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31.08.2008 03:00
 
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Karlsruhe/Afrika tho -
Über 30 Teilnehmer nahmen an der Tour d' Afrique teil (Foto: Markus Widmann)
Insgesamt vier Monate und 11.900 Kilometer ist der Radsportler und Neu-Karlsruher Markus Widmann kreuz und quer bei der "Tour d'Afrique" durch zehn afrikanische Staaten gefahren. Kälte, Hitze, Wüsten, Infektionen und Bürgerkriegsgebiete hat er überstanden. "Ich habe jeden einzelnen der 11.900 Kilometer der Tour aus eigener Kraft auf dem Fahrrad bewältigt", zeigt er sich stolz. Doch nicht überall wurden die Teilnehmer freundlich empfangen, manchmal flogen auch Steine.

Seine Teilnahme bei der Tour sieht Widmann als Wink des Schicksals: "Ich hatte eine Fahrradzeitung in der Hand gehabt und von der Tour gelesen, zwei Wochen später musste mein früherer Arbeitgeber Insolvenz anmelden. Dann war für mich sofort klar, dass ich daran teilnehme." Übermäßig lange Touren sei er aber vorher noch nicht gefahren. "Ich war Marathonläufer und habe das Rad lediglich als Ausgleich benutzt." Mit dem Training für die Tour habe er erst fünf Monate vorher begonnen.

Kinder warfen Steine und schlugen mit einer Peitsche

Die Fahrer mussten verschiedene unvorhergesehene Hindernisse bewältigen (Foto: Markus Widmann)
Zwischen 75 und 208 Kilometer wurden bei der Tour pro Tag gefahren. Im Schnitt gab es einen Ruhetag pro Woche. "Mein Ziel war, die Tour als Expedition zu fahren und nicht als Rennen auf Zeit. Schließlich möchte ich ja auch mitbekommen, was um mich herum alles Sehenswertes ist." Manchmal sei er auch angehalten, um sich etwas zu anzuschauen. Wichtig war ihm nur, dass er am Ende die EFI-Medaille bekommt. Diese bekamen nur Teilnehmer, die die Route aus eigener Kraft geschafft hatten. Die Bezeichnung EFI steht für "Every fabulous inch". Manche leidgeprüfte Fahrer nennen sie auch "Every fucking inch".

Auch die Regenzeit war ein Hindernis: Manchmal ging nichts mehr
(Foto: Markus Widmann)
Ans Aufhören während der Fahrt habe er nie gedacht, lediglich Zweifel seien ihm aufgekommen, als er sich einmal eine Zerrung am Bein geholt hatte. "Einmal bin ich außerdem mit starken Magenkrämpfen gefahren. Dies hätte mich fast den EFI-Status gekostet. Allerdings war für den nächsten Tag ein Ruhetag eingeplant, so dass ich mich durchgekämpft hatte", erinnert sich Widmann. Auch einige unschöne Begebenheiten gab es während dem Rennen. So kam es in Äthiopien vor, dass Kinder Steine auf die Teilnehmer geworfen haben, mit einer Peitsche schlugen oder versucht hatten, Stöcke zwischen die Speichen zu klemmen. "Anscheinend haben die das als Sport empfunden", so Widmann.

Ein Schotte baute sein Zelt auf einem Termitenhügel auf

Übernachtet wurde meistens in Zelten (Foto: Markus Widmann)
Außerdem wurde einem Holländer ein Fahrradcomputer gestohlen. Als er mit einem Geldschein winkte, um zu zeigen, dass er eine Belohnung zahlen würde, ging eine Schlägerei unter den Einheimischen los. Während der Fahrt in Äthiopien wurde außerdem der Teer auf der Straße wegen der Sonne sehr klebrig, so dass es nur sehr langsam vorwärts ging. Auch in Tansania gab es Probleme: Einwohner hatten zwei Räder geklaut. Nachdem mit den Dorfpolizisten drei Mal das Dorf durchsucht wurde und schließlich ein Finderlohn ausgesetzt worden war, tauchten die Fahrräder wieder auf.

Ein fast schon filmreifes Missgeschick passierte einem Fahrer aus Schottland. Er baute sein Zelt auf einem Termitenhügel auf und als er aufwachte, war er von Tausenden Termiten umgeben, die sich durch seinen Zeltboden gefressen hatten. Ein weiteres Missgeschick passierte auch einem Freund von Widmann, der für wenige Wochen zur Tour dazu stieß. "Von Deutschland sollte er Salztabletten mitbringen und nahm versehentlich Tabletten für den Gebissreiniger mit. Außerdem hatte er Damenhandschuhe anstatt Herrenhandschuhe und Winterfahrradsocken dabei", erinnert sich Widmann.

Widmann unterstützt Hilfsprojekt des CCF Kinderhilfswerks

Auch durch Ägypten ging die Tour
(Foto: Markus Widmann)
Auch zwei Stürze hat Widmann hinter sich. Einmal verlor er die Kontrolle auf dem nassen Boden und rutschte zehn Meter über den Asphalt. Am nächsten Tag hatte er die Idee, bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h einen Film mit seiner Digitalkamera zu drehen. Wegen überraschend auftretenden Bodenwellen stürzte Widmann und holte sich dabei Schürfwunden und eine Rippenprellung. Die Kamera war nach dieser Aktion komplett kaputt. Lediglich der Film des Sturzes war noch erhalten.

Markus Widmann mit seinem Patenkind Rachael (Foto: Markus Widmann)
Kaum abwarten konnte es Widmann dagegen, bis er bei einem Abstecher in einem Dorf in Sambia sein afrikanisches Patenkind Rachael besuchen durfte. Mit seiner Teilnahme an der längsten Fahrradexpedition der Welt unterstützt Widmann nämlich das Hilfsprojekt "Bildung für Kinder in Sambia" des CCF Kinderhilfswerks. "Das war einer der schönsten Tage in meinem Leben", erinnert sich Widmann. Die Gastfreundschaft sei in allen afrikanischen Ländern großartig. "Leute, die wenig haben, geben viel. So wurden wir zum Beispiel im Sudan zum Tee eingeladen und es wurden uns Datteln gereicht."

Insgesamt kamen fast 100.000 Euro zusammen

Größtenteils sei er von den Menschen in Afrika sehr gut aufgenommen worden. "Die wenigen negativen Begebenheiten sollen nicht das positive Bild verzerren, das ich von Afrika habe", erläutert Widmann. Zeit für etwas Tourismus blieb ab und zu auch noch. So hat er auch den Serengeti-Park besucht und Elefanten, Löwen und Nashörner gesehen. Am Schluss der viermonatigen Tour und nach 11.900 selbst gefahrenen Kilometern war Widmann einer von zehn Teilnehmern, die die EFI-Medaille entgegennehmen durften. Über 30 Fahrer hatten mitgemacht.

Markus Widmann (links) wie auch die anderen Teilnehmer wurden fast überall gastfreundlich aufgenommen (Foto: Markus Widmann)

"Einerseits bin ich stolz, dass ich es geschafft habe, andererseits spielt auch Schwermut mit, dass ich die ganzen Leute nicht mehr sehen kann", so Widmann. Nochmal wolle er aber nicht bei der "Tour d'Afrique" teilnehmen. "Der Reiz des Neuen fehlt dann. Allerdings werde ich bestimmt wieder nach Afrika fliegen." Durch eine aktive und groß angelegte Spendenkampagne konnte Widmann für das Projekt "Bildung für Kinder in Sambia" insgesamt knapp 100.000 Euro sammeln. "Durch diese Hilfe zur Selbsthilfe will ich das Armutsproblem an der Wurzel bekämpfen. Ein besonderer Dank gilt auch meinem jetzigen Arbeitgeber Netviewer, der das Projekt großzügig unterstützt hat", erklärt Widmann.

Endlich am Ziel: Die Fahrer mit ihrer EFI-Medaille (Foto: Markus Widmann)
Mit dem Geld sollen unter anderem Schulen aufgebaut, die medizinische Versorgung sichergestellt und Aufklärungskampagnen über Krankheiten durchgeführt werden. "Weitere Einsatzmöglichkeiten sind der Kauf von Ziegen, damit sich die Leute versorgen können oder der Kauf von Moskitonetzen", so Widmann. Wer mehr über die "Tour d'Afrique" oder das Projekt "Bildung für Kinder in Sambia" des CCF Kinderhilfswerks erfahren möchte, kann die unten verlinkten Websites besuchen. Außerdem hat Markus Widmann dort auch ein spezielles Tagebuch zur Tour veröffentlicht.

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