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Karlsruhe Drogerie-Pleite: Karlsruher Schlecker-Frauen bitten um Solidarität

Mit mehreren Aktionen im Südwesten hat die Gewerkschaft Verdi am Internationalen Frauentag zu Solidarität mit den Schlecker-Mitarbeiterinnen aufgerufen. In Stuttgart versammelten sich am Donnerstag nach Verdi-Angaben rund 300 Frauen auf dem Schlossplatz. Auch auf dem Karlsruher Marktplatz wurde protestiert.

Eine handvoll Karlsruher Schlecker-Beschäftigte, deren Arbeitsplätze akut gefährdet sind, haben sich am Donnerstagmittag auf dem Karlsruher Marktplatz versammelt. "Die Schlecker-Frauen brauchen Ihre Unterstützung", gehen sie auf Passanten zu.

Sonja Anschütz, Verdi-Betriebsratsvorsitzende des Bezirks Karlsruhe und selbst Schlecker-Angestellte, sagte gegenüber ka-news: "Die Verkäufe in den Filialen gehen weiter und es gibt keinen Grund, Einkäufe bei Schlecker zu meiden."

"Die Angestellten können doch nichts für das Mismanagement des Konzerns. Wir haben immer trotz aller Repressalien durch die Geschäftsführung Schlecker die Treue gehalten und gewissenhaft unseren Job gemacht", so die Schlecker-Angestellte. Viele der Schlecker-Frauen arbeiteten seit Jahrzehnten für den Drogeriekonzern. Viele seien über 50 Jahre alt und viele würden keine Chancen mehr sehen einen neuen Job zu finden. Es könne nicht sein, dass die Frauen nun die Zeche für jahrelanges Fehlmanagement bei Schlecker zahlen müssten, kritisiert sie.

"Die Angestellten können nichts dafür"

"Die Angestellte haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Hier stehen Existenzen auf dem Spiel", so Anschütz. Verdi setze sich für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze ein und werde mit den Schelcker-Beschäftigten um jede Existenz kämpfen. Anschütz vertritt etwa 80 Schlecker-Festangestellte in Karlsruhe. Hier gebe es derzeit noch etwa 16 Schlecker-Fililalen. Doch auch hier soll die Hälfte geschlossen werden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte angekündigt, für das Überleben der Drogeriekette 11.750 Jobs streichen und rund 2.400 der bundesweit etwa 5.400 Schlecker-Filialen schließen zu wollen. In Verhandlungen mit Vertretern des Insolvenzverwalters will Verdi erreichen, dass Entlassungen so sozial wie möglich abgefedert werden und strebt unter anderem eine Transfergesellschaft für Betroffene an.

Kampf um die Arbeitsplätze

Auch Landesarbeitsministerin Katrin Altpeter (SPD) rief am Donnerstag dazu auf, den Kampf um die Arbeitsplätze bei der insolventen Drogeriekette nicht verloren zu geben. Nach Angaben von Verdi sollte es neben Karlsruhe und Stuttgart auch Veranstaltungen in Ehingen (Alb-Donau-Kreis), wo Schlecker seinen Hauptsitz hat, sowie in Reutlingen, Pfullendorf, in Filialen am Bodensee und im Schwarzwald-Baar-Kreis sowie in der Region Heilbronn geben.

Derweil zögern die Bundesländer bei der Schlecker-Rettung. Mehrere Bundesländer stehen möglichen staatlichen Finanzhilfen für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker reserviert gegenüber. Eine Umfrage der "Stuttgarter Nachrichten" unter den Wirtschaftsministerien der Länder ergab, dass bisher kaum ein Land aktiv seine Unterstützung anbietet. Von 13 Bundesländern, die an der Umfrage teilgenommen haben, ließen lediglich das Saarland, Thüringen und Hamburg die Bereitschaft erkennen, sich zu beteiligen. Die übrigen Länder wollen noch prüfen, ob die Voraussetzungen vorliegen beziehungsweise reagierten skeptisch.

Staatshilfe für Schlecker?

Der baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) hatte dem Unternehmen Bürgschaften für eine Transfergesellschaft versprochen. Das Angebot gilt auch für den Fall, dass sich ein seriöser Investor zur Rettung des Unternehmens findet. Winfried Kretschmann (Grüne) sieht den Bund in der Pflicht, das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf die Länder. Zuständig sei Baden-Württemberg. Da es Betriebsstätten in fast allen Bundesländern gibt, müssten sich die Länder untereinander über die Verteilung des Risikos einigen.

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Siehe auch:

Schlecker schließt jede zweite Filiale: Karlsruher Beschäftigte tappen im Dunkeln

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  • 0
    unbekannt
    (8066 Beiträge)

    10.03.2012 10:51
    ...seine Verkäuferinnen auf die anderen Läden verteilen müsste...
    Verkäufer_Innen bitte zwinkern

    Problem, Menschen kann man nicht so einfach verteilen.
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  • 0
    unbekannt
    (6808 Beiträge)

    10.03.2012 07:45
    ich finde es
    interessant, dass niemand auf die nahligende Idee kommt,dass wenn der Herr Insovenzverwalter die Hälfte der Filialen schließt, er "nur"! seine Verkäuferinnen auf die anderen Läden verteilen müsste und für alle, die davon betroffen sind, Kurzarbeit beantragt, wie Daimler etc. Hätte den großen Vorteil, dass für die Mitarbeiterinnen zunächst einmal weiterhin das Einkommen in der bisherigen Höhe gesichert wäre, nicht zuviele Steuergelder fließen müssten, mit jedeR, die einen neuen Job findet, die Steuerlast sinkt und über Öffnungszeitenverlängerung etc. viele Arbeitsplätze BEI Schlecker erhalten werden könnten - sowie man ein modernes Konzept auf den Füßen hat.
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  •   ralf
    (3487 Beiträge)

    10.03.2012 15:56
    Jein
    Das mag bestimmt eine interessante Lösung für den städtischen Raum sein. Aber auf dem Land wird es schwierig, wenn die nächste noch geöffnete Filiale kilometerweit entfernt ist, besonders wenn eine Verkäuferin auf den nicht immer gut ausgebauten ÖPNV angewiesen wäre und/oder sich zu bestimmten Zeiten um ihre Familie kümmern muss.
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  • 0
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    10.03.2012 09:17
    Der Herr
    Insolvenzverwalter stopft sich erstmal die Taschen voll. Das Unternehmen das er insolvenzverwaltet interessiert den überhaupt nicht.

    Und ich stimme zu, dass es keine Staatshilfen geben darf. Wo kommen wir denn da hin? Zuerst mal den Anton Schlecker enteignen, das wäre das richtige Signal.
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  •   andi79
    (2471 Beiträge)

    09.03.2012 20:05
    keine Staatshilfen
    nur weil ein konzern pleite geht kann es keine Staatshilfen geben... so schlimm es für die angestellten ist.... wenn 10.000 kleinunternehmen oder mittelständer pleite gehen kräht auch kein hahn danach.. unterm strich sinds genauso viele Arbeitslose. Eine Staatshilfe wäre def. eine ungleibehandung...
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  •   Antichrist
    (1574 Beiträge)

    09.03.2012 13:05
    Im Fall Schlecker hat sich der Markt
    selbst reguliert - und sorry, aber es hat den Richtigen erwischt! Jahrelanges Missmanagement und ignorantes Negativmarketing haben hier zum erwartungsgemäßen Resultat geführt.
    Tragisch für die Mitarbeiter, aber der Staat sollte und darf sich nicht in die freie Marktwirtschaft einmischen! Was wäre das denn für ein Zeichen an die Mitbewerber DM, Rossmann und Müller?
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  •   haku
    (3655 Beiträge)

    09.03.2012 07:41
    Die Arbeitsplätze fallen nicht an einem Ort weg...
    ...sondern übers ganze Land gestreut. Und dafür sind die bestehenden Sozialsysteme ausgelegt. Deshalb keine extra Staatshilfe für Schlecker, bitte. Worüber aber sich die Gesellschaft Geanken machen sollte ist, wie man die ortsnahe Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs auch in kleineren Orten sicherstellt. Da mag es dann Subventionsmodelle geben, aber dann nicht für eine bestimmte Firma, sondern für den, der etwas tut.
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  • 0
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    09.03.2012 13:13
    Nahversorgung auf'm Land
    Ich komme zwar nicht vom Land und ich kann mir auch nicht so wirklich vorstellen wie man dort überhaupt leben kann - von der schönen Natur abgesehen.

    Ich denke das müßten in erster Linie die Leute entscheiden, die damit zu tun haben: die Landbewohner. Wir als Städter können uns da wohl nie so wirklich reindenken was es heißt mitten im Schwarzwald zu leben.

    Was ich aber denke: Die Nahrungsmittelversorgung ist wenigstens über die Sommer- und Herbstmonate sichergestellt, da es dort ja auch Bauern gibt die ihre Dinge auf Wochenmärkten oder so verkaufen. Bei uns muß man dafür in teure Bioläden, wol?

    PS: Land ist für mich: Kaff unter 2.000 Einwohner, keine Bahn, keine Bundesstraße/Autobahn in der Nähe, nächster Supermarkt 10 km, starker bis unverständlicher Dialekt der Heimatbevölkerung zwinkern
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  • 0
    unbekannt
    (3882 Beiträge)

    09.03.2012 12:02
    hier wäre ein Ansatzpunkt
    für die Schleckermärkte.

    Wenn man mit eine Grundangebot an Lebensmittel und Drogerieartikel auf den Markt geht. Wie z.B. die seven-eleven Märkte in Asien.

    Lebensmittel, Getränke, Eis, Süßkram und Chips,, Drogerie, Tabak evt. ein kleines Frischesortiment und das von 7 - 23 Uhr. Lönnte evt. funktionieren.
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  •   Laetschebachschorsch
    (2753 Beiträge)

    09.03.2012 07:40
    Verantwortung oder auch Haftung
    Wenn ich mich selbständig mache und falsch wirtschafte, dann bin ich verantwortlich und hafte mit meinem gesamten Vermögen. Warum gilt dies nicht auch für Kapitalgesellschaften? Wer hat denn zuvor die Gewinne eingestrichen? Dass das schwächste Glied in einer Kette immer auch am schwersten getroffen ist, das ist klar. Aber warum sollen die, die zuvor die Nutznießer waren, nicht auch mit allem was sie haben haften bis sie von der Sozialhilfe leben müssen und erleben, wie es manchen ihrer Arbeitnehmer ergangen ist oder ergeht. Welch ein Bild: Der Chef steht mit seinem Arbeiter zusammen vor dem Hauptbahnhof, auf dem Werderplatz, oder sonst wo und beide haben zusammen gerade mal eine 2-Liter-Flasche Rotwein zu 1,99 € für den Tag.
    Die staatliche Unterstützung durch Sozialhilfe ist ausreichend. Auf der anderen Seite erhält der Staat von Sozialhilfeempfängern keine auch noch so geringen Steuern oder Zinsen, wo durch er dann letztlich auch keine Sozialhilfe mehr zahlen kann.
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