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Karlsruhe Blogvorstellung: Patrick Schuster ist Gastro-Guerilla und Untergrundkoch

Lieber das ganze Jahr über richtig genießen als für 3000 Euro auf die Kanaren fliegen. Das findet jedenfalls der Karlsruher Blogger Patrick Schuster. Auf seinem Blog gastroguerilla.de schreibt der Student nicht nur über gutes Essen und guten Wein, im Untergrund-Restaurant schwingt er auch selbst den Kochlöffel. ka-news hat mit ihm gesprochen.

Herr Schuster, Sie haben das Blog "GastroGuerilla" ins Leben gerufen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Vor ungefähr zwei Jahren startete ich aus purer Lust am Schreiben mein erstes Blog-Projekt „Studieren in Karlsruhe“ (studiereninka.wordpress.com). Mit der Zeit driftete ich von der eigentlichen Grundidee eines Studiblogs ab und schrieb immer mehr über Essen, Wein und Restaurants. Dinge die mich privat in meiner Freizeit beschäftigten. Es ist sinnig einen Blog thematisch auszurichten. Deshalb entschloss ich mich für einen Neuanfang mit der Gastro Guerilla. Inspiriert von den englischen Supperclubs (quasi professionelle, aber illegale Untergrundrestaurants) und weil ich dem Foodblog etwas Besonderes geben wollte, wurde der Untergrundaspekt stilprägend in den Blog integriert.

Überschrieben ist das Blog mit "Foodblog und Untergrundrestaurants aus Baden-Württemberg". Was muss man sich darunter vorstellen - was erwartet die Leser auf gastroguerilla.de?
Zum einen erwarten die Leser Standardthemen eines breit aufgestellten, jungen, frechen, unabhängigen Foodblogs. Rezepte, Wein, Restaurantkritiken und -empfehlungen, fundierte Informationen über Lebensmittel oder auch Küchenutensilien. Zusätzlich versuchen ich und meine Gastautoren stets eine Lanze für regionale Produkte und Erzeuger zu brechen, den Sinn für gute, qualitativ hochwertige Nahrung zu stärken und die Menschen dazu zu animieren, sich täglich etwas Gutes zu tun. Quasi eine Art der Geschmackserziehung.

Unter dem Punkt "Underground" sprechen wir über kulinarische Events fernab von Restaurants. Im kleinen Kreis kochen und trinken Menschen zusammen die Freude am Genuss haben und sich gerne darüber austauschen. Bisher kommen hier meist meine eigenen Veranstaltungen zu tragen, aber ich würde zukünftig auch gerne über andere schreiben, die solche Ideen verfolgen. Der Verein kape e.V. hat erst neulich eine Speisereise veranstaltet, über die wir im Blog berichtet haben. Gerade in studentischen Kreisen, denen Restaurantbesuche vielleicht zu teuer, unspektakulär und geradlinig sind, könnte ich mir eine blühende Untergrundbewegung gut vorstellen.

Guerilla - der Name des Blog klingt recht martialisch. Warum?
Zum einen ist Gastro Guerilla eine schöne Alliteration. Zum anderen unterstreicht Guerilla natürlich nochmals den Untergrundaspekt des Blogs und passt auch gut zu unseren geheimen und immer wieder nadelstichartig aufkeimenden Genussveranstaltungen. Wir sind jedoch keine paramilitärische Einheit und maximal mit einen Kochlöffel bewaffnet.

Des Weiteren vermittelt Guerilla eine kämpferische Einstellung, die ich in Bezug auf die Geschmackserziehungsmaßnahmen verfolge. Ich will erreichen, dass sich meine Leser wieder mehr Gedanken über ihre Ernährung machen, lieber mal auf den 3000 Euro-Sommerurlaub auf den Kanaren verzichten und sich das ganze Jahr etwas Gutes tun, indem sie auf hochwertige Nahrungsmittel setzen. Ich meine damit nicht Hummer und Kaviar, aber regionale, frische und saisonale Produkte. Wer essen Einheitstomaten aus den Niederlanden, dabei gibt es eine solche Vielfalt an Sorten, dass wir jeden Tag im Sommer eine andere essen könnten. Wir essen tristes Schweinefleisch aus der Massentierhaltung, während es vor unsere Haustür besseres Fleisch zu kaufen gibt. Regional ist ja mittlerweile das neue Bio (von Letzterem halte ich persönlich nicht viel) und nur regional kann ich mir meistens der Frische sicher sein, dass die Ware keine Weltreise hinter sich hat und letztlich Vertrauen gegenüber dem Erzeuger aufbauen. Körper und Psyche danken einem für solch eine Ernährung.

Warum braucht Karlsruhe so ein Blog - wird dem Thema Essen und Genuss in Karlsruhe denn nicht genug Bedeutung zugemessen?
Abgesehen davon, dass es einen solchen Blog in Karlsruhe meines Wissens nach nicht gibt (einzig disturbedcooking.com wäre noch zu nennen), versuche ich gerade mit der Verknüpfung zwischen Blog und Untergrundevents eine Brücke zu schlagen. Es werden nicht nur im Blog große Reden geschwungen, sondern mit den Veranstaltungen übertrage ich meine Ambitionen und Vorstellungen ohne Abstriche auf die Realität. Die Menschen haben die Chance live den Genuss zu erleben, den wir so oft genießen und so gerne an alle weitergeben würden.

Auch die Restaurantkritiken sind für jeden Leser durch einen Besuch leicht nachvollziehbar. Wenn ich dann annehme, dass viele Karlsruher ncht oft eine Metzgerei von innen sehen, im Supermarkt vor mir Fertighamburger und Pangasius gekauft werden, nur wenige über die Karlsruher Märkte schlendern und Restaurants einer bestimmten italienischen Restaurantkette stets überfüllt ist, während gute Italiener zu gleichen Preisen mehr bieten - ja, dann denke ich Karlsruhe braucht solche Blogs.

Was macht denn ein richtig gutes Essen aus?
Ich habe dazu Paul Bocuse zitiert, einen der großen Köche des 20. Jahrhunderts: "Natürlich sind die Produkte sehr wichtig, am bedeutendsten jedoch empfinde ich das Würzen, sowie die richtigen Garzeiten. Auch wenn du den besten Fisch am Markt kaufst - hat man ihn zu lange im Rohr, ist er ebenfalls ungenießbar. Ohne Zweifel sind gute Produkte leichter hinzubekommen als durchschnittliche oder gar schlechte. Nochmals: Das Wichtigste ist das Würzen und die Garzeit."

Damit wäre klar was man für ein richtig gutes Essen benötigt: ein gutes Ausgangsprodukt und etwas Übung und Erfahrung (die sich jeder, absolut jeder aneignen kann). Als Gast sollte bei einem Essen daneben natürlich der Rahmen stimmen. Hierzu gehört einen fürs Auge schönen Teller, ein stimmiges, gemütliches Ambiente und vor allem ein freundlicher und zuvorkommender Service. Denn nur wenn alle Kleinigkeiten stimmen wird der Gast rundum zufrieden sein. Viele Gastronomen haben dies noch nicht verstanden.

Sie bloggen nicht nur, Sie veranstalten auch Essen im geschlossenen Untergrundrestaurant. Wie muss man sich das vorstellen?
Ab und an habe ich Lust, Zeit und eine gute Idee meine Erfahrungen mit Essen, Wein und Gastfreundschaft an andere weiter zu geben. Ich lade dann über Blog und Facebookseite zu Genussveranstaltungen im kleinen Kreise, an verschiedenen Locations mit weiteren Gastgebern, die mich unterstützen. Die Gäste sitzen dann meist an einem Tisch und es ist natürlich interessant zu beobachten, wie sich der Abend mit teils fremden Gesichtern entwickelt. Ich versuche den Gästen alles zu bieten, was zu Hause und auch in vielen Restaurants nicht mehr selbstverständlich ist. Hervorragende Ausgangsprodukte aus der Region, ergänzt durch Spezialitäten aus aller Welt, liebevolle und aufwändige Zubereitungen gepaart mit guten Weinen und vor allem viele Informationen zum Essen. Wenn eine Demi Glace (Sauce) auf dem Teller zu finden ist, sollen die Gäste wissen und schmecken, dass mehr dahinter steckt als nur eine Fertigpackung in Wasser einzurühren. Dazu trinken sie einen Lemberger aus Baden-Württemberg und merken zum ersten Mal, dass auch bei uns in der Region kräftige, charakterstarke und erstklassige Rotweine gekeltert werden.

Kann bei diesen Untergrund-Essen jeder einfach vorbeischauen und mitessen?
Ja, unter der Voraussetzung er oder sie erhält rechtzeitig die nötige Info und schafft es einen der wenigen Plätze zu ergattern. Wer regelmäßig im Blog liest oder unsere Facebookseite „geliked“ hat, wird immer rechtzeitig von neuen Veranstaltungen erfahren. Für alle anderen gibt es auch einen Emailverteiler. Eine kurze Email an info@gastroguerilla.de reicht um darin aufgenommen zu werden. Unser eigenes Untergrundrestaurant wird allerdings dieses Jahr aus zeitlichen und finanziellen Gründen (nicht ganz günstig für fünf bis zehn Leute zu kochen) maximal noch zwei bis drei Mal öffnen.

Wenn Sie gerade nicht kochen oder bloggen - was machen Sie im "wirklichen" Leben?
Ich bin gelernter Chemielaborant und studiere derzeit im 6. Semester Chemische Biologie am Karlsruher Institut für Technologie. Hier wird übrigens auch "gekocht". Hierbei geht es dann aber um die Synthese von Molekülen.

Ich denke mein naturwissenschaftliches Wissen ermöglicht mir einen Blick über den Tellerrand. Ich habe vielleicht eine fundierte Sichtweise auf oft heiß diskutierte Themen wie zum Beispiel Geschmacksverstärker, Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, Dioxin in Eiern oder den sich schließenden Poren beim Anbraten von Fleisch. Eventuell sollte ich einen gut recherchierten Artikel über die größten Küchenweisheiten und -irrtümer schreiben.

Die Fragen stellte Felix Neubüser.

Übrigens: Blogger und Blogleser aus der Region, aufgepasst! Wir suchen weitere Blogs aus der Region, die unbedingt mal auf ka-news vorgestellt werden sollten. Ganz egal ob Fotoblog, Modeblog, persönliches Blog oder Themenseite - wir sind gespannt auf Eure Vorschläge! Meldet Euch einfach über das ka-Reporter-Formular oder schreiben Sie Ihren Tipp als Kommentar unter diesen Artikel!

Zu Teil 1 der Blogvorstellung: Stil in Karlsruhe

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