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25.04.2008 17:00
 
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Genfeld [0]

Rheinstetten ps/mia -
Die Besetzung des Versuchsfeldes
(Foto: ka-news)
In Forchheim wurde seit der Nacht auf den gestrigen Donnerstag ein Feld des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) besetzt, auf dem gentechnisch veränderter Mais angebaut werden soll (ka-news berichtete). Nach Zustellung der Räumungsverfügung durch den Gerichtsvollzieher räumten die Demonstranten am heutigen Freitagnachmittag das Versuchsgelände. Die bereitstehende Polizei musste nicht eingreifen.

Die Besetzer hatten zuvor bekannt gegeben, solange auszuharren, bis das LTZ von den Versuchen absehe. Landwirtschaftsminister Peter Hauk bezeichnete die Versuche als "unabhängige Forschung" und warf den Aktivisten vor, durch ihre Aktion gegen "wissenschaftlich, exakt durchgeführte Versuche, die Unwissenheit und Ängste der Bevölkerung zu pflegen". Man führe die Versuche ausschließlich mit gentechnisch veränderten Maissorten durch, die für den Anbau in der EU zugelassen seien. Nur eine freie und unabhängige Forschung könne das Thema versachlichen (ka-news berichtete).

Auch die Anwohner schalten sich ein

Darauf reagierten die Feldbesetzer mit scharfer Kritik: "Lobbyarbeit für Monsanto als unabhängige Forschung zu bezeichnen entbehrt jeder Grundlage", so Matze Fahrer, einer der Besetzer. "Versuchsleiter Jany ist in vielfacher Weise als Lobbyist für die Gentech-Industrie tätig, etwa als Vorsitzender der vom Weltkonzern Monsanto unterstützten Lobbyvereinigung 'Wissenschaftskreis Grüne Gentechnik'" so Fahrer weiter.

Die Gegner befürchten, dass gentechnisch verändertes Saatgut das natürliche verdrängt (Foto: ka-news)

Nun haben sich auch die Anwohner der umstrittenen Versuchsanlage zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief an den Minister für Ernährung und Ländlichen Raum in Baden-Württemberg fordern sie die Einstellung der Versuche mit Genmais und seine Unterstützung gegen das Versuchsfeld. Die Anwohner betrachten ihr Handeln nicht als kriminell oder illegal, sie gehen nach eigenen Angaben vielmehr "berechtigterweise" gegen die Gentechnik vor, um zu verhindern, dass die Landesregierung irreversible Tatsachen schaffe. Sie wollen so lange auf dem Feld demonstrieren wie notwendig. "Wenn nötig, so lange, bis sie keine Gelegenheit mehr zur Aussaat haben. Es sei denn, der Agro-Gentechnik-Anbau des Landes Baden-Württemberg wird endgültig eingestellt", heißt es in dem Brief.

"Schmeck die Gentechnik"

Es sei eine gefährliche Entwicklung, dass bereits auf deutschen Äckern Gen-Raps ausgesät wurde, ohne dass die Bauern darüber Bescheid wussten, welches Saatgut sie da benutzten. Nur die Landesregierung baue unter dem Deckmantel der Risiko- und Abstandsforschung bis zu drei Hektar Gen-Mais der Firma Monsanto an. Abstandsregelungen garantieren aber nicht den Schutz vor Gentechnik, so die Anwohner. Dies könne nur über das Verbot von gentechnisch veränderten Pflanzen und dem Handel mit deren Produkten erreicht werden. Baden-Württemberg stehe für die regionale gentechnikfreie Landwirtschaft und sei ein Land voller kulinarischer Spezialitäten.

Für seine vielfältigen und hochwertigen landwirtschaftlichen Produkte habe es einen sehr guten Ruf bei Freunden des guten Essens. Dieser dürfe nicht so aufs Spiel gesetzt werden. Das Motto müsse weiterhin heißen "Schmeck den Süden" - und nicht "Schmeck die Gentechnik".

"Um festzustellen, dass Gentechnik sich unkontrolliert auskreuzt, braucht man keine weitere Forschung, ein Blick nach Kanada, Mexiko oder in eins der vielen anderen Länder, in denen die gentechnikfreie Produktion von Mais oder Soja inzwischen praktisch unmöglich ist, genügt", erläutert Pia Reufsteck von den Aktivisten. Sie fordern Landwirtschaftsminister Hauk auf, dem Beispiel der Hochschule Nürtingen zu folgen, die kürzlich nach Protesten ihre Versuche mit Monsanto-Produkten einstellte.

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