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20.03.2016 06:43
 
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Gewalt in Karlsruher Haushalten: "Nicht wegsehen!" [15]

(Symbolbild)
Bild:dpa

Karlsruhe (Melanie Nees) - Häusliche Gewalt ist ein Schreckgespenst, das in Karlsruhe zahlreichen Frauen und auch Männern auflauert. "Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt hat sich 2015 auf einem hohen Niveau eingependelt", so Oberbürgermeister Frank Mentrup bei einer Pressekonferenz zum Karlsruher Projekt "Häusliche Gewalt überwinden". Dazu kommt offenbar eine hohe Dunkelziffer - insbesondere, wenn Männer die Opfer sind.
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"Häusliche Gewalt überwinden", das ist ein Karlsruher Gemeinschaftsprojekt und gleichzeitig eine Interventionskette. Diese beginnt meist bei der Polizei, über die Stadt Karlsruhe mit dem Ordnungsamt, ihrer Sozial- und Jugendbehörde und der Gleichstellungsbeautragten Annette Niesyto als Federführerin, bis hin zu Beratungsstellen freier Träger, Frauenprojekten und in den schlimmsten Fällen - etwa, wenn die Polizei Annäherungsverbote anordnet - sogar den Karlsruher Gerichten. Das Projekt zur kommunalen Kriminalprävention läuft bereits seit dem Jahr 2000.

222 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt im Jahr 2015

Während in den ersten drei Jahren nach Start des Projekts die Fälle von häuslicher Gewalt in Karlsruhe kontinuierlich abnahmen, zeigt sich seit 2004 ein ständiges Auf und Ab. Im Falle von 2015 ist es ein deutliches Auf. Innerhalb des vergangenen Jahres gab es im Stadtgebiet Karlsruhe insgesamt 222 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt. Das sind 23 mehr als noch 2014 und 29 mehr als 2001, dem ersten Jahr nach Projektstart.

Entweder hätten sich mehr Betroffene getraut, die Polizei einzuschalten oder es habe tatsächlich mehr Fälle gegeben, kommentiert Annette Niesyto, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Karlsruhe bei der Pressekonferenz. So oder so gebe es eine hohe Dunkelziffer, die nach Einschätzung von Niesyto etwa beim Dreifachen von den 222 von der Polizei eingegangenen Fällen liegt.

Sind nur Frauen Opfer?

Nicht immer liegen die Dinge so eindeutig: "Gegenseitige Gewalt ist meinem Eindruck nach der häufigste Fall", so die Gleichstellungsbeauftragte. Konkrete Zahlen gebe es dazu nicht. Der Fall, dass lediglich die Frau gewalttätig gegenüber dem Mann ist, sei jedoch der seltenste. "Da ist die Dunkelziffer aber viel größer. Kaum ein Mann wird seine Frau anzeigen und zugeben, dass er von ihr geschlagen wurde", wirft Hans-Peter Menke von der Männerberatungsstelle bei Gewalt im sozialen Nahraum ein Die Stelle ist ebenfalls Teil des Projektnetzwerkes. Es sei gesellschaftlich viel eher akzeptiert, wenn eine Frau wegen häuslicher Gewalt Anzeige erstattet.

"In der Regel weigern sich Männer, Angaben zu machen, obwohl sie offensichtlich verletzt sind", berichtet auch Gerhard Heck, Kriminaldirektor beim Polizeipräsidium Karlsruhe. Er sieht jedoch generell eine hohe Hemmschwelle, wenn es darum geht, wegen häuslicher Gewalt Anzeige zu erstatten. 

"Nicht wegsehen!"

Oberbürgermeister Mentrup appelliert an Nachbarn, Freunde und Kollegen von Betroffenen und alle anderen Bürger: "Sie sollen nicht wegsehen und weghören, wenn sie von einem Fall erfahren, sondern einen Hinweis an die zuständigen Stellen geben." Wird die Polizei eingeschaltet, schreite sie ein, informiere das Ordnungsamt und in bestimmten Fällen auch die Justiz und verweise die Opfer und auch die Täter an das Netzwerk des Karlsruher Präventionsprojekts, wie Kriminaldirektor Heck berichtet.

"Die Polizei ist nur die erste Instanz. Die Opfer müssen wissen, an wen sie sich wenden können, damit sie sich wieder sicher fühlen", so Heck. In den wenigsten Fällen höre Gewalt von alleine auf und sie gehe häufig auf jahrelang schwelende Konflikte zurück, meint auch die Gleichstellungsbeauftragte Niesyto. Die Zahl der Wiederholungstaten stieg von 2014 um elf Fälle auf 49 im Jahr 2015 an.

So geht es weiter

Um angemessen auf die gestiegenen Fallzahlen zu reagieren, will die Projektgruppe gemeinsame Fortbildungen auf den Weg bringen und ihr Vorgehen weiterentwickeln. Das kann sich aufgrund begrenzter Projektressourcen jedoch bis 2017 ziehen. Unter www.karlsruhe.de/b4/stadtverwaltung/gleichstellung/hg/ finden Betroffene aus Karlsruhe Infobroschüren und Ansprechpartner aus dem Netzwerk des Projekts. 

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Kommentare [16]
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  • (115 Beiträge) | 21.03.2016 17:11
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    wie
    +++ Das Posting ist themenfremd und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  • (139 Beiträge) | 20.03.2016 18:51
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    Mich würde einfach
    Mich würde einfach mal nur interessieren,
    Warum man heiraten sollte, bringt doch langfristig gesehen nur Ärger.
  • (88 Beiträge) | 20.03.2016 22:08
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    Liegt an
    Hormonausschüttung...
    Und schon Friedrich Schiller wusste:
    Drum prüfe, wer sich ewig bindet/Ob sich das Herz zum Herzen findet!/Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
    zwinkern
  • (1402 Beiträge) | 21.03.2016 07:16
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    Ich modifiziere:
    Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
    Ob sich nicht doch was Bess´res findet! grinsen
    Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
  • (8572 Beiträge) | 21.03.2016 14:32
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    oder:
    Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie.

    Wobei ich nicht verstehe, warum nicht heiraten etwas mit dem Thema häusliche Gewalt zu tun hat. Ich meine fast, dass das sogar ohne Trauschein ginge.

    Das Problem sind nicht übereinstimmende Vorstellungen:
    - Frauen wollen wie Prinzessinnen einen King heiraten
    - Männer wollen lieber eine Mami (für die Aufzucht eigener Kinder) und Mami gab es schon als Büble umsonst.
  • (88 Beiträge) | 21.03.2016 23:02
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    Männer wollen lieber eine Mami
    Oh oh ... ? So können nur Frauen in einem gewissen Reifegrad reden...
    Hast Du ein paar weltbewegende Kleinigkeiten schon vergessen ... ?
    zwinkern
    .
  • (1453 Beiträge) | 20.03.2016 18:08
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    Und von Kindern redet niemand
    Auch da ist die Dunkelziffer hoch
  • (137 Beiträge) | 20.03.2016 12:50
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    gewalt
    ja die dunkelziffer ist groß, auch männer werden opfer von gewalt, körperlich und psychisch, das braucht keiner kleinreden, ich hatte es erlebt von meiner mutter und zweiten ex-frau...
  • (139 Beiträge) | 20.03.2016 22:58
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    gewalt
    Lese ich das richtig Du hast eine zweite Exfrau?
    Wer das zweite mal heiratet hat die erste Scheidung nicht verdient.
  • (137 Beiträge) | 21.03.2016 13:38
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    gewalt
    dein schreiben hilft keinem weiter
  • (139 Beiträge) | 21.03.2016 13:51
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    gewalt
    dein schreiben hilft keinem weiter

    War auch nie meine Absicht
  • (88 Beiträge) | 21.03.2016 23:09
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    So wenig Empathie
    sagt auch allerhand aus ...
  • (885 Beiträge) | 20.03.2016 16:41
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    Mich würde einfach
    mal nur interessieren, warum man das nicht vor einer Eheschliessung merkt (oder fängt es erst danach an) und warum man sich das so lange bieten lässt. Früher als Männer ihre Frauen verdroschen haben, blieben diese Frauen oft wegen der Kinder und weil sie selbst keine Ausbildung hatten beim Ehemann. Aber heute? Das muss man doch nicht mehr aushalten müssen. Notfalls gibt es ein Frauenhaus und ich glaube mittlerweile gibt es für Männer auch Anlaufstellen.
  • (137 Beiträge) | 21.03.2016 13:43
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    gewalt
    avatar es ist nicht möglich als kind da was zu tun bei der eigenen mutter, eine frische ehe, da merkte ich es erst nach einem jahr, ich hatte in dieser zeit viele probleme dazu, gewalt find ich gar nicht toll, ich versuche es ohne schlagen, heute habe ich noch mit zu kämpfen...
  • (885 Beiträge) | 21.03.2016 17:56
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    Verstehe ich
    vollkommen und mir tut auch jeder leid, der so etwas erleben muss. Mein Vater war noch von der alten Garde und es gab genug Kloppe bis wir zu alt waren dafür. Aber für mich war danach immer klar, mich schlägt nie wieder jemand.
    Ich hoffe, Ihnen geht es jetzt besser und Sie merken die Anzeichen wenn ein neuer Partner auch wieder so drauf sein sollte und gehen dann sofort.
  • (290 Beiträge) | 21.03.2016 13:37
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    Leider ist es so,
    dass man das jemandem, der das nicht selbst erlebt hat, nicht erklären kann. Es ist kein rationales Vorgehen sondern es spielt da einiges an Irrationalität, Angst, Minderwertigkeitskomplexe, psychischer Druck eine Rolle.
    Hat man den Weg aus so einer Beziehung heraus gefunden und verarbeitet, kann man es sich selbst nicht mehr erklären... traurig
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