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Karlsruhe Flughafen-Zoll Karlsruhe: 255 Kilo Fleisch und Drogen im Stützstrumpf

Urlaubszeit bedeutet für viele auch Shoppingzeit. Und was bietet sich da besseres an, als den Daheimgebliebenen Urlaubssouvenirs aus aus fernen Ländern mitzubringen. Der Freude über den Kauf folgt oftmals die Ernüchterung nach der Landung in Deutschland. Denn nicht alles darf in die Bundesrepublik eingeführt werden. Auch dem Karlsruher Zoll sind vor allem am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden schon einige kuriose Dinge untergekommen. ka-news sprach mit dem Zoll, was erlaubt ist und was nicht!

Der Hauptzollamt warnt vor sogenannten "Schnäppchentouren" im Ausland. Teppiche, eine Lederjacke, Goldschmuck oder auch die ein oder andere gefälschte Markenhandtasche: Im Ausland gibt es viele Waren, die zu vermeintlich billigeren Preisen als im heimischen Deutschland verkauft werden. Klar, dass da viele Urlauber zuschlagen.

Zoll: Freigrenze für Waren aus dem Ausland nicht überschreiten

Waren im Wert von 430 Euro, 200 Zigaretten und ein Liter harter Alkohol dürfen mitgebracht werden. Aber was, wenn es zu viele Zigaretten sind oder man mehr als 430 Euro ausgegeben hat? Der Zoll weist ausdrücklich auf die Einfuhrbestimmungen hin, die für Deutschland gelten. Im Gespräch mit ka-news spricht Matthias Götz, Pressesprecher des Hauptzollamts Karlsruhe, über Zigaretten, Alkohol und Drogen im Stützstrumpf.

Spätestens nach der Landung müssen sich einige Urlauber über den weiteren Weg klar werden: "Habe ich was zu verzollen? Wenn ja, gehe ich durch den roten Ausgang oder den grünen?" Wer Ware hat, die in Deutschland zu versteuern ist und über der Freigrenze von 430 Euro liegt und durch den roten Ausgang geht, hat nichts zu befürchten. Wer aber angibt nichts versteuern zu müssen und anschließend am grünen Ausgang von den Zollbeamten erwischt wird, für den kann es bitter werden. "Wer am grünen Ausgang mit Ware erwischt wird, die nicht eingeführt werden darf oder den Wert von 430 Euro überschreitet, der muss doppelte Abgaben zahlen," sagt Götz im Gespräch mit ka-news.

Besonders beliebt bei Touristen seien Zigaretten und Goldschmuck, aber auch Alkohol, Teppiche, Lebensmittel und gefälschte Waren stehen ganz hoch im Kurs, so Götz weiter. "Bei Lebensmitteln müssen die Beamte hart durchgreifen", sagt der Sprecher des Hauptzollamtes, "bei Produkten wie Fleisch oder Wurst, Milch und Milchprodukte sowie bei Honig und Eiern gibt es keinen Spielraum." Diese Lebensmittel werden dann im Auftrag des Gesundheitsamtes vernichtet. "Die Leute, die solche Waren einführen wollen, wissen eigentlich, dass sie das nicht dürfen. Sie versuchen es aber trotzdem," sagt Götz. Vor allem Reisende aus der Türkei versuchten es häufig mit Lebensmitteln, weiß der Pressesprecher zu berichten.

255 Kilogramm Fleisch und 17.500 Zigaretten

Bei gefälschten Artikeln drücken die Beamten hingegen schon mal beide Augen zu, sofern es sich um Kleinmengen von ein oder zwei Stück handelt. Natürlich dürfe auch hierbei nicht die 430 Euro-Grenze überschritten werden. "Die Käufer müssen sich bewusst sein, was sie kaufen. Eine gefälschte Uhr, eine Tasche oder ein Trikot können wir dulden." Im vergangenen Jahr hat der Zoll in knapp 24.000 Fällen gefälschte Waren im Wert von über 80 Millionen Euro an den Grenzen gestoppt.

Auch bei Medikamenten schlagen Reisende gerne über die Stränge. Nur was für die Reise üblich sei, also eine "normale Menge", könne vom Zoll akzeptiert werden. Götz warnt in diesem Zusammenhang vor gefälschten Arzneimitteln und unüblichen Dosierungen und Zusammensetzungen, die die Gesundheit der Menschen gefährden könnten.

Im Jahr 2011 haben die Beamten am Baden Airpark laut Götz 255 Kilogramm Fleisch und Wurst sowie 17.500 Zigaretten beschlagnahmt. Denn obwohl 200 Zigaretten unversteuert nach Deutschland eingeführt werden dürfen, versuchen viele Reisende noch mehr einzuführen. "Wenn jemand mit zu vielen Zigaretten erwischt wird, muss er die Abgaben auf die Zigaretten zahlen, zusätzlich den gleichen Betrag als Strafe. So kostet eine Stange zu viel statt 38 Euro dann 76 Euro." Ebenso bei anderen Waren, die über der Freigrenze liegen. Damit sei es dann aber auch erledigt, so Götz. Außer man versuche es mit Drogen, wie Götz zu berichten weiß. Bei einem der außergewöhnlichsten Fälle versuchte ein Mann Drogen in seinem angezogenen Stützstrumpf zu schmuggeln, so Götze. "In diesem Fall wurde natürlich ein Strafverfahren gegen denn Mann eingeleitet."

Hauptzollamt warnt vor "Schnäppchenreise"

Auch gefälschte Reisepässe in einem Wörterbuch seien den Beamten schon aufgefallen. Oftmals reiche der erfahrene Blick der Beamten vor Ort, um zu erkennen, wer auffällig erscheine und womöglich etwas zu verbergen habe. Auch die Drogen im Stützstrumpf seien auf den Spürsinn einer Beamtin zurückzuführen. Ganz außergewöhnliche und krasse Fälle, wie man sie aus dem TV vom Frankfurter Flughafen kenne, seien aufgrund der Größe des Flughafens hier nicht üblich. "Auch Elektrogeräte werden eher über die Post verschickt und nicht über den Reiseweg eingeführt," sagt Götz.

Das Hauptzollamt Karlsruhe warnt zudem vor sogenannten "Schnäppchenreisen". Oft werben Reiseanbieter bereits im Prospekt damit: der Besuch einer Ledermodenschau, die Besichtigung einer Schmuckmanufaktur oder der Ausflug zu einem Teppichknüpfinstitut. Kauft der Urlauber dann ein, muss er die Ware bei der Wiedereinreise nach Deutschland verzollen, so das Hauptzollamt. Weil Touristen hierüber im Urlaubsland gar nicht oder mutmaßlich gezielt falsch informiert wurden, bearbeitet der Zoll derzeit bundesweit tausende Strafverfahren wegen Schmuggels. Die Vorgeschichte ist immer dieselbe: Den Urlaubern wird noch im Ausland suggeriert, bereits beim Kauf seien alle Zollformalitäten erledigt und die Einreise ohne Meldung beim Zoll möglich.

Auch wären keine Einfuhrabgaben zu zahlen. In diesem Zusammenhang stellt der deutsche Zoll ausdrücklich klar: Reisemitbringsel, Urlaubseinkäufe und dergleichen sind in jedem Fall bei der Rückreise aus einem Land außerhalb der Europäischen Union beim deutschen Zoll anzumelden. Von dieser Pflicht können den Urlauber weder ausländische Behörden noch Reiseveranstalter oder Verkäufer entbinden. Auch gibt es keine ausländischen Dokumente, die den Reisenden von der Anmeldepflicht befreien, eben so wenig eine Vorauszahlung der Einfuhrabgaben im Ausland. Zuständige Behörde ist allein die deutsche Einreise-Zollstelle. Ab welchem Warenwert zu verzollen ist, welche Sonderregelungen es gibt und was gar nicht mitgebracht werden darf, darüber kann man sich im Internet unter www.zoll.de oder bei jeder Flughafenzollstelle in Deutschland informieren.

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