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Freimaurer in Karlsruhe [0]

Karlsruhe tba -
Großherzog Karl Friedrich: Prominenz und Verschwiegenheit, da sind Gerüchte vorprogrammiert (Foto: ka-news)
Sie haben eine lange Geschichte und fast jeder hat schon einmal etwas über sie gehört. Die Rede ist von den Freimaurern. Doch das Gehörte erschöpft sich oft in Klischees wie Geheimbund, Verschwörung oder Sekte. Was verbirgt sich hinter dieser einst reinen Männervereinigung?

Unter den Mitgliedern findet man unter anderem Winston Churchill, Henry Ford, Friedrich der Große sowie George Washington. In Baden zählen der Großherzog Leopold oder Karl Friedrich zu den prominenten Vertreter. Auch in der Fächerstadt sind mehrere Logen aktiv. "Comenius zur Toleranz und Freude" ist eine davon. Sie feierte jüngst ihr 20-jähriges Bestehen und erlaubte dabei ein Blick hinter die Kulissen.

Freimaurer arbeiten am Bau der Humanität

George Washington mit Freimaurerschurz
(Foto: ka-news)
Der Ursprung der Freimaurerlogen liegt in den Bauhütten - auf englisch Lodge - der mittelalterlichen Steinmetze und Dombauer. Diese waren damals gemeinsame Arbeitsplattformen und gleichzeitig ein Ort des Erfahrungsaustausches. Frei vom Zunftzwang hatten sie eine eigene Ordnung und Rechtssprechung. Die Freimaurer stehen für aufklärerische Werte wie Toleranz, Brüderlichkeit und Gleichheit ein.

Auch heute bauen Freimaurer noch - allerdings am Bau der Humanität. "Der Freimaurer arbeitet an seinem Charakter, um so seinen persönlichen Beitrag zu einer vollkommenen Gesellschaft zu leisten", so Ulrike Krabisch, die "Meisterin vom Stuhl" oder Vorsitzende der "Comenius"-Loge. Hammer, Meißel und ein rauer Stein ist eines ihrer zahlreichen Symbole. Der raue Stein stehe für den Menschen mit seinen Ecken und Kanten, der durch Wille und Stärke - dem Hammer - und durch wohlüberlegte Gedanken - die Meißel - bearbeitet wird, damit er zum Tempelbau der Humanität genutzt werden könne, so Krabisch.

Die Verschwiegenheit bleibt, aber die Exklusivität weicht

Ulrike Krabisch: die Meisterin vom Stuhl der "Comenius"-Loge
(Foto: ka-news)
Darüber hinaus verfolgen die Mitglieder keine gemeinsamen wirtschaftlichen oder politischen Interessen. Das würde ihrer Meinung nach auch dem Toleranzprinzip widersprechen. Die Verschwiegenheit sei notwendig, damit Vertrauen entstehen könne und der Einzelne über alles offen sprechen könne, so Krabisch. "Wir sind aber keine Selbsthilfegruppe oder psychologische Anlaufstelle", erklärt sie.

Lange Zeit konnte man nur über eine Empfehlung Zutritt zu einer Freimaurerloge bekommen und die Mitglieder legten ein Gelöbnis der Verschwiegenheit ab. So schufen sie einen geschlossenen Raum, der Außenstehende rätselhaft blieb. Im Dritten Reich verboten, in sozialistischen Länder wirkten sie eher verdeckt, öffnen sich die Freimaurer zunehmend. Mittlerweile gibt es neben den Männerlogen reine Frauenlogen - aber auch gemischte. Eine solche ist die "Comenius"-Loge. Außerdem kann jeder anklopfen und zu einem Besucherabend gehen, bei dem er die Mitglieder einer Loge kennen lernen kann.

Zuerst schau in dich, dann um dich und schließlich über dich

Der Tempel ist sonst dem Außenstehenden verschlossen
(Foto: ka-news)
Die Freimaurer treffen sich monatlich zur Tempelarbeit, eine geschlossene Sitzung. Diese ist mit zahlreichen Ritualen verknüpft, so tragen sie eine Schürze und weißen Handschuhe, als Symbol der Reinheit. Im Tempel, dem offiziellen Ort der Zusammenkunft, hält ein Freimaurer beispielsweise einen Vortrag. Daneben sind Gespräche untereinander ein wichtiges Mittel, zur persönlichen Selbstvervollkommnung. "Für mich ist das wahre Geheimnis das Erleben dieser Gemeinschaft", erklärt Krabisch und fährt fort: Als sie selbst nach einem Unfall hilfsbedürftig gewesen sei, wurde sie von einer Freimaurerin für ein paar Wochen aufgenommen.

Unter ihnen gibt es eine Einteilung in Lehrlinge, mit dem Arbeitsauftrag "Schau in Dich!", dann die Gesellen, die "um sich schauen sollen", und die Meister, welche "über sich schauen", um die höhere Macht zu erkennen. Gemeinsam diskutieren und reflektieren sie philosophische, gesellschaftliche und historische Themen. Religion und Politik sind dabei Tabu, da die geistige Vervollkommnung auf einer konfessionslosen und unparteilichen Ebene erreicht werden soll. Es überrascht daher nicht, dass viele "freie Geister" und Denker der letzten Jahrhunderte Freimaurer waren.

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