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Karlsruhe Gamer-Demo: "E-Sport ist kein Mord"

Sie wollen für ihre Kultur demonstrieren und nicht als Sündenböcke dastehen, damit die Politik ein Wahlkampfthema hat: Nach der Absage der "Intel Friday Night Game" wurde kurzerhand die "Demonstration für Jugendkultur - Independent Friday Night Game" veranstaltet - über 400 "Gamer" protestierten gestern in der Karlsruher Innenstadt gegen die Dämonisierung ihres Hobbys.

Viele trugen T-Shirts mit Slogans ("Ich wähle keine Spielekiller", "Zensursula" oder "Unerwünscht"), pfiffen in ihre Trillerpfeifen und skandierten "Wir sind keine Amokläufer": Bei der Demonstration gegen das Verbot von PC-Spielen, insbesondere der so genannten "Killerspiele", kamen nach Polizeiangaben weit über 400 Computerspiel-Liebhaber und Sympathisanten in Karlsruhe zusammen.

Nachdem die überwiegend jungen Menschen vom Stephanplatz zum Marktplatz gezogen waren, fand die erste Kundgebung statt. Patrik Schönefeldt vom Team des "Independent Friday Night Game" fragte die Gamer: "Wie will man friedliebende Menschen noch friedliebender machen? Indem man ihr Hobby verbietet?" Es seien eben diese "nicht medienkompetenten Menschen", die versuchen, PC-Spiele aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Spiele klaut."

Sein Mitstreiter Christian Möck forderte die zahlreichen "Zocker" auf, offensiv mit ihrem Hobby umzugehen: "Zeigt euch, gründet Vereine, seid stolz auf das, was ihr macht. Spielt die Spiele mit euren Verwandten!" Dabei klang auch schon ein Schlüsselwort der Veranstaltung und seiner Gründe an: Generationenkonflikt. Sie wollten mit dem Klischee in den Köpfen der Älteren aufräumen, dass Computerspieler die gewalthungrigen "Freaks" sind, als die sie in letzter Zeit dargestellt werden. Dass sie absolut friedlich und aus allen Gesellschaftsschichten sind, bewiesen sie durch die laute aber absolut friedliche Demonstration eindrucksvoll.

Dann zog der bunte Haufen in Richtung Schwarzwaldhalle, begleitet von einer handvoll Polizeibeamter, die später - sich nett mit den Demonstranten unterhaltend - sogar eher in der Menge mitliefen statt sie zu bewachen. Die Demonstranten riefen "E-Sport ist kein Mord" und "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Spiele klaut." Viele Passanten blieben stehen und hakten nach, was hier denn passiert. Einige zogen sogar kurzerhand mit, nachdem sie aufgeklärt wurden.

Jörg Tauss: "Wer das verbieten will, betreibt Primitivpopulismus"

Am Kongresszentrum angekommen, ließen sie die Schwarzwaldhalle, den Ort, wo die E-Sport-Veranstaltung eigentlich an diesem Abend stattfinden sollte, links liegen und versammelten sich vor der aufgestellten Bühne, neben der eine große Leinwand aufgebaut war. Die Veranstalter dankten allen Beteiligten und Norman Schlorke vom IFNG-Team scherzte mit den Anwesenden: "Ihr seid viel zu schnell hier gewesen - was aber beweist, dass Gamer alles andere als faul und unsportlich sind." Auch die Mutter von Schlorke sagte ein paar Sätze, in denen sie vor allem die Eltern der Kinder in die Verantwortung nahm. Denn sie seien es, die sich um ihre Kinder kümmern müssen, die Grenzen und Regeln vorgeben müssen - und nicht der Staat.

Um die Zeit zu überbrücken, bis es dunkel genug war, um auf der Leinwand ein "Showmatch" präsentieren zu können, erzählten die Veranstalter Anekdoten aus ihrer "Gamer-Karriere". Auch Jörg Tauss, der die Veranstalter im Vorfeld beraten hatte, durfte dann zum Mikrofon greifen, obwohl die Veranstaltung "Politiker-frei" bleiben wollte. Doch Tauss sollte eben derjenige sein, der "unsere Stimme nach Berlin trägt".

Tauss prangerte in seinen knappen Worten "diese Form von Bevormundung" an und lobte die Demonstranten für ihr Engagement. "Die Leute, die solche Spiele und die Produktion verbieten wollen, haben keine Ahnung. Das ist Primitivpopulismus, der uns nicht weiterbringt, sondern sogar schadet", erklärte er den Zuhörern und erntete dafür großen Applaus.

"Es gab eben schon immer etwas zu motzen für die Konservativen"

Christian Meyer, einer der "älteren Semester der Zocker", lobte diese tolle Sache, die innerhalb von zehn Tagen auf die Beine gestellt wurde. Und wusste zu berichten: So wie früher der Heavy Metal als "das Böse schlechthin" stigmatisiert wurde, soll nun auch die Gemeinschaft der PC-Spieler als Sündenbock herhalten: "Es gab eben schon immer etwas zu motzen für die Konservativen." Aber es sei durchaus positiv zu zeigen, dass die Jugend sich mobilisiert. Dies sei ein gutes Zeichen für die Zukunft, so Meyer.

Nachdem die Sonne dann tief genug stand, wurde - übertragen auf die Videoleinwand - das "Showmatch" ausgetragen: das Rennspiel "Trackmania Nations" - ein "Killerspiel" wäre verboten gewesen. Die Schwarzwaldhalle lag im Hintergrund, verschlossen und dunkel, doch das kümmerte niemanden. Denn man hatte doch seine Veranstaltung bekommen - vielleicht sogar eine für die Öffentlichkeit wirksamere, als es das ursprüngliche Event gewesen wäre.

Selbstverständlich wurde die Demo bald nach dem Ende auch im Internet diskutiert und die "Communitiy" war bundesweit voll des Lobes für die Aktion. Ein Gästebuch-Eintrag brachte den Sinn und Zweck dann mit einem Bild aus der Sportwelt auf den Punkt: "Super Sache. Ich würde sagen: Gamer - Politiker, Stand: 1:1."

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