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Karlsruhe-Grötzingen Ausgrabungen in Grötzingen: Ältestes Haus in Karlsruhe gefunden

Grötzingen ist einer der jüngsten Ortsteile Karlsruhes - und bringt gleichzeitig die älteste Geschichte mit. Im Jahr 991 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, reicht seine Siedlungsgeschichte bis ins 4. Jahrhundert zurück. Archäologen haben dort jetzt Spuren aus dem späten 7. Jahrhundert gefunden: Beim ehemaligen Gasthaus "Goldener Ochsen" wurde ein Grubenhaus freigelegt. Der bislang älteste Baubefund auf Karlsruher Stadtgebiet.

Im ehemaligen Gasthaus "Goldener Ochsen" speisten beinahe 500 Jahre lang Reisende, Grötzinger Bürger und nächtigten durchziehende Kaufleute. Die wohl älteste Wirtschaft Karlsruhes entstand 1532 als "Roter Ochsen", wurde jedoch im Pfälzischen Erbfolgekrieg in Schutt und Asche gelegt und wieder aufgebaut.

Ältester Baubefund in Karlsruhe

Seit 2009 ist das zuvor einige Jahre leer stehende Gebäude in den Privatbesitz von Stefan Huber übergegangen. Nun soll das Haus für eine weitere Nutzung präpariert werden: angedacht ist ein Wohnhaus neben der stark renovierungsbedürftigen Gaststätte. Weil diese jedoch im frühesten Siedlungskern des Karlsruher Stadtgebietes liegt, gingen zunächst Archäologen mit dem Bagger zu Werke.

Prompt stießen sie auf ein sogenanntes Grubenhaus aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert: neben Pfostenlöchern gibt es auch Spuren eines Innenraums, Holzkohlereste und einen Abfall oder Latrinenschacht - selbst wenn das Auge des Laien nicht einmal grobe Umrisse davon erkennen kann.

Der unscheinbare Erdwall ist nicht nur für die Siedlungsgeschichte Grötzingens von Bedeutung, sondern auch der derzeit älteste Baubefund auf Karlsruher Stadtgebiet. "Karlsruhe selbst ist zwar noch eine recht junge Stadt, sie hat aber sehr alte Orte eingemeindet", erläutert Folke Damminger, Mittelalter-Archäologe beim Regierungspräsidium Karlsruhe. Grötzingen wurde 1974 zu einem Stadtteil der Fächerstadt.

Investor für den "Ochsen" gesucht

Damminger hätte zwar große Lust, den Fund in Grötzingen zu dokumentieren bevor dort gebaut wird - ob es so weit kommt, ist allerdings noch nicht entschieden. Dauern würden die Arbeiten vermutlich zwei bis drei Wochen. Auch Stefan Huber sähe die Fundstellen am liebsten erhalten. Er selbst wohnt in einem direkt angrenzenden Fachwerkhaus. "Als ich den 'Ochsen' vor drei Jahren gekauft habe, wollte ich ihn einfach erhalten", berichtet er. Inzwischen ist die Bausubstanz freigelegt. Sie ist zwar etwas marode, kann aber saniert werden.

Deshalb sucht Huber nun einen Investor, der dies übernehmen möchte. Er kann sich entweder vorstellen, dass dort eine kleine Firma einzieht und das Haus zu Bürogebäuden umbaut, eine große Firma einen "Think Tank" - eine "Denkfabrik" - ansiedelt oder ein Mäzen Haus und Grundstück kauft. Dann könnte im "Ochsen" eine Galerie entstehen und das Grubenhaus gar begehbar für Interessierte bewahrt werden. "Schließlich war Grötzingen einmal eine Künstlerkolonie", betont Huber. Trotzdem fehle dem Ort bis heute eine Galerie, wo Künstler ihre Werke ausstellen können. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2012 wünscht er sich eine Entscheidung, was weiter mit dem Areal passiert. Gewinnabsichten verfolgt er keine.

Der "Goldene Ochsen" an der Ecke Friedrichstraße/Schultheiß-Kiefer-Straße lässt sich in den Schriftquellen bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Das heutige Obergeschoss des Gebäudes stammt aus dem Jahr 1699/1700, also aus dem Wiederaufbau nach der Zerstörung des ursprünglichen Hauses. Wer sich genauer über das Gasthaus informieren möchte, kann dies unter www.doc-instruments.de tun. Stefan Huber ist außerdem per Email oder telefonisch unter 0173-3520362 zu erreichen.

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