine Musiktheorie aus Karlsruhe

Wer kennt das nicht? Eine dramatische Szene in einem Film und die Musik im Hintergrund macht das ganze so richtig schön aufregend. Doch: Wieso berührt uns Menschen Musik überhaupt? Darauf glauben Daniela Willimek, Dozentin für Klavier an der Musikhochschule Karlsruhe und ihr Mann Bernd, freier Musiker, nun eine Antwort gefunden zu haben.

Bislang, so Daniela Willimek, sei der Zusammenhang zwischen Musik und Gefühlen in der Musiktheorie unzureichend erklärt worden. Mit der "Strebetendenz-Theorie" sei es nun erstmals gelungen, eine theoretisch fundierte Verknüpfung zwischen musikalischen Harmonien und Gefühlen zu schaffen. Doch was war doch gleich eine Harmonie? Die Dozentin für Klavier frischt für alle Laien das Schulwissen noch einmal auf: "Harmonien sind bestimmte Bausteine in der Musik, zum Beispiel Dreiklänge".

Das Ehepaar wollte quantitativ belegen, dass musikalische Harmonien von Menschen mit ziemlich hoher Übereinstimmung gleich empfunden werden. Mit ihrem 15-minütigen Musiktest in Märchenform, an dem schon mehr als 1.600 Probanden teilgenommen haben, ist ihnen genau das gelungen. Den einzelnen Märchenszenen sind jeweils Gefühle zugeordnet, zum Beispiel Staunen oder Einsamkeit. Die Probanden mussten dann aus zwei Musikbeispielen entscheiden, welches besser zu dem Gefühl passt.

Phänomen auch in anderen Teilen der Welt zu finden?

Zu 86 Prozent haben sich die Teilnehmer für dasselbe Musikbeispiel entschieden, und zwar so, wie die Willimeks es vermuteten. Die Tests wurden mit Einzelpersonen und größeren Gruppen, Erwachsenen und Kindern, Musikexperten und -laien durchgeführt. Viele Schulen in Baden-Württemberg  und später ganz Deutschland haben daran teilgenommen. Sogar die Regensburger Domspatzen waren schon Probanden. "Die Leute machen begeistert mit", so Daniela Willimek.

Nun wollen die beiden Musiker weiter forschen und erfahren, ob die Verknüpfung von Musik und Gefühlen auf anderen Teilen der Erde in gleicher Weise ausgeprägt ist, wie in unseren Breitengeraden. Derzeit laufen Anfragen in Rio, Sydney, Stockholm und Helsinki. Das Märchen wird außerdem gerade auf japanisch übersetzt und soll bald Schülern vorgestellt werden, die keine Berührung mit der europäischen Kultur haben.

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