72  

Karlsruhe Fahren bald wieder Autos über den Karlsruher Bahnhofvorplatz?

Der östliche Teil des Bahnhofvorplatzes ist seit einigen Jahren für den Durchgangsverkehr gesperrt - er gilt seit Juni 2008 als autofreie Zone. Das gefällt der Karlsruher CDU-Fraktion im Gemeinderat überhaupt nicht. In einem Antrag forderten die Stadträte, dort eine verkehrsberuhigte Straße einzurichten. Mitstreiter fanden sich bei der FDP, der Karlsruher Liste (KAL) und den freien Wählern - wenn auch mit abweichenden Lösungsvorschlägen. Entschieden hat der Gemeinderat aber vorerst nichts.

Im Juni 2008 begann alles mit einem einjährigen Testlauf: Der Platz zwischen Bahnhofstraße und Am Stadtgarten wurde für den Autoverkehr gesperrt.

CDU fordert verkehrsberuhigte Straße

Damit sollte der östliche Teil der Bahnhofvorplatzes entlastet und die Autos auf die Südseite des Bahnhofs verlagert werden. Den über 6.000 Fußgängern täglich steht seither die Möglichkeit offen, den Platz auf voller Breite zu queren. Der Versuch verlief damals zur Zufriedenheit der Stadtverwaltung, denn gleich im März 2009 wurde das anfängliche Provisorium dauerhaft eingerichtet. Nun wollen sich die Fraktionen von CDU, FDP, KAL und die Freien Wähler jedoch dafür einsetzen, dass eine autofreundlichere Lösung für die Zukunft gefunden wird.

"Wir möchten eine verkehrsberuhigte Straße entlang des Hauptbahnhofvorplatzes auf der Ladenseite einrichten, die für den Pkw-Verkehr freigegeben werden kann", erklärte die CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz unlängst in einer Pressemitteilung. Nach Ansicht ihrer Fraktion hätten die Geschäfte am Platz massive Umsatzeinbußen zu erleiden, seitdem der Vorplatz nicht mehr befahren werden dürfe. Dies treffe alle dort ansässigen Einzelhändler, Gewerbetreibende und Praxen und sei bereits aus einer Anfrage der Freien Wähler aus dem Dezember 2011 hervorgegangen.

Nicht akzeptabel sei auch, dass mobilitätseingeschränkte Personen die Arztpraxen nicht mehr mit ihrem Auto erreichen könnten. "Außerdem fahren immer noch verbotenerweise Autos durch", betonte Ingo Wellenreuther (CDU), weil offenbar der Bedarf dieser Route bestehe. Gleichzeitig forderte Wellenreuther, dass der Knackpunkt "Busverkehr" gelöst werden müsse, dort entstehe eine unübersichtliche Situation für alle Verkehrsteilnehmer. Unterstützung bekam er von Lüpo Cramer (KAL). Dieser wies darauf hin, dass der Platz sowieso nicht verkehrsfrei sei, weil auch jetzt Busse und Taxis dort fahren dürften.

KAL schlägt "Shared Space" vor

Cramer hielt einen Verkehrsversuch für unausweichlich, und schlug vor, anschließend zum Beispiel einen "Shared Space" einzurichten - dies hatten auch die Freien Wähler 2011 angeregt. Bei diesem Modell sollen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sein, auf Verkehrszeichen, Ampeln oder Fahrbahnmarkierungen wird verzichtet. Dieser Weg weg von der "Überregulierung" des Verkehrsraumes soll den öffentlichen Straßenraum lebenswerter und sicherer machen sowie den Verkehrsfluss verbessern.

Auch die FDP befürwortet grundsätzlich eine Öffnung des Bahnhofvorplatzes. Allerdings halten die Liberalen die von der CDU vorgeschlagene verkehrsberuhigte Zone nicht für das geeignete Mittel. "Schrittgeschwindigkeit auf diesem langen Abschnitt ist kaum umsetzbar", betonte auch Bürgermeister Michael Obert. In einem Änderunsgantrag plädiert die FDP-Fraktion stattdessen für eine 30er-Zone - zuvor wollen sie die offenen Fragen im Planungsausschuss besprochen sehen. "Dort könnte man noch ein bisschen Klarheit in die Verwirrung bringen", meinte Stadtrat Tom Hoyem.

Antrag an Planungsausschuss verwiesen

Diesem Vorschlag folgte auch die Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Heinz Fenrich verband diese Weiterleitung mit einer Forderung nach sorgfältiger Vorbereitung für die Diskussion im Ausschuss. "Wir dürfen auch nicht immer nur auf alten Standpunkten beharren, sondern müssen offen alle Möglichkeiten untersuchen - auch im Hinblick auf den Ausbau des ÖPNV in der Zukunft", sagte er.

Gänzlich gegen eine Öffnung des Platzes hatten sich zuvor die Fraktionen der Grünen und der SPD ausgesprochen. "Es war ein Segen, als diese Straße zugemacht wurde", so Grünen-Stadtrat Johannes Honne. Auch Michael Zeh von der SPD konnte kein Probelm darin erkennen, dass Kunden 200 Meter zu Geschäften und Praxen laufen müssten.

Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) planen, die Haltestelle Hauptbahnhof barrierefrei auszubauen. Für die gestalterische Umsetzung lobten die VBK einen europaweiten Wettbewerb für Architekten und Stadtplaner aus, deren Preisträger 2008 bekannt gegeben wurden. Alle Bahnsteige sollen nach dem Umbau auf gleicher Höhe liegen, gleichzeitig sollen die Fahrgäste eben in alle Bahnen einsteigen können. Teil der Umgestaltung ist auch die Verlegung der Bushaltestellen in die Victor-Gollancz-Straße. Nach dem Stadtfest, also frühestens ab Herbst 2015, soll mit dem Umbau begonnen werden, wie die Verkehrsbetriebe auf ka-news-Anfrage mitteilen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (72)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!