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Karlsruhe "Der Bachelor": Frau als Ware - auspacken, ausprobieren, umtauschen

Ja, ich gebe es zu. Ich habe gestern die RTL-Single-Show "Der Bachelor" im Fernsehen gesehen. Ich habe gesehen, wie sich der aalglatte Paul aus Winterhude (irgendwo in Hamburg) für die brünette Anja aus Weingarten entschieden hat. Ok, ein bisschen schäme ich mich dafür, aber nur ein bisschen.

Wenn ich Ihnen jetzt sage, ich habe die Sendung gesehen, damit ich für Sie, liebe Leser, darüber berichten kann, dann glauben Sie es mir sowieso nicht. Ok, ich habe mir die Sendung angeschaut, weil sie viel nackte Haut, Sex, Champagner, Gezicke, peinliche Momente und teilweise sogar gähnende Langweile geboten hat. Also eigentlich die optimale Mischung für dumpfe TV-Berieselung nach einem anstrengenden Arbeitstag. Einschalten, um mal so richtig abzuschalten, heißt hier die Devise.

Einschalten um abzuschalten

Mit mir zusammen haben übrigens über fünf Millionen andere auch zugeschaut. Laut RTL erreichte das Staffelfinale eine neue Rekordzuschauerzahl. Für alle die es nicht angeguckt haben, ist das Konzept der Sendung schnell erklärt. Der schöne Junggeselle Paul aus Hamburg durfte sich aus 20 - sagen wir mal Sexpüppchen - seine Traumfrau aussuchen.

Doch bevor man weiß, wer seine Traumfrau ist, muss man die natürlich von Kopf bis Fuß kennengelernt haben. Paul durfte daher eine nach der anderen "ausprobieren". Er genoss sichtlich seine Rolle als Hahn im Korb in seinem persönlichen Harem. Da wurde über acht Folgen hinweg wild rumgezüngelt, Champagner (vielleicht war's auch Prosecco) literweise geschlürft, unzählige Dates mit den Frauen abgehalten. Ob romantisch, sportlich oder actionreich - laut Drehbuch war alles dabei.

Frau als Ware und keiner regt sich auf

Paul stieg mit den unterschiedlichsten Kandidatinnen ins Bett. Der Zuschauer konnte den Eindruck gewinnen, Paul nimmt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und selbst da waren die Kandidatinnen nicht vor ihm sicher. In Folge sieben verbrachten die letzten verbliebenen Konkurrentinnen eine Nacht mit dem Bachelor in einem Baumhaus. Und die Frauen machten bereitwillig mit. Sie flirteten, bezirzten und schmachteten den Bachelor an.

Aber warum machen Frauen da mit? Paul wurde als typischer Macho dargestellt, Frauen in aller Öffentlichkeit zu Sexsymbolen degradiert. Sie wurden als Dummchen verkauft ohne eigenen Willen, denn der Mann entscheidet ja über ihre Zukunft. Die Sendung war kurzum frauenverachtend, diskriminierend und sexistisch. Frau als Ware - auspacken, ausprobieren, wenn's nicht gefällt umtauschen. Da  prostituieren sich - muss man ja schon sagen - 20 junge Frauen in aller Öffentlichkeit und viele schauen zu. Aber kein Aufschrei! Wo sind sie denn die Alice Schwarzers dieses Landes?

Geil auf Medien oder doch eher auf Paul?

Ist es der Wunsch nach medialer Aufmerksamkeit (auch wir berichten), der die Kandidatinnen antreibt? Ist es Finanznot, Geltungsdrang oder suchen die Frauen gar wirklich die große Liebe? Was mich beruhigt: sie haben es freiwillig getan und dürften alle gewusst haben, was auf sie zukommt.

Eigentlich fühle ich mich schlecht dabei, dass ich mir diesen Quatsch angeschaut und damit unterstützt habe. Doch es ist einfach zu verlockend. Aufs Sofa, Beine hoch, Glotze an  und sich anschauen wie 20 wild gewordene "Zalando-Hühner" alles geben für einen geschleimten Junggesellen.

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