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22.05.2005 03:00
 
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Fließend Wasser Mangelware - Karlsruher in Nicaragua [0]

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Sauberes Wasser nur für Reiche?
(Foto: Sebastian Erb)
Flüsse, Lagunen, das Meer und ganz viel Regen: Wasser gibt es eigentlich genug. Aber nicht genügend von dem, das keine Krankheiten verursacht. Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.

Oft hat man den Eindruck, es gebe mehr Wasser als Land in der Region. Im Osten das Meer, dann kommen viele Lagunen und Flüsse. Es gibt so viel Wasser, dass das Boot ein mindestens gleichberechtigtes Verkehrsmittel neben dem Bus und Lastwagen ist. Viele Orte erreicht man auf dem Landweg gar nicht oder nur schwer. Mit den pangas, kleinen Booten mit Außenbordmotor dagegen schon. Dann ist da noch der Regen: Ein heftiger Guss in Deutschland mag hier höchstens als kleiner Schauer gelten - es sind wahre Wassermassen, die da vom Himmel strömen.

Was aber das Wasser aus der Leitung angeht: Es gibt zwar ein Leitungsnetz, das allerdings hat mit dem Wachstum der Stadt nicht mithalten können. Viele Stadtteile haben keinen Zugang zu Leitungswasser, und selbst, wenn der Anschluss besteht, bringt das nicht unbedingt was. Oft kommt einfach kein Wasser aus dem Hahn, besonders im Sommer, der trockeneren Jahreszeit, die gerade zu Ende geht. Und wirklich gut aufbereitet ist das Wasser auch nicht.

Abkochen würde helfen

"Wir haben kein fließend Wasser", sagt die junge Frau ziemlich aufgebracht. Und auch keinen Brunnen vor dem Haus, aus dem viele das nötige Wasser schöpfen. Deshalb nimmt sie mehrmals am Tag ihr Kind an die Hand und läuft ein ganzes Stück zu einem anderen Brunnen, an dem sie freundlicherweise ihren Wasserbedarf stillen darf: Wasser zum Waschen, Putzen, Geschirr spülen, aber auch zum Kochen und Trinken. Genau da fängt das Problem an. Im Wasser befinden sich allerlei Bakterien und Viren, die sich bei dem warmen Klima schnell vermehren. An manche gewöhnt sich der Körper rasch, andere können gefährlich werden. Die Kinder bekommen Durchfall, und auch die Erwachsenen werden immer wieder krank. Abkochen des Wassers würde helfen, wird allerdings kaum praktiziert. Ist wohl zu umständlich, das Gas zu teuer und wahrscheinlich fehlt einfach auch die Kenntnis darüber.

Brunnen in einem Dorf: Fließendes Wasser gibt es nicht einmal in der ganzen Stadt (Foto: Sebastian Erb)
Bekomme ich irgendwo etwas zu Trinken angeboten stehe ich immer vor der Frage: Trinken oder nicht? Schon allein aus Fragen der Höflichkeit ist eine hundertprozentige Sicherheit utopisch. Wenn ich in Dörfern unterwegs bin, bereite ich das Wasser mit einem speziellen Filter auf. Die Frau aus dem Stadtteil weiß um die Problematik von unsauberem Wasser: "Das Rathaus soll sich darum endlich mal kümmern."

Doch dort fühlt man sich gar nicht so richtig zuständig, das sei nämlich der staatliche Wasserversorger ENACAL. Der ist in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil seine Privatisierung zur Debatte steht. Dagegen gab es heftige Proteste im Land. Die Leute haben Angst, dass dann alles noch viel schlimmer wird.

Für den, der Geld hat, ist alles kein größeres Problem, denn Trinkwasser gibt es zu kaufen: Nationale Markenware im Supermarkt oder die lokale Alternative. Vor gut zehn jahren hat die Iglesia Mirava ein Projekt zur Wasseraufbereitung gestartet. Seitdem betreiben sie eine kleine Firma, die gereinigtes Wasser verkauft. Dafür verantwortlich, dass das erfrischende Nass immer schön sprudelt, ist Hokel García. Er, den alle liebevoll "den Dicken" nennen, sitzt neben dem Abfüllhahn und braucht ein bisschen Anlauf, bis er mit großen Worten auf die Vorteile seines Wassers zu sprechen kommt.

Der Regen bringt auch Probleme mit sich

Regentag: Wasser gibt es eigentlich genug (Foto: Sebastian Erb)
Stolz erklärt er dann, dass das Wasser, aus rund 60 Meter Tiefe nach oben gepumpt, erst mit Chlor desinfiziert wird und dann durch drei verschiedene Filter gejagt wird, dass ja kein Keim zuviel überlebt. Das fertige Produkt heißt dann "Pura Laya", eine Wortkombination aus Spanisch und Miskito, zu deutsch: reines Wasser. Die Gallone, knapp vier Liter, kostet rund 60 Cent, das Auffüllen des eigenen 20 Liter-Eimers einen Euro. Das kann sich nicht jeder leisten. Manchmal, sagt Hokel, verschenke er auch Wasser an die Leute aus dem Barrio.

Jetzt, wo der mittelamerikanische Winter beginnt, werden alle Brunnen schnell wieder volllaufen. Die Leute stellen bei Regen Eimer und Fässer vor die Tür, um Wasser aufzufangen. Eine vergleichsweise gute Methode. Doch der Regen hat ganz klar seine negativen Seiten: Er bringt nicht nur Schlamm und unpassierbare Straßen mit sich, sondern auch ein weiteres Problem: Die Latrinen im Garten füllen sich mit Wasser, bis dann alles darin schwimmt, was man eigentlich loswerden wollte...

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