28  

Karlsruhe Gemüsebeete mitten in Karlsruhe: Die Fächergärtner machen's möglich

Gemüsepflanzen in der Kaiserstraße, ein Kräutergarten am Schloss Gottesaue - klingt utopisch, ist es aber nicht: Die Karlsruher Fächergärtner haben sich nämlich dem "urban gardening" verschrieben und wollen die Stadt mit ihrem "grünen Daumen" aufwerten.

Seit vergangenem November ist der Trend "urban gardening", zu deutsch Stadtgärtnern, auch in Karlsruhe ein Begriff. Unter dem Namen Fächergärtner haben sich etwa 60 Bürger zusammengefunden, die gemeinsam die Stadt verschönern und begrünen wollen.

Beete auf städtischen Grünflächen

"Wir stehen noch ziemlich an Anfang, was unsere Strukturen betrifft", erklärt Anke Kelber, einer der ersten Fächergärtnerinnen in Karlsruhe. "Die meisten Mitglieder haben wir bisher über Mundpropaganda und im Bekanntenkreis gefunden, aber immer mehr Menschen werden auf unsere Hinweisschilder und die Projekte aufmerksam." 

Die Idee hinter dem Stadtgärtnern ist einfach: Auf städtischen Grünflächen legen interessierte Hobbygärtner Beete an, pflanzen Kräuter, Gemüse oder auch Blumen - mit dem Ansinnen, die Stadt schöner zu machen, den Menschen Bezug zur Natur zu vermitteln und natürlich auch, um Nahrungsmittel zu "produzieren". "Erlaubt ist eigentlich alles, außer Bäumen, giftigen oder illegalen Pflanzen", erklärt Kelber. Während es in anderen Städten auch "Guerilla-Gardening" gebe, das Ganze also mehr oder weniger illegal abläuft, sei in Karlsruhe alles vom Gartenbauamt abgesegnet. "Wir erhalten eigentlich von allen Stellen Unterstützung", so Kelber weiter.

So habe die Stadt beispielsweise auch die Pflanzsäcke in der Stadt und die Pflanzen darin zur Verfügung gestellt. Neben dem Projekt in der Kaiserstraße, das aktuell von sich reden machte, gibt es noch zwei weitere Pflanzflächen in der Fächerstadt: in der Weststadt, beim Karlsruher Budo-Club und in der Oststadt gegenüber der Straßenbahnhaltestelle "Schloss Gottesaue" am Marstallgebäude. Aber wenn es nach den Fächergärtnern geht, sollen in nächster Zeit noch weitere "urbane Gärten" hinzukommen. Denn die Gärten sollen möglichst wohnortnah sein, damit Gießen und Gärtnern auch für Menschen mit weniger Freizeit kein Problem darstellen. Schießlich soll das Ganze ja ein Freizeitspaß und kein Stress sein.

Gemüse für alle - eine ganz neue Art der Bürgerbeteiligung

"Die Idee ist tatsächlich, dass sich hier jeder bedienen kann. Kräuter, Gemüse, vielleicht auch Blumen oder Obst - allerdings wäre es schön, wenn die Pflanzen stehen bleiben würden" - es gebe natürlich Fälle, wo ganze Pflanzen herausgerissen, statt nur abgeernet wurden, aber das sei die Ausnahme, erklärt Anke Kelber weiter. "Auch mit Vandalismus haben wir hier in der Oststadt noch keine negativen Erfahrungen gemacht". Allerdings seien einige der Pflanzssäcke in der Kaiserstraße aufgestochen worden. "Schade natürlich, aber vielleicht an dieser Stelle auch nicht ganz unerwartet."

Mitmachen kann eigentlich jeder, an den Stadtgärten stehen Schilder, auf denen die Treffen der Fächergärtner angekündigt werden. "Es wäre schön, wenn die Interessenten da mal vorbeischauen würden, einfach, dass man weiß, wer hier gärtnert", so Kelber. Aber natürlich können Interessierte auch einfach so an den Gärten vorbeischauen und sich dort ihr eigenes Plätzchen suchen. Am Mittwoch beim Treffen in der Oststadt waren gleich mehrere "Neugärtner" dabei: Auch Chloe will ab sofort mitgärtnern. "Ich fahre hier immer mit dem Rad vorbei und habe die Gärten schon oft gesehen, da dachte ich mir, ich komme einfach mal zu einem Treffen und mache mit." Sie habe bisher noch nicht wirklich viel mit Gartenarbeit zu tun, erzähl die Praktikantin. "Aber die Idee ist einfach toll."

Kaum Vandalismus und jede Menge positives Feedback

Und so scheint das "urban gardening" ist Karlsruhe einen echten Boom zu erleben, denn auch die Stadt und sogar das Land, dem ein Teil der Fläche am Schloss Gottesaue gehört, sind begeistert. "Man war wirklich überall von der Idee begeistert", so Anke Kelber. "Selbst der Hausmeister vom Schloss hilft mit, der hat nämlich den Wassertank der Hobbygärtner befüllt, so dass immer ausreichend Gießwasser vorhanden ist. "Die Menschen sind begeistert von der Idee. Auch in der Kaiserstraße mussten wir nur an den ersten zwei Tagen zum Gießen vorbeischauen, mittlerweile haben das die Anwohner übernommen, es ist wirklich toll, das zu erleben." So gibt es dort Minze, Basilikum, Paprika und Tomaten bald zum Mitnehmen, nicht nur für die Fächergärtner. 

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und seinen "grünen Daumen" selbst testen möchte, schaut entweder bei dem Fächergärtner-Treffen, immer mittwochs ab 18 Uhr an der Marstallmauer gegenüber der Straßenbahnhaltestelle "Schloss Gottesaue" vorbei oder informiert sich beim BUZO-Umweltzentrum, Telefon 380575, buzo@umweltzentrum-karlsruhe.de.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (28)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!