Biolandhof Petrik (IV)

Im Sommer ist der Acker bunt von verschiedenen Salaten - frischer geht nicht (Foto: pr)
Die Reportage von Christian Konzack

Pfinztal - Zwischen Berghausen und Wöschbach liegt rechts im Schatten, an der Flanke eines Hügels der kleine Biolandhof der Familie Petrik. Ein Novembermorgen gegen neun Uhr. Die Sonne schickt schon die ersten Strahlen über den Kamm. Mühsam erkämpfen sie sich ihren Weg durch den Morgendunst. Noch schwach treffen sie auf die Haut. Im Hofladen der Petriks räumt die Hausherrin zusammen mit einer Angestellten gerade noch einige Regale ein. In der angrenzenden Scheune ist ein weiterer Mitarbeiter damit beschäftigt, Waren für den Verkauf vorzubereiten. Die ersten Kunden werden erwartet.

In Papiertüten abgefüllte Kartoffeln stehen neben einer Batterie verschiedenster Salate, daneben etliche Stiegen mit Gemüse. An der nächsten Wand stehen in einem Regal eine Vielzahl von Verpackungen, von Nudeln über Gewürze, Cornflakes, Obst bis hin zu Waschmittel und Brotaufstrichen - (fast) alles was man braucht. Das meiste Gemüse, die Eier, Kartoffeln und das Fleisch kommen aus eigener Produktion. Bei allen Frischwaren ist die Herkunft auf dem Preisschild vermerkt, und meist steht da "Petrik".

Wer zum Hof kommt sieht das Gemüse wachsen

Helmut Petrik übernahm 1987 den Hof seiner Eltern. Von Anfang an stand für ihn fest, dass er die Landwirtschaft ökologisch verträglich betreiben würde. "Die konservative Landwirtschaft ist eine Sackgasse", erklärt der Landwirt. Der Preisdruck sei in diesem Bereich noch schärfer als in der Biolandwirtschaft. Zugute kam ihm dabei, dass er nicht der einzige war. Zusammen mit einigen Kollegen, die damals ebenfalls auf ökologische Landwirtschaft umstellen wollten, gründete er die Bioland Regionalgruppe Karlsruhe.

Hofladen Petrik - das allermeiste Gemüse stammt aus eigenem Anbau (Foto: ka-news)

Seit damals hat sich vieles verändert. Bio ist mittlerweile "in". Doch, so Petrik, "der größte Teil des Zuwachses geht an Ketten wie Edeka oder Tengelmann", die mittlerweile auch Bio-Produkte führen. Bei Petrik klingt das allerdings nicht wie eine Klage. "Erzeuger und Hofläden müssen sich weiter profilieren", ist er optimistisch. Schließlich hätten sie einen unschätzbaren Vorteil: Wer im Sommer den Hofladen aufsucht, kommt an den Feldern vorbei. Dort können die Kunden sehen wie das Gemüse wächst. So könnten sie sich direkt von der Qualität und der Frische überzeugen. Die Tatsache, dass der Bauernhof in einem Ballungsraum liegt, macht die Direktvermarktung allerdings erst attraktiv.

Regelmäßig gibt es Fleisch von eigenen Tieren

Wie die Profilierung aussehen kann, macht Petrik seit mittlerweile fast 20 Jahren vor. Angefangen hat er mit dem Verkauf von Eiern und Kartoffeln. Nach einiger Zeit richtete er einen kleinen Laden im Keller ein, weil mittlerweile auch Gemüse und zugekaufte Produkte bei ihm erstanden werden konnten. Ende der 90er war der Keller dann definitiv zu klein, ein Teil der Scheune wurde 1999 zum Laden umgebaut. Dort präsentiert sich jetzt das umfangreiche Sortiment. Was Petrik nicht selbst anbaut, kauft er bei befreundeten Biobauern hinzu. Allerdings hat dies auch Grenzen. "Die Leute sind einen gewissen Standard gewohnt", erklärt er, weshalb er auch spanische Tomaten im Angebot hat. Neben dem eigenen Hofladen beliefert Petrik auch einige Naturkostläden in Karlsruhe.

Biobauer Petrick auf dem "Bock" bei der Karottenernte (Foto: pr)

Petrik bewirtschaftet 50 Hektar Land. Auf jeweils fünf Hektar werden Gemüse und Kartoffeln angebaut. Dazu kommt noch eine Weide, auf denen die zehn bis 15 Mastrinder weiden. Auch hier gilt natürlich der Grundsatz, dass sie möglichst naturnah aufwachsen sollen. Deshalb kommt für Petrik Stallhaltung nicht in Frage. Ein Unterstand, der die Rinder vor Wind und Regen schützt, reiche ihnen vollkommen aus, versichert er, denn "die Tiere fühlen sich bei minus 15 Grad wohler als bei 25 Grad".

Zwergesel Paul ist der Liebling aller Kinder (Foto: ka-news)
Die Hühner haben ebenfalls ein großzügiges Freilaufgelände. Alle paar Wochen gibt es dann auch frisches Fleisch im Laden zu kaufen. Die Termine stehen auf einer Tafel vor dem Eingang des Ladens. Saisonal bedingt preist er zurzeit Gänse fürs Weihnachtsfest an. Außer Hühnern und Rindern befinden sich auf dem Bauernhof noch acht Ziegen und ein Esel. Der Esel heißt Paul und ist der Liebling der Kinder, verrät Petrik. Im Sommer kämen manchmal ganze Familien gemeinsam zum Einkaufen, erzählt der Landwirt. Die Kinder würden dann mit den Trettraktoren oder dem anderen Spielzeug spielen oder eben Paul füttern. Eine Kiste mit Karotten steht immer bereit.

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