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Karlsruhe Gegen den Trend: Einbruchs-Zahlen in Karlsruhe 2015 gesunken

2015 gab es in Deutschland so viele Wohnungseinbrüche wie noch nie. Laut einem Zeitungsbericht stieg die Zahl der Fälle um zehn Prozent und erreichte einen neuen Rekordwert. Eine Stadt tanzt allerdings aus der Reihe: Karlsruhe. Für diese Entwicklung sieht die Karlsruher Polizei mehrere Gründe.

Laut der bundesweiten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland im Jahre 2015 um zehn Prozent gestiegen, wie die "Welt" berichtet. Die Zeitung spricht von einem dramatischen Anstieg auf mehr als 167.000 Fälle.

Karlsruhe tanzt aus der Reihe

Ein Paradies für Diebe ist offensichtlich Hamburg: In der Hansestadt haben Einbrecher rund 20 Prozent öfter zugeschlagen als im Jahr zuvor. Auch in Nordrhein-Westfalen verzeichnete die Polizei laut Zeitungsbericht ein Plus von rund 18 Prozent, in Niedersachsen von zirka 13 Prozent. Insgesamt zeichne sich ein zunehmender Trend ab.

Eine Stadt fällt bei dieser Entwicklung allerdings aus dem Rahmen: Karlsruhe. Im Stadtkreis ist hier entgegen des deutschlandweiten Trends die Zahl der Wohnungseinbrüche gesunken - und zwar um rund 29 Prozent. "Der bereits im Jahr 2014 festgestellte Rückgang der Fallzahlen setzte sich im Jahr  2015 verstärkt fort", so das Urteil in der Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Karlsruhe.

2014 wurden noch 678 Einbrüche registriert, während im Jahr 2015 gerade einmal 481 Diebe ihr Glück an fremden Türen versuchten. Davon scheiterten 241 Einbrüche, was bedeutet, dass in rund 50 Prozent der Fälle die Einbrecher leer ausgingen. Der Grund hierfür ist laut der Polizei Karlsruhe, dass immer mehr Menschen ihre Wohnungen einbruchssicher machen.

Mehr Präsenz und Prävention

Warum kann die Stadt einen deutlichen Rückgang verzeichnen? Ausschlaggebend für die Arbeit der Karlsruher Polizei war das Jahr 2013. In diesem Jahr kam es zu einem drastischen Anstieg der Einbruchskriminalität: Waren es 2012 noch 1.164 Einbrüche im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe, explodierte die Zahl im Folgejahr auf beinahe 2.000 Fälle (1.927).

Der rasante Anstieg im Jahr 2013 von rund 65 Prozent habe die Polizei dazu veranlasst eine "besondere Aufbauorganisation Wohnungseinbrüche" einzurichten, erklärt die Polizei gegenüber ka-news. Neben verstärkten Ermittlungs- und Präsenzmaßnahmen, Einbruchspräventionmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit wurde auch der Datenaustausch zwischen benachbarten Präsidien intensiviert. Das habe zu den sinkenden Einbruchszahlen geführt.

Eine weitere Erklärung für die sinkenden Fallzahlen lieferte die Polizei bereits im Februar: Beim Blick auf die Zahlen zeige sich ein Stadt-Land-Gefälle, so das Polizeipräsidium. Man beobachte, dass Täter seltener in Ballungsräumen und dafür vermehrt in ländlichen Regionen zuschlagen würden. Ein weiterer Wermutstropfen in der Statistik: Die Aufklärungsquote liegt in der Stadt Karlsruhe bei gerade mal 8,5 Prozent und ist im Vergleich zu 2014 um fast acht Prozent gesunken.

"Eine entscheidende Rolle spielt das geringe Entdeckungsrisiko"

Die Karlsruher Polizei will sich auf den sinkenden Zahlen nicht ausruhen. "Festzuhalten ist, dass viele Wohnungseinbrüche durch organisierte Banden verübt werden", so ein Polizeisprecher auf Nachfrage von ka-news. Schwierig gestalte sich der Tatnachweis, der allein mit unseren kriminalistischen Möglichkeiten und bei allen Erschwernissen durch den Datenschutz nicht immer zweifelsfrei zu erbringen sei.

"Eine entscheidende Rolle spielt aber auch das relativ geringe Entdeckungsrisiko, während oder nach einem Wohnungseinbruch erwischt zu werden", so der Pressesprecher weiter, "die Erfahrungen haben gezeigt, dass ein gutes Zusammenspiel von Bürger und Polizei rasche Festnahmeerfolge beschert. Oft sind auf diese Art und Weise schon ganze Tatserien aufgeklärt worden, die zu einem deutlichen Anstieg der Aufklärungsquote geführt haben," sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums.

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