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Karlsruhe Bürgerforum für ein sicheres und sauberes Karlsruhe: Der Dreck muss weg!

Um die Dauerthemen Sicherheit und Sauberkeit ging es am Donnerstagabend beim Bürgerforum im Karlsruher Südwerk. Nach Impulsvorträgen und einer Diskussionsrunde stellte sich schnell heraus, das Sicherheitsgefühl der Karlsruher Bürger sinkt, obwohl die Kriminalitätsrate nicht signifikant ansteigt. Auch eine Erklärung für dieses Phänomen lieferten Experten und Bürger im Laufe des Abends: Je mehr ein Platz, ein Straßenzug oder ein Stadtteil vermüllt ist, desto unwohler und unsicherer fühlen sich die Bürger.

Folglich muss neben der Kriminalität ganz massiv auch der Dreck in der Stadt bekämpft werden. Dies könne man aber nur gemeinsam mit den Bürgern, betonte Oberbürgermeister Frank Mentrup, der sich sicher war. "Man kann so viele Mülleimer aufstellen wie man will, wenn die von den Bürgern nicht genutzt werden, hilft das alles überhaupt nichts."

 

Bürgerforum "Sicheres und sauberes Karlsruhe"
Bürgerforum "Sicheres und sauberes Karlsruhe" | Bild: Schwitalla


 
Den Einstieg in das zweite Bürgerforum lieferten die Vorträge von Polizei-Vizepräsident Roland Lay, Dr. Björn Weiße, dem Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes und von Hans Peter Rapp, dem stellvertretenden Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft.

Lay betonte, dass die Kriminalitätsrate in Karlsruhe durchaus vergleichbar ist mit der anderer Städte der gleichen Größenordnung. Was die Drogen - und Straßenkriminalität betrifft, gebe es leichte Anstiege, Rückgänge verzeichne man aber beispielsweise bei den Wohnungseinbrüchen. Alles in allem sei die Bilanz ausgeglichen, einen signifikanten Anstieg der Kriminalität gebe es nicht.

Asylbewerber nicht schuld an steigender Kriminalitätsrate

Er unterstrich, dass der allgemeine Anstieg der Straftaten in deutschen Städten nichts mit den steigenden Zahlen der Asylbewerber zu tun habe. "Die Zunahme der Straftaten in der Gruppe der Asylbewerber ist unterproportional zum Wachstum dieser Gruppe", erklärte er. Allerdings gab er zu, dass einige wenige auffällige Mehrfachtäter die Polizei auch in Karlsruhe ordentlich in Atem halten.

Raub, Autoaufbrüche, Laden- und Antanzdiebstähle verzeichne man in dieser kleiner Gruppe, die meisten anderen Vergehen würden sich häufig nur gegen andere Asylbewerber richten. Lay erklärte, dass es keinen Grund gebe, sich in Karlsruhe unsicher zu fühlen, zumal auch die Polizeikräfte rund um die Flüchltingsaufnahmestellen zusätzlich verstärkt worden seien. Es werde aber deutlich, dass die Bevölkerung oftmals gerade in vermüllten, dunklen Straßenzügen subjektiv Gefahr empfinde, die so aber nicht gegeben sei.

Auch Dr. Björn Weiße, Leiter des Karlsruher Ordnungs- und Bürgeramtes bestätige diese Tendenz.

So hätten Umfragen ergeben, dass viele Bürger (61,3 Prozent) generell keine Angst haben, sich aber in einem unsauberen Umfeld und dort, wo Ordnungsverstöße publik werden, subjektiv nicht mehr sicher fühlen. Allerdings lägen Ruhestörung, Müll und Betrunkene immer noch an der Spitze der meist gemeldeten Ärgernisse. Er betonte, dass mit Einführung des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) auch das Sicherheitsempfinden der Bürger wieder gestiegen sei - ebenfalls ein Ergebnis der "Karlsruher Sicherheitsstudie" von 2014.

Sicherheit und Sauberkeit gehören zusammen

Hans Peter Rapp vom Amt für Abfallwirtschaft bestätigte, dass Sicherheit und Sauberkeit zusammengehören.

Allerdings lasse das Unrechtsbewusstsein der Karlsruher in Sachen Müllsünden doch sehr zu wünschen übrig: Wild entsorgter Sperrmüll, Hausmüll in öffentlichen Abfalleimern und verdreckte Grünanlagen nach Parties nannte er als Hauptproblematik, die zum Unwohlsein der Bürger beitrage. Dabei komme auch der so genannte "Broken Window Effect" zum Tragen - ist erst einmal irgendetwas kaputt oder verschmutzt, schreitet das Problem schnell fort. Zum einen sinkt das Unrechtsbewusstsein, zum anderen meiden Bürger diese Orte - das alles trägt dann zum weiteren Verfall bei.

Nach den Vorträgen auf dem Podium hatten die Zuhörer die Möglichkeit, selbst in Aktion zu treten. An sechs Themenwänden konnten sie mit den Experten ins Gespräch kommen und ihre Sorgen, Anregungen und Fragen loswerden. Die Hauptanliegen wurden nach der offenen Diskussionsrunde auf dem Podium noch einmal aufgegriffen. Auch hier wurde wieder deutlich, dass die Unsauberkeit der Stadt ein großes Problem ist. Von der Lärmverschmutzung durch Gaststätten bis hin zu Graffitis an Häuserwänden und Zigarettenkippen an den Straßenbahnhaltestellen reichte die Beschwerdeliste der Bürger.

Bürger müssen mithelfen

In diesem Zusammenhang appellierte Oberbürgermeister Frank Mentrup aber auch an die Bürger. Jeder müsse dazu beitragen, dass die Stadt sauberer werde. Es könne nicht sein, dass die Stadt größere Mülleimer aufstelle, in denen die Bürger kurz darauf dann ihren Hausmüll tütenweise entsorgen, "Ich habe das selbst so gesehen und so lange die Moral da nicht besser wird, können wir nicht viel erreichen", so das Stadtoberhaupt, Auch gegen Hausbesitzer, die ihren Besitz verfallen lassen, könne man nicht wirklich vorgehen.


Man müsse einfach immer wieder an deren Selbstverständnis appellieren, was aber oft nicht erfolgreich sei.

 
Bürgerforum "Sicheres und sauberes Karlsruhe"
Bürgerforum "Sicheres und sauberes Karlsruhe" Hans-Peter Rapp, stellvertretender Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft, Roland Lay, Vizepräsident des Karlsruher Polizeipräsidiums, Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Dr. Björn Weise , Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes im Gespräch mit den Karlsruhern. | Bild: Schwitalla

Letztlich sei die Sicherheit und Sauberkeit einer Stadt etwas, an dem alle Bürger und die Verwaltung gemeinsam arbeiten müssen - waren sich die Experten auf dem Podium einig. Generell könne man nur gegen Dinge vorgehen, von denen man wisse, betonten Lay und Weiße, die beide aufriefen, sich im Fall einer möglichen beobachteten Straftat an den KOD oder die Polizei zu wenden.

"Zögern sie nicht, kontaktieren sie uns, berichten Sie von ihren Problemen, teilen Sie ihre Ideen mit uns", rief auch Oberbürgermeister Frank Mentrup die Bevölkerung zum Abschluss der Veranstaltung auf.

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