Gamer-Demo: "E-Sport ist kein Mord"
[25]
Karlsruhe (lh) - Sie wollen für ihre Kultur demonstrieren und nicht als Sündenböcke dastehen, damit die Politik ein Wahlkampfthema hat: Nach der Absage der "Intel Friday Night Game" wurde kurzerhand die "Demonstration für Jugendkultur - Independent Friday Night Game" veranstaltet - über 400 "Gamer" protestierten gestern in der Karlsruher Innenstadt gegen die Dämonisierung ihres Hobbys.
Viele trugen T-Shirts mit Slogans ("Ich wähle keine Spielekiller", "Zensursula" oder "Unerwünscht"), pfiffen in ihre Trillerpfeifen und skandierten "Wir sind keine Amokläufer": Bei der Demonstration gegen das Verbot von PC-Spielen, insbesondere der so genannten "Killerspiele", kamen nach Polizeiangaben weit über 400 Computerspiel-Liebhaber und Sympathisanten in Karlsruhe zusammen.
Nachdem die überwiegend jungen Menschen vom Stephanplatz zum Marktplatz gezogen waren, fand die erste Kundgebung statt. Patrik Schönefeldt vom Team des "Independent Friday Night Game" fragte die Gamer: "Wie will man friedliebende Menschen noch friedliebender machen? Indem man ihr Hobby verbietet?" Es seien eben diese "nicht medienkompetenten Menschen", die versuchen, PC-Spiele aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen.
"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Spiele klaut."
Sein Mitstreiter Christian Möck forderte die zahlreichen "Zocker" auf, offensiv mit ihrem Hobby umzugehen: "Zeigt euch, gründet Vereine, seid stolz auf das, was ihr macht. Spielt die Spiele mit euren Verwandten!" Dabei klang auch schon ein Schlüsselwort der Veranstaltung und seiner Gründe an: Generationenkonflikt. Sie wollten mit dem Klischee in den Köpfen der Älteren aufräumen, dass Computerspieler die gewalthungrigen "Freaks" sind, als die sie in letzter Zeit dargestellt werden. Dass sie absolut friedlich und aus allen Gesellschaftsschichten sind, bewiesen sie durch die laute aber absolut friedliche Demonstration eindrucksvoll.
Dann zog der bunte Haufen in Richtung Schwarzwaldhalle, begleitet von einer handvoll Polizeibeamter, die später - sich nett mit den Demonstranten unterhaltend - sogar eher in der Menge mitliefen statt sie zu bewachen. Die Demonstranten riefen "E-Sport ist kein Mord" und "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Spiele klaut." Viele Passanten blieben stehen und hakten nach, was hier denn passiert. Einige zogen sogar kurzerhand mit, nachdem sie aufgeklärt wurden.
Jörg Tauss: "Wer das verbieten will, betreibt Primitivpopulismus"
Am Kongresszentrum angekommen, ließen sie die Schwarzwaldhalle, den Ort, wo die E-Sport-Veranstaltung eigentlich an diesem Abend stattfinden sollte, links liegen und versammelten sich vor der aufgestellten Bühne, neben der eine große Leinwand aufgebaut war. Die Veranstalter dankten allen Beteiligten und Norman Schlorke vom IFNG-Team scherzte mit den Anwesenden: "Ihr seid viel zu schnell hier gewesen - was aber beweist, dass Gamer alles andere als faul und unsportlich sind." Auch die Mutter von Schlorke sagte ein paar Sätze, in denen sie vor allem die Eltern der Kinder in die Verantwortung nahm. Denn sie seien es, die sich um ihre Kinder kümmern müssen, die Grenzen und Regeln vorgeben müssen - und nicht der Staat.
Um die Zeit zu überbrücken, bis es dunkel genug war, um auf der Leinwand ein "Showmatch" präsentieren zu können, erzählten die Veranstalter Anekdoten aus ihrer "Gamer-Karriere". Auch Jörg Tauss, der die Veranstalter im Vorfeld beraten hatte, durfte dann zum Mikrofon greifen, obwohl die Veranstaltung "Politiker-frei" bleiben wollte. Doch Tauss sollte eben derjenige sein, der "unsere Stimme nach Berlin trägt".
Tauss prangerte in seinen knappen Worten "diese Form von Bevormundung" an und lobte die Demonstranten für ihr Engagement. "Die Leute, die solche Spiele und die Produktion verbieten wollen, haben keine Ahnung. Das ist Primitivpopulismus, der uns nicht weiterbringt, sondern sogar schadet", erklärte er den Zuhörern und erntete dafür großen Applaus.
"Es gab eben schon immer etwas zu motzen für die Konservativen"
Christian Meyer, einer der "älteren Semester der Zocker", lobte diese tolle Sache, die innerhalb von zehn Tagen auf die Beine gestellt wurde. Und wusste zu berichten: So wie früher der Heavy Metal als "das Böse schlechthin" stigmatisiert wurde, soll nun auch die Gemeinschaft der PC-Spieler als Sündenbock herhalten: "Es gab eben schon immer etwas zu motzen für die Konservativen." Aber es sei durchaus positiv zu zeigen, dass die Jugend sich mobilisiert. Dies sei ein gutes Zeichen für die Zukunft, so Meyer.
Nachdem die Sonne dann tief genug stand, wurde - übertragen auf die Videoleinwand - das "Showmatch" ausgetragen: das Rennspiel "Trackmania Nations" - ein "Killerspiel" wäre verboten gewesen. Die Schwarzwaldhalle lag im Hintergrund, verschlossen und dunkel, doch das kümmerte niemanden. Denn man hatte doch seine Veranstaltung bekommen - vielleicht sogar eine für die Öffentlichkeit wirksamere, als es das ursprüngliche Event gewesen wäre.
Selbstverständlich wurde die Demo bald nach dem Ende auch im Internet diskutiert und die "Communitiy" war bundesweit voll des Lobes für die Aktion. Ein Gästebuch-Eintrag brachte den Sinn und Zweck dann mit einem Bild aus der Sportwelt auf den Punkt: "Super Sache. Ich würde sagen: Gamer - Politiker, Stand: 1:1."Mehr zu: Demonstration "Independent Friday Nightgame" Killerspiele
- (820 Beiträge) | 06.06.2009 12:36Jaja, und dann die BNN am SamstagSeitenhieb Tauss "KinderP..", und 3 Seiten weiter dann das Programm des Schützenvereins in Durlach mit scharf ballern und Siegerehrung. Bin mir fast sicher, das die Ballerer aus Durlach noch ne Grußbotschaft diverser "Spielverbieter" bekommen. Und noch nen Zuschuss vom Landesjugendplan wg. Jugendarbeit.
- (35 Beiträge) | 02.01.2010 02:37Da isser
- (327 Beiträge) | 06.06.2009 14:33historisches Ereignis IMeines Wissens die erste Demo dieser Art (zumindest in Deutschland). Weitere werden ggf. folgen.
Kurzfristig geplant und engagiert durchgeführt. Was die wenigen Organisatoren da in 10 Tagen auf die Beine gestellt haben, ist eine grandiose Leistung.
Die relativ hohe Zahl an Teilnehmern hatte keiner erwartet. Die Demo selbst war absolut friedlich, witzig, originell aber trotzdem energisch was das Ziel angeht. Die Teilnehmer waren extrem gut gelaunt. Selbst die Ordnungshüter waren dauernd am grinsen. - (327 Beiträge) | 06.06.2009 14:33historisches Ereignis IIHier wurde ein Beispiel gegeben, wie viel Spass friedliches demonstrieren machen kann. Die Bevölkerung konnte sich jetzt mal einen Eindruck machen, was für Leute die Gamer eigentlich sind. Eben keine weltfremden Spinner, die nur hinterm Computer sitzen sondern ganz normale (meist junge) Mitbürger, die sich ihr Hobby nicht verbieten lassen wollen. Sie stehen im Leben, sind beruflich durchaus erfolgreich und lehnen die Gesellschaft als solche keineswegs ab. Sie sind Teil davon.
Dank den Initiatoren für ihre überragende Leistung! - (20 Beiträge) | 06.06.2009 15:08jakobcollinGelöscht! Verstoß gegen Kommentarregeln!
- (45 Beiträge) | 06.06.2009 15:23@unkasWarum sollen Spieler kein guter Teil der Gesellschaft sein?
- (5 Beiträge) | 06.06.2009 15:29CDU ballert mit..laut BNN von heute stellen die CDU Durlach und die JU je eine Manschaft beim Schützenfest in Durlach. Die gleiche CDU die aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen des Amoklauf in Winnenden eine Absage der Spielenacht bewirkt hat. Dass liebe CDU nenne ich pietätslos und ist an Scheinheiligkeit kaum noch zu übertreffen?
Den Initiatoren der Demo an dieser Stelle noch ein dickes Lob für Organisation und den friedlichen und entspannten Ablauf. - (7 Beiträge) | 06.06.2009 15:40An JakobcollinIch finde es eine Frechheit eine Gruppe von jungen Menschen die in absolut friedlicher und angemessener Weise ihrem Unmut Luft gemacht hat als "krank" zu bezeichnen.
Sie werfe ihre Meinung bar jeglicher haltbarer Argumente in den Raum, beleidigen willkürlich eine Gruppe Menschen die nur ein Hobby teilen und stellen sie dann noch auf eine Ebene mit Amokläufern.
DAS ist krank!
Demokratie heisst leben und leben lassen, das Grundgesetz sichert uns eine freie Meinung und einen zensurlosen Staat zu.
Das allgemeine Verbot von Gewalt in Computerspielen widerspricht diesem Artikel des GG!
Der Vorstoss der Innenministerkonferenz ist demnach nicht nur höchst zweifelhaft, weil von der Wirksamkeit wissenschaftlich absolut umstritten, sondern auch Grundgesetzwidrig!
Ja, richtig! Grundgesetzwidrig!
Ausserdem mal eine Frage: sollen Computerspiele das einzig Gewaltfreie Medium werden das noch existiert? - (7 Beiträge) | 06.06.2009 15:40fortsetzungWer dieses Verbot fordert der sollte dann ganz konsequent weitermachen:
Verbot von Gewalthaltigen Filmen und Nachrichten.
Verbot von Gewalthaltigen Büchern und Radiosendungen.
Truppen raus aus Afghanistan.
Bundeswehr auflösen (dort wird nämlich gelehrt wie man Menschen tötet! Nicht gewusst?).
Wer auch nur einem davon nicht zustimmt ist nichts anderes als ein Heuchler wenn er ein Verbot von Gewalt in Computerspielen fordert.
Und bitte hört mal auf hier ständig von Gewaltverherrlichenden Spielen zu reden, diese sind schon VERBOTEN!!!
Keines der Spiele das in der Debatte genannt wurde ist verboten, es handelt sich dabei um Spiele die in der Regel ab 16 bzw 18 Jahren freigegeben sind.
Und das schönste ist noch immer: selbstgerechte Eltern die sich darüber aufregen dass ihr 14 jähriger Sohn ein "Killerspiel" spielt.
Schonmal drüber nachgedacht dass daran sie selbst Schuld sind wenn sie ihm Medien zugänglich machen für die er noch nicht alt genug ist?
Kopf an! Mund zu! - (456 Beiträge) | 06.06.2009 16:02@Imrahil...vielleicht was falsch verstanden?
Und nochmals auch hier: Ich selbst spiele diese Spiele nicht -und ja, ich weiß, Hemmschwelle und so...- aber mit Amoklauf haben diese Spiele garantiert nichts zu tun. Schuld hat vielmehr unsere oberflächliche Gesellschaft.
Oder aber auch, wie woanders schon "angeregt":
Schulen gehören verboten! Amoklauf passiert grösstenteils an Schulen, ausgeführt von Schülern!
Und jetzt mal Spass ohne: Es liegt meines Erachtens wirklich am Umgang in den Schulen mit Schüler vs. Schüler... und ja, leider gehören dazu auch die heutigen Lehrer (mit wenigen Ausnahmen). - (1767 Beiträge) | 06.06.2009 16:05@"Meines Wissens die erste Demo dieser Art (zumindest in Deutschland). Weitere werden ggf. folgen."
Jo. Jedes Mal, wenn sowas verboten/verhindert wird, wird halt die Innenstadt für ne Stunde lahmgelegt. Ganz einfach. - (327 Beiträge) | 06.06.2009 16:26@Imrahil !!! Missverständnis !!!War doch auf der Demo dabei und voll der lobenden Worte (historisches Ereignis I + II)!
Schauen Sie sich den von ihnen beanstandeten Kommentar noch mal GENAU an. Der stammt nämlich nicht von mir, sondern von uns allen wohlbekannten "ka-news-Haustroll" "unkas" (alias papa 1,2,3..., perle,...etc. pp).
Der hat eine echt provokante Schreibe und wird deswegen immer mal wieder gesperrt. Ich rechne "unkas" hoch an, dass er zunehmend auf persönliche Beleidigungen verzichtet. Ein Fortschritt! Soll er schreiben was er meint und jut is. Wird sich sicherlich sehr drüber freuen wenn sich jemand über SEINE Kommentare aufregt. Ich tu es nicht
- (7 Beiträge) | 06.06.2009 16:29*g*Hab ich doch glatt den Titel für den Namen gehalten
Nichts für ungut, jakobcollin.
Ich meinte schon den Herrn unkas.
Danke übrigens für die Aufklärung.
Geschätzte 10 sekunden nach abschicken wollte ich eigentlich den Beitrag wieder entfernen :D - (2579 Beiträge) | 06.06.2009 16:40TaussLustig, der Herr Tauss. Es gibt ja auch SPD-Innenminister, die sind am jetzt beschlossenen Spiele-Verbot beteiligt. Gleichzeitig eröffnet der Innenexperte Wiefespütz, dass es beim Kinderpornogesetz von zensursula tasächlich um Zensur geht: http://tinyurl.com/mr67xu - an der großen Koalition ist auch Herr Tauss beteiligt.
- (327 Beiträge) | 06.06.2009 16:50@joergruppUpps, sie waren mit meinem "Lacher" nicht gemeint, sondern "Imrahil" wegen dem "Missverständniss".
Zu Herrn Tauss schreibe ich jetzt nix weiter, ausser dass er auf der Demo auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht hat. - (65 Beiträge) | 06.06.2009 18:54Tauss und das VerbotEin Spieleverbot ist eindeutig überzogen, auch wenn ich kein Fan derartiger Spiele bin. Ich halte es sogar für kontraproduktiv. Man muss im Gegenteil für Synergieeffekte sorgen, um einen gesünderen Umgang der Jugend mit dem Thema fördern und eine weitere Verrohung unserer Gesellschaft entgegenwirken. Spiele sind nicht das Problem, es ist die Einstellung.
Allerdings zum Stichwort "Zensursula": Wieso sollte man denn nicht diese kinderpornografischen Inhalte verbieten und die Seiten sperren? Schließlich ist es doch auch so, dass man -GOTT SEI DANK- keine Zeitschriften oder Büchern mit entsprechenden Inhalten an Kiosken oder Buchhandlungen erwerben kann. Ein höchst überfälliger Handlungsbedarf der Politik.
Dass Herr Tauss gegen ein solches Verbot spricht....
- (18 Beiträge) | 06.06.2009 19:09@Freidenkerzum Thema "Zensursula": Die Leute mit den TShirts sind ebenso gegen Kinderpornographie wie jeder anständige Bürger auch. Es geht lediglich um die Form der Internetsperren die neuerdings erlaubt wurden. Ich empfehle folgenden Artikel: http://netzpolitik.org/2009/die-dreizehn-luegen-der-zensursula/
- (183 Beiträge) | 06.06.2009 19:40BNN vom 06.06.09, Seite 33"Schützenfest in Durlach
[...] Zu den Teilnehmern gehören auch die CDU-Durlach und die Junge Union, die mit je zwei Mannschaften antreten. [...]"
Aus: Badische Neuste Nachrichten vom 06.06.09, Seite 33
www.bnn.de
- (45 Beiträge) | 06.06.2009 20:47.Nettes Video der Demo bei youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=PDFrEZ8hqOA




twittern
facebook melden
StudiVZ melden
Google melden
Webnews melden
del.icio.us empfehlen
Mister Wong empfehlen
Linkarena melden
Windows live melden
Yahoo melden
Yigg melden
Kledy melden



































Social Bookmarks
Tweet