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02.08.2011 03:05
 
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Gesichtserkennung im Wildpark: Was wusste der KSC? [58]

Karlsruhe (mda) - Nach Fanprotesten wurde ein für das DFB-Pokalspiel des Karlsruher SC geplanter Test zur automatischen Gesichtserkennung im Wildparkstadtion abgesagt. Der Datenschutzbeauftragte Baden-Württembergs bezweifelt, dass es für einen solchen Test überhaupt eine Rechtsgrundlage gebe. Der KSC teilt mit, die Tests seien vom Verein nie genehmigt worden. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) widerspricht: Sehr wohl sei der Verein eingeweiht gewesen.

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Nach Fanprotesten wurde der geplante Test abgesagt.
Foto: (Archiv)

"Es ist nicht in Ordnung, dass jetzt so getan wird, als habe es keine Absprachen mit dem KSC gegeben", bemängelte Professor Rainer Stiefelhagen, Projektleiter am KIT, gegenüber ka-news. "Wir haben kein Interesse daran, etwas heimlich zu tun", so der Wissenschaftler. Die Tests seien in Absprache mit dem KSC geplant worden. Die aktuellen Reaktionen des Vereins seien daher "befremdlich".

War der KSC informiert?

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther erklärte indes gegenüber ka-news, dass das KIT den Verein vor etlichen Wochen über die Überwachungs-Pläne sporadisch informiert habe. Allerdings habe er eindeutig klar gestellt, dass erst wenn alle kritischen Fragen zu dem Projekt im Vorfeld geklärt seien, er darüber entscheiden werde, ob er das Projekt genehmige. Die Projektverantwortlichen des KIT hätten zwischenzeitlich wohl mit einem anderen Präsidiumsmitglied Rücksprache gehalten und daraus gefolgert, dass das Projekt genehmigt sei. Dies sei aber zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen, betonte Wellenreuther.

Die Forscher hätten daher ohne Genehmigung in der vergangenen Woche damit begonnen, die Kameras im Stadion zu installieren. Als die Arbeiten bemerkt wurden,  war der Verein überrascht. "Für uns war klar, dass machen wir nicht. Ich habe den Test umgehend stoppen lassen", so Wellenreuther im ka-news-Gespräch. Der Verein werde nach Auffassung Wellenreuthers wohl auch künftig keine Genehmigung für das Projekt erteilen.

Was ist das Ziel der Tests?

Der Datenschutzbeauftragte für Baden-Württemberg, Jörg Klingbeil, sagte gegenüber ka-news: "Ich sehe für einen Einsatz dieser Technik in Deutschland auf den ersten Blick keine Rechtsgrundlage." Klingbeil warte derzeit auf eine Stellungnahme des KIT, um sich ein umfassendes Bild von der Sachlage zu machen. Erst dann könne er ein abschließendes Urteil bilden.

"Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch sehr viele Fragen offen", so Klingbeil. Klar sei, dass Fans nicht für Testzwecke gefilmt werden dürften, ohne im Vorfeld ausreichend darüber informiert zu werden. Auch sei wichtig zu wissen, wer später auf die erhobenen Daten zurückgreife. Und woher stammen künftig die biometrischen Daten mit denen die Gesichter der gefilmten Fans abgeglichen werden, fragt der Datenschützer. Des Weiteren müsse geklärt werden, welches Ziel mit der Technik verfolgt und wo genau sie später angewendet werden soll. Zudem hätte im Vorfeld eine Überprüfung des Projekts durch den Datenschutzbeauftragten stattfinden müssen.

Sicherheitsdienst stellt Technik und Testpersonen

Der Test sei im Vorfeld von einer Anwaltskanzlei aus datenschutzrechtlicher Sicht überprüft worden, erklärte KIT-Forscher Stiefelhagen. Das von Anwälten erstellte Rechtsgutachten habe keine Bedenken offen gelegt, sagte er. Allerdings habe eine notwendige Vorab-Prüfung durch den Landesdatenschutzbeauftragten nicht stattgefunden. Das Gutachten habe darauf aber nicht hingewiesen. "Das ist ein Mangel das Gutachtens", so Stiefelhagen. Derzeit stehe er in enger Absprache mit dem Datenschutzbeauftragen des Landes. Warum wurden die Tests nicht am KIT durchgeführt? "Wir wollten die Technik unter realistischen Bedingungen testen", so Stiefelhagen. Ein Test mit 200 Studenten in der Mensa sei nicht das Gleiche und würde die Ergebnisse verfälschen.

Die Daten hätten nur im Eingangsbereich und im Aufgang des Gästeblocks erhoben werden sollen, erklärte der Professor. Das Filmmaterial sollte gespeichert und ausschließlich für Forschungszwecke verwendet und von Forschern des KIT ausgewertet werden, betonte er. Nach Ende der Forschungsarbeit wären die Daten umgehend gelöscht worden. Beim Praxistest sollten Mitarbeiter von der b.i.g. Gebäude Service GmbH, die im Wildpark als Dienstleister für die Sicherheit zuständig sind, als Testpersonen dienen und von der Software in der Menschenmasse erkannt werden. Der Sicherheitsdienst habe nur die Kamera-Technik und die Testpersonen zur Verfügung gestellt. Das private Sicherheitsunternehmen hätte keinen Zugriff auf die erhobenen Daten gehabt, versicherte Stiefelhagen.

Auch b.i.g.-Geschäftsführer Achim Wolf bestätigte auf ka-news-Anfrage, dass der Sicherheitsdienst weder an der Datenerhebung noch an der Datensammlung beteiligt gewesen wäre. Die Beteiligung der b.i.g.Gruppe als Projektpartner hätte einzig darin bestanden, Technik und Testpersonen zur Verfügung zu stellen. Die Polizei Karlsruhe erklärte zudem auf ka-news-Anfrage, dass sie in die Planungen der Test nicht mit einbezogen war.

Vermutlich auch künftig keine Tests im Wildpark

Beim DFB-Pokal-Spiel am Sonntag wollten Wissenschaftler des KIT eine neue Überwachungs-Technik  zur automatischen Gesichtserkennung testen. Durch die neue Software könnten nach Auffassung des KIT als gewaltbereit bekannte Fußballfans schon am Stadioneingang abgefangen werden. Das würde die Stadionsicherheit deutlich erhöhen, so die Meinung der Forscher. Bei der so genannten "Parallelen Gesichtserkennung in Videoströmen", kurz: PaGeVi, sollen Videobilder binnen sehr kurzer Zeit von einem Computer analysiert und auf bekannte Muster hin durchsucht werden. Dies ist bei Bewegtbildern deutlich aufwendiger als bei einem Foto, da die Erkennung in Echtzeit ablaufen muss.

Für die Tests wollten die Wissenschaftler ab dem 31. Juli bei drei Heimspielen des KSC im Wildparkstadion Daten aufnehmen. Aufgrund heftiger Protesten von Fans, Politikern und Datenschützern wurde der Test kurzfristig abgesagt. Am Dienstag soll es ein Gespräch zwischen dem KIT, der Polizei, dem Verein, Fan-Vertretern und dem Sicherheitsdienst geben. Aufgrund des heftigen Widerstands, werde man nun möglicherweise darauf verzichten, die Tests im Wildparkstadion durchzuführen, sagte Stiefelhagen.

Mehr zum Thema:

KSC-Fans protestieren gegen Gesichtserkennung

KSC-Pokalspiel: Überwachungs-Aktion nach Protesten abgeblasen

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Mehr zu: Karlsruhe KIT Forschung Datenschutz Fußball KSC "Karlsruher SC"

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Kommentare [58]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (2885 Beiträge) | 02.08.2011 06:51
    Vorher-Nachher-Bilder
    -> denn die Nase soll nach erfolgter Gewalt wieder richtig hergestellt werden können.

    Zusätzlich Vorher-Nachher-Videoströme bei Frisur- , Kosmetik- und GewichtsWatchern .
    Plus Eigengeruchserkennung. Billige Rasierwasser-, Duschgelgerüche oder Deos sollten uns auch nie mehr öffentlich belasten dürfen.

    Ironie Ende
  • (132 Beiträge) | 02.08.2011 07:06
    Gesichtserkennung im Wildpark
    Auf grossen Plätzen, im Bahnhof. in der Strassenbahn, am Bankautomat, bei Parteiveranstaltungen, in einigen Discos, etc. also warum nicht auch präventiv im Stadion ?? Wer was zu verbergen hat soll einfach weg bleiben. Der blackout bei Herrn Wellenreuther fängt im Gegesatz zu H.Kohl schon in jungen Jahren an.
  • (2727 Beiträge) | 02.08.2011 07:44
    man fragt sich ja schon
    warum man immer wieder klar machen muss, dass das keine Frage des "wenn ich nicht szu verbergen habe" -Frage ist. Darum geht es nicht.
  • (1326 Beiträge) | 02.08.2011 07:49
    auch du...
    lieber Hartmut gibst mir bitte mal deine Logindaten für dein Onlinebanking oder deine Kontoauszüge... zu verbergen hast du schlieslich nix. Am besten hier posten... wird auch keiner reinkucken weil es eh niemanden interessiert.... denn du hast ja schlieslich nichts zu verbergen...
  • (98 Beiträge) | 02.08.2011 07:57
    Als nächstes dann
    Gesichtserkennung bei allen Demonstrationen. Außerdem könnte man dann ja gleich die Passfotos aus den Personalausweisen in einer zentralen Datei ablegen. Dann nur noch Passbilddatei mit den Videoaufnahmen der Demos abgleichen und schon hätte der Staat eine schöne Liste an "subversiven Elementen". Natürlich ist das überspitzt, aber technisch machbar wäre es und daher: Wehret den Anfängen.
  • (1326 Beiträge) | 02.08.2011 08:04
    nicht nur...
    biometriedatei, passbilddatei, gendatei, irisdatei, fingeabdruckdatei... man könnte so viele verbrechen aufklären.... dabei auftretende kolateralschäden? ach was, hauptsache wir sind sicher... und wir haben ja nix zu verbergen.... hauptsache wir sind nicht selbst einer dieser kollateralschäden... ja dann wirds unlustig grinsen (leider dürfte es dann zu spät sein zu schreien zwinkern)
  • (1034 Beiträge) | 04.08.2011 02:30
    naja,...
    es ist ein forschungsprojekt und keine situation, in der tatsächich daten von besuchern mit vorhandenen datein abgeglichen werden.

    ich würde mich dafür zur verfügung stellen, auch im ksc-trikot und finde es sogar vertretbar wenn gewaltbereite und auffällige stadionbesucher (keine fussballfans) am eingang aussortiert werden würden und nicht mit stadionverbot o.ä. einfach durchspazieren!

    überwacht werden wir sowieso überall (klar, kein grund noch mehr zu installieren) aber hierbei werden ja lediglich daten mit bestehenden datenbanken verglichen und nicht gespeichert. ergo: das gesicht wird nur gescannt und überprüft. das wars. keine erfassung mit datenbank usw.

    blöd nur, dass alle beteiligten gerade etwas schlecht dastehen. ich vertehe nicht, dass sich da überhaupt jemand offiziell über die vorgänge und absprachen äußert, wer denn nun der schwarzer peter ist. so schiebt es uni auf den ksc und ksc auf die uni.. beides unglaubwürdig!
  • (145 Beiträge) | 02.08.2011 07:45
    Unprofessionell
    Schlecht vorbereitet, politisch den Schwanz eingezogen!
    In Wahrheit handelt es sich eh um ein System den Paule herauszufiltern umIhn ins alte Klohäuschen zu sperren wenn er mal wieder auftaucht. Von daher eigentlich ein zu begrüßendes System mit echtem Mehrwert.
  • (2952 Beiträge) | 02.08.2011 11:13
    um ein System den Paule herauszufiltern um Ihn ins alte Klohäuschen zu sperren wenn er mal wieder...
    um ein System den Paule herauszufiltern um Ihn ins alte Klohäuschen zu sperren wenn er mal wieder auftaucht...

    grinsen dass wäre ja sehr geil...

    ...hihi,....dann bin ich auch für Gesichterkennungsschwachsinnsaktion(ACHTUNG,....ist alles nur Satire)
  • (2849 Beiträge) | 02.08.2011 08:33
    Wen ich....
    ....solche Sätze schon höre: "Der Datenschutzbeauftragte Baden-Württembergs bezweifelt, dass es für einen solchen Test überhaupt eine Rechtsgrundlage gebe" dann frage mich, wie weit her es denn mit den Rechtskenntnissen des Datenschutzbeauftragten sind. Endweder es gibt eine Rechtsgrundlage für solche Versuche oder nicht. Und wenn man es nicht genau weiß, dann schaut man nach und hält so lange sein Fresse.
  • (238 Beiträge) | 02.08.2011 09:01
    80er
    Vielleicht liegt es daran, daß die entsprechenden Gesetze und Vorschriften wissentlich schwammig formuliert wurden.
  • (2849 Beiträge) | 02.08.2011 09:56
    Entschuldige...
    ...bitte: im Amt des Landesdatenschutzbeauftragten gibt es einige Juristen, die Gesetze interpretieren können. Die Ausrede "schwammige Formulierungen" lasse ich bei einer Landesbehörde nicht gelten.
  • (1326 Beiträge) | 02.08.2011 12:47
    du vergisst daß jouristen
    eigentlicnu nur 3 aussagen zu vielen dingen kennen.

    1. Das kann man so oder so sehen
    2. Das kommt darauf an

    und last but not least

    3. das werden die Gerichte in einigen Jahren entschieden haben

    zwinkern))
  • (1479 Beiträge) | 02.08.2011 14:04
    Du redest aber hier
    von schlechten Juristen. Es gibt auch gute. Und von denen kann man durchaus klare Antworten bekommen
  • (1326 Beiträge) | 02.08.2011 14:40
    kommt darauf an ;))))
    Recht ist nunmal oft interpretationssache, da werden gute Anwäte höchstens ihre Rechtsauffassung mitteilen, aber nie etwas als definitiv bezeichnen.
  • (1479 Beiträge) | 02.08.2011 15:30
    Bist du Jurist?
    Ich weiß, was Du meinst, aber Du hast höchstens im Prinzip recht. In den meisten Fällen gibt es Klarheit.
  • (81 Beiträge) | 02.08.2011 16:46
    HAHA
    Gute Juristen kann sich das Land nicht leisten! :-D
  • (95 Beiträge) | 02.08.2011 09:02
    An
    [/b][b]alle Gegner der Gesichtserkenneung.Bei der muss keiner eine gültige E-mail addresse angeben oder hinterlässt eine IP-Nr. geschweige den lässt eine Meinung verlauten wie sie hier zu jedem auch noch so unbedeutsamen Thema abgelassen werden.
    Hauptsache geblöckt
  • (5312 Beiträge) | 02.08.2011 09:40
    hab gerade
    ein paar kommentare von HONKTONK gelesen, wo er die aussagen von IW zu diesem thema als bullshit bezeichnet und als lügner darstellt. ich frage mich, wie können so typen wie honktonk und Co. wissen, also KSC und IW HASSER, dass IW lügt. der kit chef behauptet das eine und der KSC chef das andere. wart ihr dabei? aussage gegen aussage aber ihr wisst genau wer lügt! grinsen wie lächerlich isn das?
    ich denke mal das beide flunkern und keiner die genaue wahrheit sagt. aber so wie ihr es wieder darstellt, weltklasse!
    HONKTONK schon aufgestanden? was arbeitest du nun eigentlich?
  • (383 Beiträge) | 02.08.2011 09:54
    es geht hier
    nicht um Rechtsgrundlage. In dem Artikel geht es schlicht darum, dass der liebe KSC seinen Sch.. einzieht und das Fähnchen schnell in den Fanwind hängen will. Oh bitte liebe Fans, wir haben davon doch gar nichts gewusst, die bösen Menschen gehen einfach ins Stadion und hängen Kameras auf. Guten Morgen die Herren beim KSC. Aber der Präsident war oder ist doch auch Politiker, wenn wundert es....

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