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14.10.2007 09:00
 
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Die Mehrheit ist dafür [0]

Kopenhagen/Karlsruhe phf -
Bei der Karlsruher AWO-Ambulanz herrschte lange Zeit Ungewissheit über die Zukunft der heroingestützten Behandlung (Foto: ka-news)
Die Behandlung von Schwerstabhängigen mit Heroin (ka-news berichtete) scheint nun auch in Dänemark Wirklichkeit zu werden. Durch die überraschende Unterstützung der rechstpopulistischen Dänischen Volkspartei (DF) gibt es dort erstmals eine Mehrheit für das Modell. In Karlsruhe hofft die AWO-Ambulanz für die heroingestützte Behandlung derweil auf eine gesetzliche Lösung für die Behandlung in Deutschland im kommenden Jahr.

Wie der "Standard" berichtet, bildete sich im dänischen Parlament vor kurzem erstmals eine Mehrheit für die Gratisabgabe von Heroin - statt der Ersatzdroge Methadon - an Schwerstabhängige. Die rechtspopulistische DF, die normalerweise die bürgerliche Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen unterstützt, hat den Oppositionsparteien im dänischen Folketing überraschend Unterstützung in dieser Angelegenheit signalisiert. Bislang war die DF strikt gegen das Modell.

Methadon zeigt bei schweren Fällen kaum Wirkung

Ein Beschluss für die Abgabe von Heroin ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit, denn alle Oppositionsparteien, einschließlich der Sozialdemokraten, sind dafür. Nach Angaben von Birthe Skaarup, gesundheitspolitische Sprecherin der DF, ist ein Gesetzesentwurf bereits in Arbeit und wird bald dem Parlament vorgelegt. An einer Gruppe von Süchtigen, die von Sozialarbeitern betreut werden, will man testen, ob sich die Abgabe von Heroin als sinnvoll erweist. Sollte dabei ein positives Ergebnis erzielt werden, ist eine Ausweitung denkbar.

Die kontrollierte Heroinabgabe findet nicht nur Zustimmung
(Foto: ka-news)
Hintergrund des Vorstoßes der Opposition sind Erfahrungen mit den konventionellen Drogenentzugsprogrammen, bei denen Ersatzdrogen wie Methadon bei sehr schweren Fällen kaum Wirkung zeigen. Durch die kontrollierte Heroinabgabe fallen zudem Beschaffungskriminalität und die Übertragung von Krankheiten weg, argumentieren die Befürworter des neuen Modells. "Wir haben mehrere Jahre verschiedene Programme für die am schwersten belasteten Drogenabhängigen gestestet - also für die, bei denen nichts anderes zu helfen scheint", unterstreicht Skaarup. Das Ziel liege darin, dass diese Menschen wieder ein normales Leben führen und vielleicht wieder arbeiten gehen können.

Nicht alle Fachleute sind überzeugt

Woher rührt dieser Sinneswandel bei der DF? Für den Richtungswechsel der Partei steht die Abgeordnete und Lehrerin Karin Nödgaard. Die Politikerin ließ sich von guten Erfahrungen in anderen Ländern und von ihren eigenen Besuchen bei Heroinsüchtigen überzeugen und brachte dieses Anliegen von Experten in die DF ein. Hinter dem Wechsel steht aber auch die Schwierigkeit, Heroinabhängige überhaupt zu heilen. Die neue Therapie mit "Staatsheroin", wie es die Dänen seit Beginn der Diskussion nennen, konzentriert sich darauf, Süchtigen ein halbwegs normales Leben mit kontrollierten Heroindosen zu ermöglichen.

Nach der Heroinabgabe setzen sich die Süchtigen in diesem Raum unter Aufsicht ihren Schuss (Foto: ka-news)
Nicht alle Fachleute sind jedoch von diesem Vorhaben überzeugt. "Wer staatliches Heroin verteilt, hat die Hoffnung aufgegeben, dass Drogenabhängige tatsächlich rehabilitiert werden können", kontert der Chef der Methadonpraxis im südschwedischen Lund, Mats Svensson. Die Dänen hätten doch nur Interesse daran, die Fixer ruhig zu stellen, damit sie kein Problem für die Gesellschaft seien, anstatt sie zu heilen. "Mit legalem Heroin brauchen die Fixer nicht mehr zu stehlen, Menschen auszurauben, zu morden oder sich zu prostituieren", so Svensson. Die Abhängigkeit selbst bleibe aber bestehen, kritisiert er.

Modell in ein paar Jahren reguläres Angebot in Europa?

Unterstützung für das Heroinmodell kommt dagegen aus der AWO-Ambulanz in Karlsruhe. Die ablehnende Haltung gegenüber der Einführung der Therapie in Deutschland aus den Reihen der CDU und CSU bröckele immer mehr, erklärt der stellvertretende Leiter Martin Gauly auf Anfrage von ka-news. Nachdem der Bundesrat im September einen Gesetzentwurf angenommen hat, der die Behandlung Schwerstabhängiger mit Heroin legalisiert, hofft Gauly auf eine gesetzliche Lösung in Deutschland im nächsten Jahr.

"Auf europäischer Ebene tut sich ja auch eine ganze Menge", so der Diplomsozialarbeiter weiter. In England, Holland und der Schweiz ist Heroin längst als Medikament zugelassen. Ähnliche Studien gebe es außerdem unter anderem in Kanada, sagt Gauly. Er könne sich gut vorstellen, dass das Heroinmodell in Europa in ein paar Jahren ein reguläres Angebot darstelle.

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