Der Friedhof der Zukunft ist "virtuell"
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Karlsruhe (ber) - Für ihre 13. Wettbewerbsausschreibung suchte die Zeitschrift "Focus" engagierte Klassen, die innovativ arbeiten können - dieses Mal unter dem Motto "Mobilität - was bewegt uns morgen? Vision, Nachhaltigkeit." Innovativ, das soll auch das Projekt der Klasse ESe der Friedrich-List-Schule sein. Mit ihrem Projekt "Das Carlsruher Gruftenbuch oder die digitale Auferstehung des alten Friedhofs an der Kapellenstraße" gehört sie zu den zahlreichen Teilnehmern des Wettbewerbs.
Am Mittwoch, 22. April, stellten die Schüler der Jury ihre Idee innerhalb eines Vortrages vor - virtuelle Friedhöfe also. "Es war sehr dynamisch gestaltet", bemerkte Jurymitglied Thorsten Schmidt scheinbar nicht zu Unrecht am Ende. Führungen, Rollenspiele, Umfragen und die Internetseite veranschaulichten die Arbeit der Schüler. Diese wollen "die Friedhöfe, die es wirklich gibt, digitalisieren, damit weltweit auf die Daten zugegriffen werden kann." Ein virtueller Friedhof solle demnach die Biographie und ein Foto der Verstorbenen enthalten.
Für ihr Projekt haben die Teilnehmer den angrenzenden alten Hauptfriedhof Karlsruhe auserwählt. Mit Hilfe aufwendiger Recherchearbeit im Stadtarchiv, in der Schulzeit sowie in der Freizeit, haben die Schüler das Leben der dort bestatteten Persönlichkeiten festgehalten und so eine Biographie erstellt. Unbekannte sowie bekannte Gesichter der Vergangenheit liegen auf dem alten Friedhof begraben. Ob Joseph Viktor von Scheffel oder Friedrich Weinbrenner - interessant waren die Persönlichkeiten in jedem Fall. "Es hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, vor allem die Recherche", meint dazu Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer Dr. Heinrich Thalmann. Kein Wunder bei 130 Gruften mit über 100 Toten. Letztendlich werden die virtuellen Gräber gemäß dem Plan des alten Friedhofs auf einer Homepage angelegt.
"Die Arbeitsweise des Recherchierens kennenlernen"
Die eigentliche Idee dafür entsprang dem damaligen Klassenlehrer Thalmann in Anlehnung an das auftauchende Gruftenbuch und dem an die Schule angrenzenden "Alten Friedhof". Bis heute erblicken die Schüler Reste des Friedhofs, wenn sie aus dem Fenster schauen. Darunter die alte Friedhofskapelle, die Gruftenhalle, vereinzelte Grabsteine und das Preußendenkmal. Abgesehen davon sei es eine Motivation für die Schüler, die bedeutenden Arbeitsweisen des Recherchierens und des Exzerpierens in einem sinnvollen Zusammenhang kennen zu lernen. Warum also nicht das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden? Bereits vorangehende Schulklassen haben zur Entwicklung des virtuellen Friedhofes beigetragen.
Hoffen auf Würdigung der zeitintensiven Arbeit
Die Präsentation der fast fertig gestellten Internetseite stellt nun die Krönung des Aufwandes dar. "Wir müssen sagen, wir sind doch ziemlich stolz auf uns", gesteht Christiane Winkler im Hinblick auf die verrichtete Arbeit. Tatsächlich habe sich das Recherchieren durch die altdeutsche Schrift in den Texten als ziemlich schwierig erwiesen. Außerdem sei auch die Gestaltung einer Homepage für die Jugendlichen Neuland gewesen. Insgesamt hoffen sie nun, dass ihre Arbeit auch entsprechend gewürdigt wird. Schön wäre es, wenn das Konzept zukünftig tatsächlich umgesetzt würde. Als zukunftsfähig betrachteten zumindest viele der Anwesenden den virtuellen Friedhof, obwohl ihre Umfrage von anderen Ergebnissen zeugten. "Die Verstorbenen werden in Ehre gehalten", kommentiert Winkler das Gedenken an die Toten und den Erhalt ihrer Geschichte. Deshalb setze man sich auch für eine Ausstellung im Karlsruher Rathaus ein.
Die Jury schien überzeugt. "Ihr habt euch sehr viele Gedanken gemacht", lobt Mitglied Erik Lehmann. Es entscheidet sich bald, ob die Klasse unter die besten 20 des Wettbewerbs kommt und womöglich den Hauptpreis, eine Reise nach New York, gewinnt.




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