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11.01.2016 06:00
 
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Ein Jahr Mindestlohn: Es gibt viel zu viele Hintertüren! [11]

(Symbolbild)
Bild:(ver.di/NGG)

Karlsruhe (Ein Kommentar von Melanie Nees) - Ein Jahr Mindestlohn = ein Jahr gerechte Bezahlung in Deutschland? Leider nicht. Das Gesetz beinhaltet viele Ausnahmen. Diese Hintertürchen nutzen zahlreiche Unternehmen beherzt und schamlos aus. Das zeigen etwa die Erfahrungen einer Karlsruher Zeitungszustellerin und Stellenausschreibungen für Praktikanten. Wenn schon Sonderregelungen nötig sind, dann bitte etwas sinnvollere.
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Die Karlsruherin Esther Buhmann arbeitete als Zeitungszustellerin für einen großen deutschen Verlag. Zum Ende des Jahres wurde ihr gekündigt, wie vielen weiteren Zustellern aus der Fächerstadt und ganz Deutschland. Der Verlag hat sie und ihre Kollegen durch Minderjährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung ersetzt, denen kein Mindestlohn zusteht und kann weiter seine 10 Cent pro Zeitschrift zahlen.

Dabei hätte der Verlag Buhmann und Co. ab 2015 noch nicht einmal die vollen 8,50 Euro bezahlen müssen, sondern nur 6,38 Euro pro Stunde, also 75 des Mindestlohns - wie es die Sonderregelung für Zeitungszusteller vorgibt. Aber wozu die Mühe, wenn man stattdessen dank einer der vielen Ausnahmeregelungen Minderjährige unterbezahlen kann? 

Genau so niedrige Praktikanten-Löhne wie zuvor

Ähnliches spielt sich im Bereich der Praktika ab. Auch hier gibt es eine Ausnahme, die Unternehmen ganz einfach in Anspruch nehmen können. Mindestlohn muss lediglich bei freiwilligen Praktika, die länger als drei Monate dauern, gezahlt werden, nicht jedoch bei Pflichtpraktika im Rahmen einer (Schul-)Ausbildung oder eines Studiums. Die Folge: In einer breiten Mehrheit der Stellenausschreibungen sind nur noch Schüler, Azubis und Studenten gesucht, die eine Pflichtpraktikumsbescheinigung vorlegen können. Ihnen darf man weiterhin ohne Konsequenzen 500 Euro, 200 Euro oder gleich gar nichts zahlen.

Selbst die klassischen 500 Euro sind noch nicht einmal die Hälfte des Mindestlohns, der bei einer Vollzeitstelle rund 1.400 Euro brutto im Monat beträgt. Als Absolvent hat man nun nur noch eine verschwindend kleine Chance auf eine Praktikumsstelle. Müssten bei allen Praktika die 8,50 Euro gezahlt werden, würden viele Unternehmen wahrscheinlich einfach keine mehr ausschreiben. Das will auch niemand. 

Sonderregelungen ohne Hintertürchen

Wenn der Mindestlohn so meilenweit entfernt ist von dem, was bisher bezahlt wurde, sollte man besser eine andere Art von Ausnahmeregelungen finden. Die meisten Praktikanten würden sich wahrscheinlich bereits über 700 Euro im Monat glücklich schätzen - besser als nichts, im wahrsten Sinne des Wortes. Warum also nicht beispielsweise 4,50 Euro als Mindestlohn für Praktikanten? 

Geht man bei Zeitungszustellern wie die Karlsruherin Buhmann, die 10 Cent pro Stück verdiente, davon aus, dass sie pro Stunde 30 Zeitschriften schaffte, kommt man auf drei Euro pro Stunde. Seit 2015 müssen Verlage schlagartig das Doppelte bezahlen. Klar, dass man sich davor drückt, wenn man kann und ein zurückhaltendes Gewissen hat.

Auch bei den Zeitungszustellern bringt ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wohl mehr als ein großer, den viele einfach nicht gehen, sondern stattdessen das Hintertürchen Ausnahmeregelung nutzen. Wenn schon gesetzliche Vorgaben machen, dann richtig, nicht so, dass man sie auch einfach umgehen kann, wenn sie einem nicht passen. 

 

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Kommentare [11]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (1465 Beiträge) | 11.01.2016 15:07
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    Es gibt überhaupt keinen Mindestlohn!
    Für mich ist ein Mindestlohn ein Lohn der nicht unterschritten werden darf und zwar ohne Ausnahme!
    Bald haben wir eine Million Flüchtlinge , die bald Langzeitarbeitslose sind und dann ausgenutzt werden können.Was kommt ist doch voraussehbar!
    Unser ganzes System ist krank, weil reiche Menschen bevorzugt werden.Kapital wird weniger versteuert wird, als der Lohn!
    Soziale Gerechtigkeit gibt es nicht, obwohl man im Grundgesetz davon ausgeht, das alle Menschen gleich sind!
  • (2296 Beiträge) | 11.01.2016 13:55
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    es ist einfach so
    macht man das ohne Ausnahmen muss man es akzeptieren das es auf einmal viele Entlassungen gibt..... das ist Hart, manche Branchen werden sterben, im laufe der Jahre wird sich das ausgleichen. Verlierer sind eben die Firmen die Sterben und die die entlassen werden. Vieleicht finden die die entlassen werden mit ihrem können dann ja nen 8,50€ job.... oder leben eben auf Hartz4.

    Macht man Ausnahmen darf man sich nicht beschweren das Firmen diese auch nutzen, und wer eben keine Ausnahme ist (also in der Regel die die es am nötigsten haben) verlieren ihren Job am ehesten (dafür bleibt der Student, der Langzeitarbeitslose etc.... bzw. es werden sogar weitere eingestellt).

    Das Leben ist kein Ponnyhof... es gibt entweder / oder.... beides mit Vor- und Nachteilen.
  • (192 Beiträge) | 11.01.2016 13:24
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    Diese Heuschrecken
    von Leihbuden gehören schlichtweg verboten was die SPD eingeführt hat.
    Da machen sich Firmen auf Kosten der Arbeitnehmer einen schlanken Fuß um ihre Lohnkosten zu senken.
  • (2296 Beiträge) | 11.01.2016 13:49
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    wer
    in Leiharbeitsfirmen arbeitet ist nur zu doof nen Gewerbeschein zu beantragen und sich selbst zu vermarkten.
  • (22 Beiträge) | 11.01.2016 12:49
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    jede
    medaille hat bekanntlich zwei seiten,solange es keinen gesetzlichen höchstlohn gibt,halte ich persönlich den mindestlohn für gesetzwidrich.
    aber mit unseren lobbyistischen großverdienern legt sich unsre
    "kriminelle vereinigung" natürlich nicht an.
    zumal es sonst wahrscheinlich auch den einen oder anderen politiker
    treffen würde.
    klaus butzer
  • (2296 Beiträge) | 11.01.2016 13:50
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    marktwirtschaft
    Wenn es jemand zahlt ist es dem Arbeitgeber die Leistung wert.... (auch wenn manche Wertvorstellungen seltsam sind grinsen).
  • (2 Beiträge) | 11.01.2016 10:16
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    Ähem
    2 Artikel, ein Einzelfallbericht und eine "Diskussion", die auf diesen Fall Bezug nimmt....
    -Klar: jedes Schicksal zählt. Wenn hier jemand seinen Arbeitsplatz verliert und das direkt auf den Mindestlohn zurückzuführen ist, ist das alles andere als ein Grund zum Jubilieren.
    Dennoch bleibt doch das positive Gesamtfazit festzuhalten.
    Wenn ich daran denke, was es für ein K(r)ampf war, endlich zu einem gesetzlichen Mindestlohn zu kommen, welche Horrorszenarien von Massenentlassungen und Unternehmenspleiten beschworen wurden... und nun ist quasi NICHTS passiert, außer das viele Menschen etwas weniger ausgebeutet werden.
    Wenn es um künftige Nachjustierungen am Mindestlohngesetz geht, dann zeigt dieser Einzelfall (bzw.diese bestimmte Branche) doch, wenn überhaupt", nur auf, dass es zu viele Ausnahmeregelungen gibt, die man geschaffen hat um die Panikmachenden und -bekommenden zu besänftigen.
    Zum Glück hat die hier Betroffene selbst erkannt, das sie für diese 3€-Geier nicht mehr arbeiten will.
  • (192 Beiträge) | 11.01.2016 14:28
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    Das kann ich so nicht
    nachvollziehen.
    Das es zuviele Schlupflöcher gibt um den Mindestlohn zuumgehen ist richtig.Das ganze war dafür gedacht um Produktionsspitzen abzubauen.
    Man sollte sich mal ein Beispiel an Frankreich nehmen.
    Dort werden diese Leute gerade weil sie flexibel sind besser entlohnt wie Stammkräfte.Aber das ist in Deutschland nicht gewollt.
    Denn längst bestimmt die Wirtschaftslobby was die Regierung zu tun und zu unterlassen hat.Es geht sogar soweit,daß Lobbyistenverbände an Gesetzesvorlagen mitarbeiten und diese zugunsten der Wirtschaft verabschiedet werden.
  • (2296 Beiträge) | 11.01.2016 13:47
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    vieleicht
    sind ja auch die Supermarktgeier schuld die den Firmen die die Sachen austragen nicht mehr dafür zahlen wollen... oder vieleicht können sie es nicht? dann sind die Kundengeier schuld die ständig sparen und nix ausgeben wollen.... oder sie können nicht? dann sind die Chefgeier schuld die viel zu wenig zahlen... womit wir wieder am Anfang des Kreises wären grinsen
  • (617 Beiträge) | 11.01.2016 09:21
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    ..........wenn minderjährige Schüler für
    einen Stückpreis Zeitung austragen, dann sind sie nicht unterbezahlt sondern stocken damit ihr Taschengeld auf, was im Übrigen eine lange Tradition hat. Das ist für mich nach wie vor ok. Was daran stört ist der Umstand, daß eine langjährige Zustellerin deswegen die Beschäftigung verliert.
  • (22 Beiträge) | 11.01.2016 09:03
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    Print is dead
    "Print is dead"
    Egon Spengler, 1984
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