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Karlsruhe Frische Brise oder laues Lüftchen? Hollande contra Merkel

Schon vor der Wahl in unserem Nachbarland Frankreich war klar: Gewinnt François Hollande, wird der Kanzlerin ein anderer Wind entgegenwehen, als noch zu Zeiten von Nicolas Sarkozy. Nun kommt dieser (kalte?) Wind aus dem wenige Kilometer entfernten Frankreich über den Rhein. Hollande rüttelt an Merkels festgefahrenem Euro-Wagen. Ein Pro und Contra aus der ka-news-Redaktion.

Eine frische Brise im windstillen Europa (Ein Pro von Sandra Schneider)

Im Kampf gegen die Eurokrise will Kanzlerin Angela Merkel grundlegend den Ton angeben - gemäß dem Motto "Alles hört auf mein Kommando." Doch Monsieur Hollande ist da anderer Meinung. Mit dem Elan des Neugewählten geht der neue Hausherr im Pariser Elysées-Palast gleich mal auf Konfrontationskurs und bringt eine scheinbar festgefahrene Diskussion wieder in Gang.

Der rigorose Sparkurs, den die Kanzlerin vertritt, stand fest - wie eine deutsche Eiche. Doch die hat der neue Wind, der seit wenigen Wochen aus unserem Nachbarland herüber weht, mächtig ins Schwanken gebracht. Auch in der Nato funkt "François II.", wie ihn seine Landsleute nennen - "François I." war Mitterrand -  dazwischen. Bis Ende des Jahres will er die französischen Truppen komplett aus Afghanistan abziehen. Damit setzt er eine Forderung in die Tat um, die sich viele Menschen hierzulande auch für die deutschen Truppen wünschen.

Endlich kommt Schwung in die Reihen der Staatschefs, die sich in letzter Zeit regelrecht phlegmatisch der Meinung der deutschen Kanzlerin augenscheinlich untergeordnet haben. Mit seinen Vorstößen bietet Hollande der "Übermutti" Merkel Paroli und rüttelt gleichzeitig am festgefahrene Karren "Eurorettung", der nach wie vor tief im Dreck steckt. Eine solche frische Brise wünscht man sich im windstillen Europa.

Internationale Politik nur noch unter Vorbehalt? (Ein Contra von Felix Brenner)

Kaum segelt die Französische Republik unter der sozialistischen Flagge, fährt der neue Kapitän François Hollande eine harte Linie gegen die MS Deutschland und Angela Merkel. Während Mutti Merkel schon aus den deutschen Reihen genug auf sich nehmen muss, versucht nun unser Nachbarland Frankreich vorsichtig an Muttis Stuhl zu kratzen.

Wer ein guter Sozialist und Präsident sein will, muss selbstverständlich auch aufmucken gegen die kapitalistischen Sparzwänge der Europäische Union. Das dachte sich wohl auch François Hollande. Und so scheint auf einmal der bereits in trockene Tücher gewickelte Fiskalpakt nicht mehr so unumstritten zu sein, wie er es unter Nicolas Sarkozy war. Auch Merkels Einwand, "wir sind gemeinsam nach Afghanistan gegangen und wir wollen auch wieder gemeinsam aus Afghanistan abziehen", wird von Hollande links liegen gelassen. Die französischen Truppen werden vorzeitig zum Jahresende aus dem Krisengebiet abgezogen.

Es scheint in Mode gekommen zu sein, bereits bestehende (nationale wie internationale) Beschlüsse und Übereinkommen über den Haufen zu werfen, um seine Wahlversprechen in die Tat umzusetzen. Auf die Wahlversprechen bezogen mag das ja durchaus löblich sein, aber was, wenn es einfach nicht geht? Aber sollte er sich durchsetzen, würde er ein fragliches Exempel statuieren. Internationale Politik wäre nur noch unter Vorbehalt möglich, wenn verhandelte und beschlossene Entscheidungen einfach mal vom nächstbesten Präsidenten über den Haufen geschmissen werden können. Ein laues Lüftchen aus dem Elysées-Palast, das sich unangenehm über Europa legen könnte.

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