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05.12.2004 03:00
 
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Dreimal täglich Reis mit Bohnen - Karlsruher in Nicaragua [0]

Puerto Cabezas/Karlsruhe pes -
An diesem Essen kommt man nicht vorbei (Foto: Sebastian Erb)
Wie kein anderes Gericht prägt Reis mit Bohnen das Land. Zum Essen gibt's das bis zu dreimal am Tag. Wer mitkochen will, braucht vor allem eines: viel Geduld.
Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.

In der Stadt gibt es ein vergleichsweise breites Angebot an verschiedenen Lebensmitteln. Weiter draußen auf dem Lande allerdings ist der Speiseplan deutlich weniger umfangreich. Neben Kochbananen, Wurzelgemüse und Fisch oder Fleisch gibt es hier vor allem eines: Reis mit Bohnen. Und zwar die kleinen roten oder manchmal auch schwarzen Kidneybohnen, nicht die grünen Schoten wie in Deutschland.

Der Preis des Reis macht keinen heiß (Foto: Sebastian Erb)
"Gallo Pinto", gesprenkelter Hahn, heißt das Gericht auf Spanisch, auf Miskito "rais an bins", aus dem Englischen entlehnt. Es gibt allerdings Varianten: Nicht immer werden der Reis und die Bohnen schon beim Kochen gemischt. Manches Mal werden sie auch getrennt auf dem Teller angerichtet. Die Bohnen sind nicht immer ganz, sondern werden je nachdem auch zu einer Art Brei zerdrückt. Angedünstete Zwiebeln können das Ganze als Zutat bereichern. Ernährungstechnisch ist das Ganze in jedem Fall nicht schlecht: Kohlenhydrate, genügend Eiweiß, Vitamine. Folglich stehen "rais an bins" bis zu dreimal am Tag auf dem Speiseplan. Morgens muss der Reis allerings auch mal frisch gebackenem Brot weichen.

Nach Stunden heißt es "Plun yamni"

Als ich das erste Mal selbst Reis mit Bohnen zubereitete, wurde ich fast ausgelacht. Noch lange nicht fertig seien die Bohnen, noch viel zu hart. Dabei hatte ich sie über eine Stunde kochen lassen. Aber das reicht nicht.

Also machen wir es diesmal richtig, versuchen es zumindest.
Man nehme je nach Hunger eine Menge Bohnen und sortiere erst einmal den ganzen Dreck heraus. Nachdem sie dann auch noch ein Abwaschen über sich ertragen lassen mussten, kommen sie mit viel Wasser und etwas Salz in einen Topf. Den Herd auf eine kleine Flamme gestellt, dann heißt es warten. Zeit genug, um einen ausgiebigen Sparziergang zu machen, die Wäsche zu waschen oder noch Reis zu kaufen. Den braucht man dann nämlich auch bald.

Eine Handvoll Bohnen kann ganz unterschiedlich viel kosten
(Foto: Sebastian Erb)
Nach zwei bis drei Stunden dürften die Bohen dann so langsam fertig sein. Nun wird der Reis (mengenmäßig ein bisschen weniger als die Bohnen) im Bohnentopf mitgekocht. Dadurch, dass der Reis im Bohnensud gekocht wird, erhält er seinen ganz besonderen Geschmack. Wenn dann nach einer knappen halben Stunde das Wasser gewichen ist (durfte natürlich nicht zu viel sein), dann bleibt nur noch "Plun yamni!" zu wünschen, "¡Buen Provecho!", guten Appetit.

Zündstoff Bohnenpreise

Wenn der Einkauf der Zutaten noch im Kopf herumspukt, mag dieser sich manches Mal vielleicht nicht einstellen. Der Reis macht kaum Probleme, die Preise sind stabil. Um die fünf Córdoba kostet das Pfund, das entspricht etwa 25 Cent. Wobei der nationale Reis ein wenig billiger ist und der US-amerikanische ein bisschen feiner und dafür auch etwas teurer.

Bei den Bohnen aber, da ist man vor nichts sicher. Wenn der Preis für die Bohnen in die Höhe schnellt, findet das seinen Platz auf den Titelseiten der nationalen Zeitungen. Es erinnert ein bisschen an die Diskussionen in Deutschland, wenn es um die Benzinpreise geht.

Der Hahn weiß morgens immer schon, was es zu Essen geben wird (Foto: Sebastian Erb)
In den vergangenen Wochen war der Bohnenpreis wieder Thema. 13 Córdoba kostet zur Zeit das Pfund, sagt die Marktverkäuferin Karla Davis. Umgerechnet sind das rund 65 Cent. Der vergleichsweise hohe Preis liege daran, dass es im Moment kaum Ware aus Nicaragua gebe, die Ernten im Gebiet des Río Coco seien schlecht gewesen. "Deshalb kommen die Bohnen nun aus Honduras", sagt Frau Davis. Vor einiger Zeit lag der Preis sogar bei bis zu 20 Córdoba. In dem gleichen Maße, wie der Preis jetzt fällt, steigt der Optimismus. Bald schon wieder kostet das Pfund Bohnen vielleicht nur noch vier bis fünf Córdoba. Gewaltige Preisspannen, die da auftreten können.

Auch ein paar Stände weiter wird Zuversicht an den Tag gelegt. Die schwierigste Zeit sei überstanden. Die Preise würden wieder fallen. Nichts spricht also dem entgegen, dass das Essen Nummer 1 nicht nur nahrhaft bleibt, sondern auch wieder preiswerter wird. Der gesprenkelte Hahn begrüßt freudig einen neuen Tag.

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