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Karlsruhe Flüchtlingskinder in Karlsruhe: Innenminister Gall besucht Parzival-Zentrum

Hoher Besuch im Karlsruher Parzival-Zentrum: Am Montag stattete Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall der Institution einen Besuch ab, um sich vor Ort über die schulische Betreuung von unbegleiteten Flüchtlingskindern zu erkundigen. Seit Beginn des Schuljahres 2014/15 nehmen rund 120 Kinder, unter anderem aus Syrien, das Lehrangebot in Anspruch.

"Das Parzival-Zentrum soll ein Abbild der Gesellschaft zeigen," so Schulleiter Bernd Ruf am Montag beim Presserundgang mit Innenminister Gall. Das Zentrum beherbergt mehrere staatlich anerkannte Schulen in freier Trägerschaft. Unter anderem wird hier seit etwa 1,5 Jahren Schulunterricht für teils unbegleitete Flüchtlingskinder angeboten, die in Karlsruhe ankommen.

Unterricht für Flüchtlingskinder - "der Jüngste ist gerade mal 8 Jahre alt"

Bei seinem Vorort-Termin informierte sich Gall am Montag über die Angebote, die den Flüchtlingskindern im Karlsruher Zentrum neben des regulären Schulunterrichts zur Verfügung stehen. Holzwerkstatt, Chor, Mal- und Sportstunden - die Betreuung im Parzival-Zentrum basiert sowohl auf der Arbeit von Erziehern, als auch auf der Unterstützung durch Ehrenamtliche. Derzeit finden im Parzival-Zentrum 120 Kinder aus Kriegsgebieten schulische Zuflucht und Betreuung - "das Jüngste ist gerade mal acht Jahre alt", so der Schulleiter.

Gegenüber ka-news verdeutlicht Schulleiter Ruf, dass man nicht nur klassischen Unterricht wie Deutsch und Mathematik bieten wolle: "Die Flüchtlingskinder und Jugendliche müssen ihre Erlebnisse verarbeiten. Nur mit Zuwendung und Sicherheit können traumatische Blockaden gelöst werden", so Ruf. Dann werde die Lernbereitschaft bei den Schülern bestehen.

Finanzierung durch Stadt und Land

Dazu sieht das Zentrum einen vierstufigen Unterricht vor: "In der ersten Stufe befinden sich geflüchtete Kinder und Jugendliche unmittelbar nach ihrer Ankunft. Es soll ihnen ein optimal Einstieg ermöglicht werden. In der nächsten Stufe sind Schüler, die sich seit mindestens drei Monaten im Zentrum aufhalten. Schließlich kommen Jugendliche, die dauerhaft am Schulunterricht beteiligt sind, in die dritte Stufe. Danach erfolgt die Eingliederung in den normalen Schulunterricht," so Ruf.

Hinsichtlich der Finanzierung verweist Ruf auf die gängige Trägerschaft des Landes Baden-Württemberg, die bei allen Schulen bestehe. Darüberhinaus gibt es Zuschüsse von der Stadt Karlsruhe. Mit Verweis auf die 120 Jugendlichen aus Flüchtlingsgebieten äußert Ruf: "Es gibt keine Schwierigkeiten kultureller Art. Natürlich sind es lebendige Jugendliche mit individuellem Hintergrund, ein geringer Prozentsatz unter Ihnen, benötigt zusätzliche Hilfe. Der Umgang geschieht jedoch problemlos."

In diesem Zusammenhang lobt der Schulleiter den zehnjährigen Einsatz seines Teams in Kriegs- und Katastrophengebieten wie Libanon und Nordirak. Das gebe zusätzliche Kompetenz und die nötige Erfahrung im Umgang mit den Jugendlichen. Diese leben in Wohngruppen in der Weststadt und kommen zum Schulunterricht hierher.

Gall: "Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?"

"Es gibt zwiespältige Diskussionen über inklusive Schulen", so Innenminister Gall. Oft werde gewünscht, dass Sonderschulen separat seien, aber die Ängste, die oftmals damit verbunden sind, stellen sich als unbegründet heraus, so sagt er weiter. Der Schulleiter steigt ein: "Ja, geistig eingeschränkte Schüler fühlen sich oft ausgegrenzt." Es gehe darum, eine Beziehung untereinander aufzubauen, so Ruf.


"Sie kümmern sich um eine Bandbreite an Menschen. Wie sich hier der Umgang zwischen Schülern und Betreuern äußert, zeigt doch, dass es funktioniert", lobt Gall und fragt den Schulleiter weiter: "Wie gehen Sie eigentlich mit Rückschlägen um?" Anhand eines Beispiels, das einen inhaftierten Jugendlichen aufzeigt, der an seinem freien Tag mit den Worten "Ich hab doch nur die Schule" zu einer Schulvorstellung kommt, äußert Ruf: "Was wir für die Menschen tun, ist nicht umsonst. Manchmal braucht es Jahre, aber irgendwann fruchtet es."

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Kommentare (7)
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  •   hermann07
    (43 Beiträge)

    19.01.2016 13:12
    kritisch sehen ist das eine...
    ... kritisch ansehen das andere: vielleicht einfach mal vorbei gehen und angucken, soweit mir bekannt machen die pädagogen an den parzivalschulen sehr gute arbeit, verstehen es unter anderem, kinder zu disziplinieren und zu höherer achtsamkeit untereinander zu bewegen. zudem ist das persönliche engagement vor ort mit keiner staatsschule zu vergleichen, die pädagogen und betreuer verstehen sich als solche auch über ihre vertraglichen verpflichtungen hinaus. das schulkonzept ist zudem kein rein waldorfsches, sondern angelehnt an das staatliche.
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  •   Bummskopp
    (16 Beiträge)

    19.01.2016 13:21
    Das ist wahrscheinlich richtig.
    Die Person aus dem Kreise derjenigen, die im Rahmen der vom Artikel beschriebenen Thematik mit Sicherheit die beste Arbeit machen, ist im Gegensatz zu Ministern, Vorständen und Direktoren in der Bildunterschrift auch nicht erwähnt.
    Ja, ich meine die Pädagogin.
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  •   hermann07
    (43 Beiträge)

    19.01.2016 14:39
    ich bin froh darüber,
    dass ein solches am schüler mit leiderfahrung, sei es an staatsschulen, sei es als flüchtling oder in der familie, orientiertes konzept hier in bw überhaupt soviel unterstützung erhält. nicht jeder, der minister, vorstand oder direktor als titel trägt, ist für eine solche aufgabe geeignet denn überhaupt gewillt und genau das muss man den pädagogen der parzivalschulen hoch anrechnen. Im übrigen lässt der ansatz, indem er zweigleissig fährt, jederzeit die möglichkeit zum wechsel an staatsschulen zu.
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  •   R.Dogan
    (243 Beiträge)

    19.01.2016 22:52
    Schau dir mal das Foto an (die Tafel).
    Selbst die lernen Groß- und Kleinschreibung.
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  •   lynx1984
    (2467 Beiträge)

    19.01.2016 10:27
    Sehe ich kritisch
    Hier werden die Kinder in der Parzival Schule unterrichtet, welche mehrere staatlich anerkannte Schulen in freier Trägerschaft anbietet. Mit anderen Worten: Das Ding ist eine Privatschule.
    Zitat von http://www.parzival-zentrum.de/faq/ Für die anderen Kinder (ohne Förderbescheid) belaufen die Kosten in der Regel € 200,- monatlich bzw. werden individuell vereinbart.
    und diese wird dem Land die vermeintliche Integration nach dem päd. Konzept nach Steiner fürstlich bezahlen lassen.
    Ob gerade die Flüchtlingskinder hierdurch eine bessere Integration als an Regelschulen haben wage ich sehr zu bezweifeln.
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  •   bettiperrosmiamor
    (161 Beiträge)

    19.01.2016 09:39
    Inklusion
    ist nicht der richtige Weg. Dabei bleiben einige auf der Strecke! Jeder Schüler sollte in einer für ihn passenden Klasse unterrichtet werden. Begabte mit Unterbelichteten in einen Sack zu stecken, finde ich diskriminierend, denn da gibt es immer Verlierer! Besser ist es, wenn jeder nach seiner speziellen Begabung gefördert wird. Ich bin fürSonder-und Förderschulen!
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  •   battlefield
    (221 Beiträge)

    19.01.2016 14:04
    Auf solche Privatschulen
    schicken bestimmte Leute ihre Kinder weil sie an den Regelschulen nicht mitkommen würden. Das dürfte der wesentliche Grund für die Existenz dieser Schulen sein.
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