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15.10.2006 10:30
 
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Für ein Jahr in Burundi (1) [0]

Karlsruhe -
Serafine, eines von vielen burundischen Kindern, die dank burundikids die Chance auf eine lebenswerte Zukunft erhalten
(Foto: Ursula Meissner)
Aus einem Leben der Selbstverständlichkeiten heraus treten. Freunde, wenn auch für ein nur kurz erscheinendes Jahr, zurück lassen. Das Vertraute, Bekannte, Gewohnte ablegen. Die Augen schließen, Arme ausbreiten und sich in das Unbekannte vornüber fallen lassen. Oder besser: Die Zügel straff ziehen und vollen Muts und Zuversicht hinüber in eine neue Welt schreiten. Was wird sein, im weit entfernten, ostafrikanischen Burundi? In einem von Krisen und Bürgerkriegen erschütterten Land, von dessen Existenz nur die wenigsten schon einmal hörten?

"Das ist aber mutig, was ihr da tut. Ich würde mich das nicht trauen", ist die von uns in den vergangenen Monaten meist gehörte Phrase. Wir, das sind Lena Büttner aus Karlsruhe und ich, Philipp Ziser, ein Journalist und freier Mitarbeiter von ka-news. Seit etwas mehr als einem Jahr steht unser Entschluss fest, für ein ganzes Jahr in die ostafrikanische Republik Burundi zu gehen, um dort in karitativen Einrichtungen der Fondation Stamm zu arbeiten.

Ein Bericht von Philipp Ziser

Die Projekte der Fondation erstrecken sich über das gesamte Land, vom Aids- und Kriegswaisenhaus in der 300.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Bujumbura, einer Schule für Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten, einem Heim für junge Mütter, bis hin zur Versorgung Tausender rückkehrender Bürgerkriegsflüchtlinge. Arrangiert wurde unser Auslandsjahr von dem kleinen Verein burundikids, den 2003 neun Gründungsmitglieder unter Vorsitz von Martina Wziontek in Köln gründeten. Auch für die Kinderhilfsorganisation ist es ein Schritt in neues Terrain: Lena, ich und außerdem zwei weitere junge Frauen aus Berlin und Heilbronn, sind die ersten Freiwilligen, die burundikids in das Land entsendet, das Anfang des 20. Jahrhunderts Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika war und 1916 an Belgien abgetreten wurde. Ein großer Schritt für beide Parteien - und ein über ein Jahr andauernder Kampf gegen Paragrafen und Bürokratie.

"Von einer Reise nach Burundi wird abgeraten"

Die ehemalige Krankenschwester Verena Stamm lebt seit 1973 in Burundi und ist Projektleiterin vor Ort
(Foto: Ursula Meissner)
Der ursprüngliche Abflugtermin war bereits auf August angesetzt. Doch die überwältigende Verwaltungsarbeit und der unvorstellbare Aufwand mit den deutschen Behörden waren nicht abzusehen, sodass sich der Abschied mehrmals verzögerte. Das Auswärtige Amt der Deutschen Bundesregierung musste unsererseits zuerst auf die Aktualisierung der "Länderspezifischen Hinweise" auf seinen Internetseiten hingewiesen werden.

Dort stand unverändert seit einigen Jahren, dass "von einer Reise nach Burundi abgeraten" werde, da sich das Land nach wie vor im Bürgerkrieg zwischen den Ethnien der Hutu und Tutsi befinde. Zu diesem Zeitpunkt bemühte sich die Außenpolitik jedoch bereits um ein neues Haus für den deutschen Botschafter, ein Friedensvertrag war schon im Jahr 2000 von den verfeindeten Parteien unterzeichnet. Am 7. September stimmte aktuell auch die letzte von sieben Hutu-Rebellenorganisationen, die Nationalen Befreiungskräfte (FNL), den Friedensbedingungen unter Vermittlung im Nachbarland Tansania zu.

Der Tatendrang steigt bis ins Unermessliche

Aktuell stellt sich für burundikids die Frage, die von anderen Organisationen empfohlene "Bodenkriegsrisikoversicherung" für uns Freiwillige abzuschließen. Diese Absicherung greift in dem Fall, den eine obligatorische Auslandskrankenversicherung mit einer Ausschlussklausel umgeht. Konkret bedeutet dies: Verletzungen oder Schlimmeres, verursacht durch Aufstände, bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen und so weiter. Da jedoch Burundi als Demokratie international anerkannt und schließlich alle Kriegsparteien den Frieden mit ihrer Unterschrift beschlossen, wird die Notwendigkeit des Unworts "Bodenkriegsrisikoversicherung" fraglich.

Flagge von Burundi: Das ostafrikanische Land hat einen jahrelangen mörderischen Bürgerkrieg hinter sich und zählt zu den ärmsten Ländern der Welt
(Foto: pr)
Die letzten Wochen und Tage bis zum endgültigen Abflug am 20. Oktober sitzen wir nun wie auf heißen Kohlen. Was allerdings nicht wörtlich zu verstehen ist. Nur der Tatendrang steigt bis ins Unermessliche. Die verbleibende Zeit nutzen wir weiterhin, unser lange auf der Strecke gebliebenes Französisch aufzufrischen und darüber hinaus die burundische Landessprache Kirundi zu erlernen. Hierbei hilft uns unsere neue Bekanntschaft, ein Burunder, der seit Ausbruch des Bürgerkriegs Mitte der 1990er im badischen Freiburg lebt. Der Priester Alphonse Ndabiseruye studiert dort Theologie und Pädagogik, erwarb bereits den Doktortitel und habilitiert Ende des Jahres, bevor er zum ersten Mal zurück in seine Heimat Burundi zurückkehren wird.

"Kinderglück" - Unterstützung aus Karlsruhe

Hinzu kommt unsere stetige Bemühung, Spenden für die Projekte von burundikids aufzutreiben. Zu unserer Überraschung begegnen uns beinahe ausschließlich positive Reaktionen. Pharma-Unternehmen, Logistik-Firmen und Menschen im näheren und weiteren Umfeld haben bereits gespendet, wöchentlich bekommen wir neue Anfragen. "Wenn wir euch etwas geben, wissen wir wenigstens, dass und wo es ankommt", ist das meist genannte Argument für die Spendenbereitschaft. Daher ist und bleibt es uns wichtig, etwas zurück zu geben. Seien es Fotos, Berichte, stetige Kommunikation oder einfach nur eine Dankeskarte. Ein transparenter Umgang mit dem, was uns anvertraut wird. Denn nur so ist ein beidseitiges Vertrauen möglich. Und damit eine andauernde Hilfe für die Kinder in Burundi, die am wenigsten für die Umstände in dem Land können, in dem sie geboren sind.

Aktuell erklärte sich die Geschäftsführerin des Karlsruher Kinderspielwarengeschäfts "Kinderglück", Anna Paschen, bereit, burundikids zu unterstützen. In Kooperation mit einem renommierten Geschirrhersteller verkauft das kleine Lädchen in der Herrenstraße die Tassenproduktion "Karlsruhe", wovon ein Euro pro verkaufte Tasse in die Kinderhilfsorganisation fließen wird.

Auch ka-news unterstützt die Kinder in Burundi. Karlsruhes größte Online-Tageszeitung bietet seinem freien Mitarbeiter in Afrika die Plattform, in unregelmäßigen Abständen über die Erlebnisse und Geschehnisse aktuell zu berichten. Und somit die Chance, die Menschen hier ein wenig mehr für die missliche Situation der Menschen in Afrika zu sensibilisieren. (phi)

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