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Karlsruhe Bier, Tabak und Zoo-Elefant: Wie riecht eigentlich Karlsruhe?

Karlsruhe ist dank Hardtwald, Oberwald, Schlossgarten und Günther-Klotz-Anlage eine Stadt mit guter Luft. Die Bewohner der Landeshauptstadt Stuttgart müssen da weitaus höhere Belastungen aushalten. Es gibt jedoch in Karlsruhe viele Orte und Plätze, wo es jeweils nach etwas ganz Bestimmten riecht - ob angenehm oder nicht, ist Geschmackssache.

An der Alb I: An der Alb, auf der Höhe des Ententeichs, unterhalb des Festhügels, reicht es zuweilen recht fruchtig, manchmal kann es auch etwas beissend sein: Es ist der Geruch von Essig. Die Essig-Brauerei Feldmann produziert in unmittelbarer Nähe große Mengen Essig und bewahrt ihn weithin sichtbar in den 12 großen, hellgelben Silos auf. Neben Branntweinessig wird dort auch Apfelessig gemacht.

"Wir produzieren etwa 20 Millionen Flaschen Essig im Jahr, eine etwa gleich große Menge geht an Lebensmittelhändler, die sie für ihre Eigenmarken verwenden", weiss Sandra Paulsch aus dem Qualitätsmanagement der Firma zu berichten.

Warum es in Daxlanden rauchig riecht

An der Alb II: Nur etwa 300m flussabwärts, unterhalb des Kühlen Krugs, lädt das schicke Klubhaus des Karlsruher Eislauf- und Tennisverein (KETV) zum Flammkuchenessen ein - der angenehme Duft steigt natürlich auch den Alb-Spaziergängern an dieser Stelle in die Nasen. Der 105 Jahre alte Club organisiert seit vielen Jahren die jährlichen Tennis-Meisterschaften der Karlsruhe Schulen.

Daxlanden: Im westlichsten Stadtteil der Fächerstadt reicht es hin und wieder etwas "rauchig". Der Bürgerverein bestätigt auf Anfrage sogar, dass die Einwohner von Daxlanden von einer dünnen Rußschicht auf Wänden und Fensterbänken berichten. Erster Verdächtiger: Das neue, große Rheinhafen-Dampfkraftwerk (RDK 8) am Karlsruher Rheinhafen, das im Mai 2014 den Betrieb genommen hat. Die jedoch verursachen fast überhaupt keinen Ruß: "Für unser Rheinhafen-Dampfkraftwerk (RDK) kann man festhalten, dass die Anlage über eine hocheffiziente Rauchgasreinigungsanlage verfügt", führt eine Pressesprecherin des Betreibers EnBW aus.

Sie ergänzt: "Die genehmigten Grenzwerte für Staubemission (TMW = 20 mg/Nm³ und JMW = 10 mg/Nm³) werden kontinuierlich durch die Behörde überwacht. Unsere Emissionen bei Betrieb liegen i.d.R. um den Faktor 10 tiefer als die genehmigten Werte." Zweiter Verdächtiger ist die gestiegene Anzahl der Kaminöfen (sog. Einzelfeuerungsanlagen) in den Häusern. Diese haben immerhin einen kleinen Vorteil: Sie riechen recht angenehm nach Lagerfeuer.

"Auf der Zoobrücke riecht es nach Elefant"

Oststadt: In der Oststadt riecht es zwischen Haid- und Neu-Straße und Rintheimer Straße nach Bier, genauer gesagt nach sog. Bierwürze, die sehr malzig riecht. Die nämlich braucht die Brauerei Hoepfner schon in einem frühen Stadium der Herstellung ihres Gerstensaftes. Der Geruch entsteht beim Kochen der Bierwürze und kommt aus dem Schornstein des Sudhauses. Bei Hoepfner arbeiten 65 Angestellte, die dafür sorgen, dass 16 Biersorten unters Volk kommen.

Eggenstein: In Eggenstein riecht es nach frisch gebackenem Brot und Brötchen, und das nicht nur dezent aus den normalen Bäckerläden, sondern im großem Maßstab: Die Großbäckerei Griesinger hat ihre Standort bei den Schröckern und das schon seit 1910. Deutlich sichtbar ist der hohe Schornstein mit Beschriftung, der am Ortseingang (aus Richtung der B36 kommend) steht. Kurioserweise kann man dort oder anderswo aber kein Griesinger-Brot und keine Griesinger-Brötchen kaufen, der Großbäcker beliefert überwiegend Discounter. Den Eggensteinern bleibt der Duft.

Tabak made in Karlsruhe

Innenstadt/Süd: "Auf der Zoobrücke riecht es nach Elefant", wissen die vielen Radfahrer und Fußgänger zu berichten, die täglich über die Zoobrücke, auch "Tiergartenbrücke" genannt, von West- in den Ostteil der Stadt (und natürlich auch in die andere Richtung) wechseln. Der exotische Grund ist kein Geheimnis, sondern deutlich sichtbar: Das Elefantengehege des Karlsruher Zoos befindet sich direkt an der Brücke. Der beliebte Übergang wurde 1967 anlässlich der Bundesgartenschau errichtet. Zwei der drei Elefantenkühe des Zoos sind allerdings noch älter als die Brücke: "Shanti" ist Jahrgang 1956, "Rani" ist sogar noch ein Jahr älter (Jungküken im Gehege ist die 33 Jahre "Jenny").

Grünwinkler Brücke: Dass in Karlsruhe Tabak hergestellt wird, wissen die allerwenigsten seiner Bewohner. Man kann es aber manchmal riechen: Nämlich dann, wenn in Abständen Wasserdampf aus den Hallen der "Alliance One Rotag AG" kommt und man zufällig zu dieser Zeit mit dem Fahrrad oder als Fußgänger die Grünwinkler Brücke überquert.

Auf einem der Gebäude auf dem weitläufigen Gelände steht übrigens noch die alte Firmenbezeichnung aus dem 1930er Jahren, "Rohtabakvergärungs-Aktiengesellschaft". Zigaretten und Zigarren "Made in Karlsruhe" gibt es dennoch nicht, den die Rotag ist nur für die erste Stufe der Herstellung zuständig, die im Wesentlichen aus Befeuchten, Trocknen und Lagern besteht. Von dem Gelände an der Hardeckstraße geht es dann an verschiedenen Firmen, die den Tabak weiterverarbeiten.

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