Für einen Ausländer ist eine burundische Hochzeit ein außergewöhnliches Erlebnis. Insgesamt wird eine Hochzeit in drei Phasen an drei Tagen zelebriert, beziehungsweise - auch hier - diskutiert. Die erste Phase: Der Mann geht - ganz altmodisch - zur Familie der Braut und bekundet, wie schön die Tochter doch sei, dass er in sie verliebt sei und sie gerne heiraten würde.
Wird dem zugestimmt, folgt Phase zwei: Beide Familien treffen sich zu einem gemeinsamen Essen oder Drink, dem so genannten "dot" (in deutsch: Mitgift). Dabei sitzen sich die jeweiligen Familien streng getrennt gegenüber. Dann folgt reihum eine Diskussion, wie viel die Braut denn "wert" sei. In Kühen oder aber in einem Gegenwert wie Geld, versteht sich - hier kommt es darauf an, ob man sich in der Stadt oder dem Land befindet. Eine Kuh ist umgerechnet etwa 300 Euro wert. Die Familie des Bräutigams sagt, dass der Mann doch so schön und kräftig sei, dass er das Mädchen gratis bekommen solle.
Ein Bericht von Philipp Ziser
Das passt den anderen natürlich generell nicht und wollen einen angemessenen Preis wissen - oder sie schlagen selbst einen vor. So dauert das eine ganze Weile, mit groß und eindrucksvoll geschwungenen Reden zumeist den gesamten Abend, bis man sich - in der Regel - auf drei Kühe oder den entsprechenden Gegenwert einigt. Der Clou an dem gesamten Theater: Der "Preis" stand schon lange vorher fest. Die Kuh steht bereits vor der Hütte oder der Gegenwert ist in einem Körbchen gerichtet. Doch die Tradition ist wichtig und sieht es so vor. Der künftige Bräutigam wohnt dem ganzen Geschehen bei, die Braut aber wird versteckt gehalten und erst dann übergeben, wenn sich die Familien auf einen angemessenen Tauschwert geeinigt haben.
 | Das traditionelle "dot" ist ein elementarer Bestandteil des Hochzeitsritual (Foto: Philipp Ziser) |
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Dann folgt schließlich Phase drei - die Hochzeit, in der die Ehe kirchlich besiegelt wird. Die Familie der Braut bekommt Kühe oder Geld, weil diese ja schließlich für immer das Haus verlässt. Im Gegenzug aber darf nun kein Angehöriger ihrer Familie mehr der kirchlichen Trauung beiwohnen - der Preis ist bezahlt, die Ansprüche an der jungen Frau sind vollständig an die Familie des Bräutigams übergegangen. Auch hier ist jedoch ein Wandel erkennbar und alles wird nicht mehr so ernst genommen - die Moderne überholt wie fast auf der gesamten Welt die Tradition, zumindest in den großen Städten. Ob dies nun unbedingt gut oder schlecht sein muss, ist eine andere Diskussion. Auch oder erst recht in Burundi. (phil)
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