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Karlsruhe Debatte um Sex-Mob in Köln: Hört auf, haltlose Gerüchte zu streuen!

Auch zwei Wochen nach der Horror-Silvernacht in Köln ist die Debatte in den sozialen Netzwerken geladen. Wir alle sind erschüttert, wir alle sind wütend über das, was dutzenden Frauen widerfahren ist. So mancher beteiligt sich allerdings nicht sachlich an der Diskussion, sondern versucht mit haltlosen Gerüchten Stimmung gegen Flüchtlinge und Muslime zu machen. Ein Appell: Bleibt bei der Wahrheit!

Es ist unbegreiflich, was in der Silvesternacht geschehen ist. In Köln wurden zahlreiche Frauen von Unbekannten begrapscht, geklaut und auf übelste Weise belästigt. In einem Punkt sind wir uns alle einig: Für diese Taten gibt es keinerlei Rechtfertigung und die Täter müssen mit aller Härte für ihr Verhalten bestraft werden.

Es ist traurig, dass einer Frau so etwas in Deutschland im 21. Jahrhundert überhaupt noch passieren kann. Traurig ist allerdings auch, wie über die Nacht gesprochen wird. Wer die Diskussion gerade in sozialen Netzwerken beobachtet, den beschleicht schnell der Verdacht, dass es so einigen Teilnehmern weder um Aufklärung noch um eine ernsthafte Diskussion geht.

Mit aufgeschnappten Gerüchten kommen wir sicher nicht weiter!

Ein wunderbares Beispiel, wie Diskussionen von so manchen geführt werden, findet sich auf der Facebookseite von "Widerstand Karlsruhe". Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, wird dort in einem Beitrag behauptet. Das ist soweit nichts Neues. Um dem Ganzen etwas Nachdruck zu verleihen, wird noch ein Video von muslimischen Kindern beigefügt, die mit Waffen trainieren. Kein Wort über die Entstehung oder den Kontext, in dem dieses Video entstanden ist. Stattdessen folgt als Sahnehäubchen folgender Satz: "Wir wissen nicht, was in deutschen Moscheen gelehrt wird, als 'Ungläubige' dürfen wir sie nicht betreten." Stimmt zwar schlicht und ergreifend nicht, aber passt eben sehr gut ins islamfeindliche "Merkel-muss-weg"-Bild.

 

Wer angesichts dieser Bilder noch von einem friedlichen Islam faselt, dem ist nicht mehr zu helfen.Die moderaten...

Posted by Widerstand Karlsruhe on Montag, 4. Januar 2016

Man möchte bei solchen Beiträgen den Verfassern entgegen rufen: "Habt Ihr euch denn auch mal die Mühe gemacht, mit denen, über die Ihr pauschal herzieht, auch zu sprechen? Habt Ihr eure Aussagen geprüft, bevor Ihr sie ins Netz stellt?" Das Ergebnis dürfte ernüchternd sein. Es ist nicht nur schade um das Miteinander, wenn solche Gerüchte ohne vorherige Abklärung in den sozialen Netzwerken verbreitet werden - es ist auch gefährlich, denn es rückt die berechtigte Diskussion um die Silvesternacht in Köln in eine Nähe, wo sie eindeutig nicht hin gehört.

Korrelation bedeutet nämlich nicht Kausalität! Oder um es anders zu sagen: Die Taten einzelner Idioten stehen nicht stellvertretend für alle Flüchtlinge oder gar für alle Muslime. Es käme doch auch niemand auf die Idee, allen Katholiken per se aufgrund von Missbrauchsfällen durch Geistliche Pädophilie zu unterstellen, oder?

Eines steht fest: Wir müssen nach der Horrornacht in Köln offen und ohne falsche Zurückhaltung über das sprechen, was den Frauen dort zugestoßen ist. Dann aber bitte mit Argumenten und Fakten und nicht Gerüchten, die aufgeschnappt und ohne Prüfung bei Facebook und Co. breitgetreten werden. So etwas schürt nur Misstrauen und bringt uns kein Stück weiter.

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