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15.01.2016 07:00
 
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"Er wirkte völlig normal": Wie eine Karlsruherin Opfer von Stalking wurde [5]

Bild:ps

Karlsruhe (Ramona Holdenried) - Unzählige SMS, nächtliche Anrufe oder Schatten, die um das Haus schleichen - Stalking hat viele Gesichter. Erst seit 2007 steht das beharrliche Nachstellen unter Strafe. Dabei sind nicht nur Prominente Opfer: Der Fall einer Karlsruherin zeigt, wie Psychospiele den Alltag zur Hölle machen können. Mit diesem Schicksal ist sie nicht allein.
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Bettina K* (Name von der Redaktion geändert) weiß nicht mehr weiter. Sie kann nicht mehr schlafen, nicht mehr essen, sie überlegt sogar, den Job zu wechseln. Die Karlsruherin hat Angst - und zwar vor einem Arbeitskollegen. Heute war schon wieder eine Email von ihm im Postfach. Das ist an sich nichts Neues, denn er schreibt ihr schon seit rund drei Monaten mehrmals die Woche. Angefangen hatte es alles ganz harmlos, auch wenn sie von Anfang an ein komisches Gefühl bei ihm hatte. Immerhin ist er verheiratet.

Wenn sie ihn bei Geschäftsterminen trifft, wirkt er völlig normal. In seinen Mails benimmt er sich aber schon lange nicht mehr wie ein erwachsener Mensch. Eine Freundin hatte ihr geraten, zur Polizei zu gehen. Doch Bettina hat Angst davor, dass das Ganze noch weiter ausarten könnte. Aber die Email wirft sie komplett aus der Fassung: Sie ist obszön, er droht ihr sogar. Bettina ist sich nun sicher: Sie wird von einem Stalker belästigt.

"Grundsätzlich kann es jeden treffen"

Die Karlsruherin Bettina K. ist mit ihrer Geschichte kein Einzelfall. 2014 erfasste die Polizei in Deutschland  insgesamt 21.857 Fälle von Nachstellung, auch Stalking genannt. Auch in Karlsruhe beschäftigten sich die Beamten mit Stalkern: "Im Jahr 2014 gab es im Stadtkreis Karlsruhe 54 Fälle von Nachstellung", erklärt eine Pressesprecherin der Karlsruher Polizei auf Nachfrage von ka-news. Wie viele Menschen in der Fächerstadt tatsächlich von Stalkern verfolgt werden, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch, erklärt Angelika Traub, Sozialpädagogin und Beraterin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF).

Seit 1981 können Frauen hier Hilfestellung und Beratung bei Partnerschaftsproblemen oder häuslicher Gewalt bekommen. Seit Anfang 2000 ist auch Stalking ein Arbeitsbereich des SkF. Rund 25 Frauen pro Jahr betreuen die Beraterinnen - unter anderem auch den Fall von Bettina K. "Dieser Fall ist geradezu typisch für Stalking", erklärt Traub gegenüber ka-news. Als Beratungsstelle für Frauen habe man es beim SkF vor allem mit Fällen zu tun, in denen ein Partner oder Ehemann eine Trennung nicht akzeptieren würden.

Stalking

(Beraterin Angelika Traub erreichen immer wieder Anrufe von Frauen, die sich von Stalkern verfolgt fühlen.)

Dass aber ausschließlich männliche Täter weiblichen Opfern nachstellen würden, sei ein Mythos. Das bestätigt auch die Karlsruher Polizei: Von insgesamt 57 Personen, die 2014 Anzeige wegen Nachstellung erstattet hätten, seien neun Personen Männer gewesen. "Grundsätzlich kann jeder Opfer eines Stalkers werden - sogar, ohne dass man irgendetwas getan hat", erklärt Traub. So sei es auch Bettina K. ergangen, die nur flüchtigen Kontakt mit ihrem Stalker hatte. Man müsse allerdings zwischen verschiedenen Formen des Stalkings unterscheiden, so die Beraterin.

Dass ein Verlassener nach einer Trennung vermehrt den Kontakt zu seinem ehemaligen Partner suche, lasse sich immer wieder beobachten. Traub spricht hier vom sogenannten "Trennungsstalking": "Das kann sich in Form von vermehrten Anrufen oder SMS äußern. Es ist auch schon vorgekommen, dass der Partner an der Haltestelle abgefangen oder Bekannte ausgefragt wurden", schildert die Expertin, "so etwas hört in der Regel aber nach kurzer Zeit wieder auf."

Dauert die Belästigung länger an, könne man von "richtigem Stalking" sprechen. Für die Opfer hat ein Stalking weitreichende Folgen: Angstzustände, Panikattacken, Misstrauen, Essstörungen  oder auch Depressionen sind häufige Folgen. "Die Opfer bekommen psychische Probleme, die sie ohne Stalking niemals entwickelt hätten", so Traub. Und auch das "Trennungsstalking" laufe für die Opfer nicht immer harmlos ab: "Es kann auch in den ersten zwei Monaten nach der Trennung in einzelnen Fällen zu Angriffen oder sogar zu Tötungsdelikten kommen", schildert die Beraterin.

Opfer müssen Nachstellung beweisen können

Akzeptieren muss das Opfer Belästigungen nicht. Nachstellung ist nach Paragraph 238 StGB eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet wird. Entscheidend für die Nachstellung ist, dass der Täter sein Opfer beharrlich verfolgt und es damit in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt - und genau hier liegt das Problem für die Opfer, weiß die Karlsruher Anwältin Stephanie Vogt, die sich unter anderem auf Stalking spezialisiert hat. "Es ist eine Knochenarbeit, eine Nachstellung nachzuweisen", erklärt sie, "am besten gelingt dies, indem Beweissicherung betrieben, die Schädigungsfolgen notiert und ein Stalkingtagebuch geführt wird." Ob die Beharrlichkeit gegeben ist, hänge immer vom Einzelfall ab. Auch sei zu beachten, dass das Opfer die Kontaktaufnahme ausdrücklich und unmissverständlich untersagen sollte, damit ein Verstoß gegen Paragraph 238 StGB geahndet werden kann.

Die Polizei wiederum kann aber nach eigener Aussage erst tätig werden, wenn das Opfer Anzeige erstellt. "Dann bearbeitet die Polizei die Anzeige gemäß Paragraph 238 und legt sie dann der zuständigen Staatsanwaltschaft vor", so die Pressesprecherin. Die Beamten könnten auch einen kurzfristigen Platzverweis aussprechen und diesen bei Bedarf verlängern. "Neben Nachstellung können aber auch weitere Straftatbestände erfüllt sein wie zum Beispiel Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung oder Hausfriedensbruch", erklärt die Polizeisprecherin. "Dass Opfer von ihren Stalkern verletzt werden, kommt zum Glück eher selten vor", meint Traub.

Betroffenen rät sie nicht nur, den Kontakt abzubrechen, sondern auch die Polizei zu Rate zu ziehen oder auf zivilrechtlichem Weg ein Näherungs- oder Kontaktverbot zu erwirken. "Das Schlimmste, was als Stalkingopfer tun kann, ist, den Kontakt am Leben zu halten", mahnt die SkF-Beraterin. Vielmehr sollte dem Stalker einmalig eine eindeutige Grenze gesetzt werden. Zu diesem Schritt hat sich nun auch die Karlsruherin Bettina K. entschlossen. "Sie hat beschlossen, ihm in Anwesenheit einer Freundin ganz deutlich zu machen, dass sie keinen Kontakt mehr will", erzählt Traub. Sollte das nichts helfen, will die Karlsruherin zur Polizei gehen.

Von einem Stalker belästigt? Das können Betroffene tun:

Der Begriff "Stalking" ist vom englischen Verb "to stalk" abgeleitet, das "anpirschen" oder "sich anschleichen" bedeutet. 2007 wurde der spezielle Tatbestand "Nachstellung" unter Paragraph 238 ins Strafgesetzbuch eingefügt. Betroffenen gibt die Polizei folgende Ratschläge:
 

  • Machen Sie dem Stalker sofort und unmissverständlich klar, dass Sie keinerlei Kontakt mehr wünschen. Bleiben Sie konsequent!
  • Öffentlichkeit kann Sie schützen: Informieren Sie Ihr gesamtes Umfeld (z. B. Ihre Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn), wenn Sie Opfer eines Stalkers geworden sind.
  • Bei einer akuten Bedrohung (z. B. wenn der Stalker Sie verfolgt, in Ihre Wohnung eindringt, ein Angriff bevorsteht) alarmieren Sie die Polizei über den Notruf 110.
  • Verfolgt Sie ein Stalker im Auto, fahren Sie zur nächsten Polizeidienststelle.
  • Dokumentieren Sie alles, was der Stalker schickt, mitteilt oder unternimmt in einem Kalender, damit Sie, falls erforderlich, Fakten und Beweismittel haben.
  • Persönliche Daten gehören nicht in den Hausmüll! Gehen Sie sorgsam mit Unterlagen um, auf denen sich Ihre persönlichen Daten befinden (z. B. Briefpost, Katalogsendungen, Werbebroschüren, Zeitschriften-Abonnements).
  • Lassen Sie sich bei Telefonterror und anderen Stalking- Handlungen, z. B. via PC (sog. Cyber-Stalking), über technische Schutzmöglichkeiten (geheime Rufnummern, Fangschaltung, Anrufbeantworter, Handy, Zweitanschlüsse, E-Mail-Adresse etc.) beraten.
  • Wenden Sie sich an eine Opferhilfeeinrichtung.
  • Teilen Sie Personen Ihres Vertrauens Ihre Sorgen und Ängste mit. Scheuen Sie sich nicht, bei Gesundheitsproblemen ärztliche und/oder psychotherapeutische Hilfseinrichtungen aufzusuchen.
  • Es hilft, Anzeige bei der Polizei zu erstatten! Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat sich gezeigt, dass vor allem schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizei gegen den Stalker Wirkung zeigt und die Belästigungen nach einer Anzeige häufig aufhören.
  • Um sich vor Stalking zu schützen, können Sie beim Familiengericht eine "Einstweilige Verfügung/Schutzanordnung" nach dem Gewaltschutzgesetz beantragen.
Weitere Informationen finden Sie hier. (Link führt auf externe Seite.) Informationen über die Beratung des SkF gibt es hier.
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Mehr zu: Karlsruhe Stalking "Polizei Karlsruhe" Hilfe Beratung

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:

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BAMF


Kommentare [5]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (104 Beiträge) | 15.01.2016 14:28
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    Busfahrer
    können da ein Lied von singen...
  • (512 Beiträge) | 15.01.2016 12:28
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    So einem Typ
    würde ich selbst die Hölle heiß machen. E-mails vom Kollegen gingen an
    die Geschäftsleitung, die Ehefrau dieses Stalkers und die Polizei würde
    ich sofort auch einschalten. Entweder wäre dann Ruhe oder er würde
    zwischenzeitlich stadtbekannt vor dem Gericht landen.
    Die BILD ist doch an solchen Storys auch immer brennend interessiert.
    Dort anrufen und melden.
  • (416 Beiträge) | 15.01.2016 11:20
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    Na, wo bleibt se denn?
    Ich warte auf eine mehrseitige Endlosschleife die eigentlich jeder kennt.
  • unbekannt
    (216 Beiträge) | 15.01.2016 11:30
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    Immer mehr kranke Menschen
    Gebaut vom Umfeld, den Medien und dem Internet. Was denken sich manche Typen eigentlich ? Das die Mädels einen dann mögen ? Oder sie wissen das sie nicht gemocht worden und müssen auch noch dauerhaft zeigen "warum" das so ist ? Oder sie wollen den Mädels einfach nur auf den Sack gehen. Gibt schon brutale vollidioten bei denen schon von Kind auf zuviel versäumt wurde. Jetzt muss die Gesellschaft sich mit diesen Typen rummschlagen. Juchu! Das schafft Arbeitsplätze. Sowohl für Ihn als auch für Sie. Sprich, diese kranken Typen halten unser System am Laufen, so blöd wie es klingt.
  • (104 Beiträge) | 16.01.2016 04:37
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    Naja,
    ob die die die aus der Spur Geratenen behandeln massgeblich zur Wertschöpfungskette beitragen darf bezweifelt werden. Die sind ja meist selbst nicht so ganz auf der Höhe.
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